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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kommanditwechsel - Kommers
Kommanditwechsel wird der trassierteigene
Wechsel genannt. (S. Trassieren.)
Kommando (ital.), ein Befehl (s. d.), der sofortige
Ausführung verlangt, auch das im Reglement zur
Herbeiführung einer bestimmten Handlung (Griff,
Bewegung u. a.) vorgeschriebene Befehlswort. Man
unterscheidet Ankündigungs - (Avertisse -
ments-)Kommando, das die Aufmerksamkeit auf
die demnächst auszuführende Bewegung lenkt und
diese selbst im voraus bezeichnet, und Ausfüh-
rungskommando, das, zuweilen nur die Silbe
eines Wortes bildend, die sofortige genaue Aus-
führung bezweckt. Eine besondere Ärt des K. ist das
Signal. Ferner ist K. ein einem einzelnen oder
mehrern gegebener Sonderauftrag: K. zu einer
Lehranstalt, K. zur Dienstleistung bei einem Trup-
penteil u. a. Dann wird auch eine von ihrem Trup-
penteil für besondere Zwecke zeitweilig abgetrennte,
meist durch Abgeben einzelner Mannschaften (Kom-
mandierte) von verschiedenen Unterabteilungen
gebildete Abteilung K. genannt, z. B. Wachkom-
mando, Vegleitkommando, K. zum Wasserholen u. a.
Ist ein K. aus Leuten verschiedener Truppenteile
gebildet, so nennt man es gemischtes K. Endlich
bedeutet K. auch Vefehlshaberschaft, Befehlshaber-
stelle, militär. Behörde; in diesem Sinne spricht man
von einem Generalkommando, Divisions-, Brigade-,
Regiments-, Bataillonskommando.
Kommandobrücke, ein schmaler Aufbau über
dem Oberdeck quer über das Schiff, der dazu dient,
dem wachhabenden Offizier, Kommandanten u. s. w.
einen günstigen und vor Seewasser möglichst ge-
schützten freien Standpunkt zum Manövrieren des
Schiffs zu geben. Auf Panzerfchiffen sind die K.
teilweise mit Stahlschilden zum Schutz gegen leichtes
Geschützfeuer versehen, oder es befindet sich mitten
auf der K. ein stark gepanzerter Kommandoturm,
worin sich auch die Kommandoelemente (Maschinen-
telegraph u. s. w.) befinden.
Kommandoftab, Feldherrnstab, Feld-
marschallstab, Marschallstab, das Zeichen
der Würde der höchsten militär. Befehlshaber. Die
Fürsten verliehen den Oberbefehlshabern ihrer Heere,
ursprünglich als Zeichen der obersten Gerichtsbar-
keit, K., welcher Gebrauch sich bis in die neueste
Zeit erhalten hat. Der K. der franz. Marschälle ist
seit dem