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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kollmann - Kollokatiousurteil
Sache. Kommt die Sache aber aus seinem Besitze
und wird demnächst von einem Nichteigentümer an
einen redlichen Käufer veräußert, so hat dieser nach
dem Gesetz einen Anspruch darauf, daß er sein Geld
nicht verliert. Das Recht des Eigentums und das
des redlichen Erwerbers kollidieren also miteinander.
Bisweilen können solche K. durch Geldentschädigung
ausgeglichen werden. In andern Fällen liegt der Ge-
setzgebung die Pflicht ob, festzustellen, welches Necht
dem andern zu weichen hat. Es läßt sich nicht be-
haupten, daß die Gesetzgebung diese Aufgabe be-
reits nach allen Richtungen befriedigend gelöst habe.
Im Seerecht ist K. die Vezeichnuug für das Zu-
sammenstoßen von Schiffen. Nach deutschem See-
recht (Handelsgesetzbuch Art. 736-741) haftet für
den Fall, daß der Zusammenstoß durch das Ver-
schulden einer Person der Besatzung des einen
Schiffs herbeigeführt ist, der Reeder dieses Schiffs
mit dem Schiffs vermögen (s. d.) für den dem andern
Schiff und dessen Ladung zugefügten Schaden.
Daneben haftet die schuldige Person der Schisfs-
besatzung persönlich für die Folgen ihres Verschul-
dens. Wenn keiner Person der Besatzung des einen
oder des andern Schiffs ein Verschulden zur Last
fällt, oder wenn der Zusammenstoß durch Fahr-
lässigkeit auf beiden Seiten herbeigeführt ist, so bat
jeder Reeder seinen Schaden selbst zu tragen. Die
Eigentümer der Ladung können bei beiderseitigem
Verschulden jeden der beiden Reeder auf Schaden-
ersatz in Anspruch nehmen. Besonders ausgesprochen
ist, daß der Reeder von jeder Schadenersatzpflicht
frei ist, wenn der Zusammenstoß allein durch die
Schuld des das Schiff führenden Zwangslotsen
entstanden ist.
Zur Verhütung der häufigen Schissskollisio-
nen bestehen heutzutage Vorschriften, welche inter-
nationaler Natur sind und in ihrer Gesamtheit
als Seestraßenrecht (rulo ok t1i6 i-o^ci kt,
862.) bezeichnet werden. Die Initiative ergriff 1846
England. Seine Regeln wurden von den meisten
Seestaaten adoptiert. Eine Revision führte zum
Erlaß der in England 9. Jan. 1863 publizierten
Ile^ulHtiouZ t'or pi-evLntinF co1Ii8i()U3 at 86",.
Diese Vorschriften sind von sämtlichen Seestaaten
angenommen worden. In Deutschland sind sie zu-
nächst von den einzelnen Küstenstaaten, sodann all-
gemein für das Deutfche Reich durch kaiferl. Ver-
ordnung vom 23. Dez. 1871 publiziert worden.
Eine fernere Revision dieser Vorschriften hat zu
einer abgeänderten Gestaltung derselben geführt,
welche von sämtlichen Seestaaten angenommen und
für das Deutsche Reich durch die kaiserl. "Verord-
nung zur Verhütung des Zusammenstoßens der
Schiffe auf See" vom 7. Jan. 1880 in Kraft gesetzt
ist. Durch die kaiserl. Verordnung über das Ver-
halten der Schiffer nach einem Zusammenstoß von
Schiffen auf See vom 15. Aug. 1876 wird den
Schiffern beider Schiffe zur Pflicht gemacht, dem
andern Schiffe und feinen Personen zur Abwendung
und Verringerung der Folgen des Zusammenstoßes
den erforderlichen Beistand zu leisten, soweit sie ohne
erhebliche Gefahr für das eigene Schiff und dessen
Personen dazu im stände sind, auch dem andern
Schiffsführer, soweit ohne Gefahr thunlich, vor
Fortsetzung der Fabrt Namen, Unterscheidungs-
signal, Heimats-, Abgangs- und Bestimmungs-
hafen des eigenen Schiffs anzugeben.
Kollmann, Iul., Anatom, geb. 24. Febr. 1834 zu
Holzheim (bei Dillingen a. D., Reg.-Bez. Schwaben),
Artikel, die man unter K vcr
studierte in München und Berlin, besuchte London
und Paris, habilitierte sich 1862 in München, wurde
dort 1870 außerord. Professor und 1878 als ord.
Professor für Anatomie nach Basel berufen. Er
veröffentlichte außer zahlreichen Abhandlungen in
Fachzeitschriften u. a.: "Über den Verlauf der
öungenmagen-Nerven in der Bauchhöhle" (Preis-
schrift, 1860), "Atlas der allgemeinen tierischen
Gewebelehre" (1. u. 2. Lfg., mit von Hcßling, Lpz.
1860), "Entwicklung der Adergeflechte" (ebd. 1861),
"Mechanik des menschlichen Körpers" (Münch. 1874),
"1^68 I-HC68 ä6 1'^NI-0P6 6t 1a cOIUPOZitioil ä68
P6UP168" (1881), "Plastische Anatomie des mensch-
lichen Körpers" (Lpz. 1886).
Kollodium (Collodium), eine alkoholisch-äthe-
rische Lösung von Schießbaumwolle (s.d.) oder Nitro-
cellulose. Je nach Herstellung der Schießbaumwolle
ist diese entweder Trinitrocellulose, Ogll^^O^O^
oder Dinitrocellulose, ^118(^02)205. Von diesen
zeichnet sich erstere durch stark explosive Eigen-
schaften aus, ist aber unlöslich in Äther-Alkohol,
während letztere beim Entzünden verhältnismäßig
schwach verpufft, dagegen in Ather-Alkohol löslich
ist und als Kollodiumwolle bezeichnet wird.
Zur Gewinnung eines schönen, möglichst wasser-
hellen Präparats von Kollodiumwolle ist die Ver-
wendung einer sorgfältig gereinigten, rein weißen
Baumwolle unbedingt nötig. In eine erkaltete
Mischung von 7 Teilen Salpetersäure (1,420 spec.
Gewicht) und 8 Teilen Schwefelsäure (1,833 spec. Ge-
wicht), oder von 8 Teilen Salpetersäure (1,382 bis
1,390 spec. Gewicht) und 20 Teilcn Schwefelsäure
(1,833 spec. Gewicht) trägt man 1 Teil Baumwolle
ein und sorgt durch Eintauchen mit Glasstäben
dafür, daß die Baumwolle rasch von der Säure
durchtränkt und gänzlich von der Flüssigkeit bedeckt
werde. Das Gemisch bleibt 12-24 Stunden stehen,
worauf die äußerlich fast unveränderte Baumwolle
herausgenommen und durch Wafchen mit Wasser
von allen ^ä'urcrestcn befreit wird. Die gewaschene
Kollodiumwolle wird fein zerzupft und an der Luft
getrocknet. Von dieser wird 1 Teil mit 3 Teilen
Alkohol übergössen und 18 Teile 3'lther hinzugefügt.
Die Kollodiumwolle löst sich beim Umschütteln zu
einer sirupdickcn, schleimigen, aber klaren Flüssig-
keit. Die Lösung hinterläßt beim Verdunsten die
Nitrozellulose (Pyrorylin) in Gestalt eines dünnen
durchsichtigen tzäutchens und dient zum Verkleben
von Wunden und in der Photographie. Neuerdings
benutzt man die Kollodiumwolle auch zur Herstellung
des Celluloids (s.d.). - über das blasenziehende
oder Spanischflicgen-Kollodium s. O0II0-
äium caiMHi'jäHtuni; über das englische (ela-
stische) K. s. Kollodium 6ia8ticuni.
Kollodiumwolle, s. Kollodium.
Kolloid, in der pathol. Anatomie eigentümliche
gelbliche, mattglänzende und leimähnliche Eiweiß-
substanz (sog. Natronalbuminat), welche sich vom
Eiweiß durch die Unlöslichkcit in Essigsäure, vom
Schleim durch den Mangel von Gerinnung bei
Essigsäurezusatz und vom Amyloid durch die man-
gelnde Iodschwefclfäurcfärbung unterscheidet. Das
K. bildet sich infolge der sog. kolloiden Ent-
artung oder kolloiden Metamorphose in den
Drüsenbläschen der Schilddrüse und giebt Veran-
lassung zur Entstehung des Kropfes (s. d.).
Kolloide, f. Diffusion und Dialyse.
Kollokationsurteil (von lat. coNoc^tio, Auf-
stellung, Anordnung), auch Lokati ons- oder
mißt, sind unter C aufzusuchen.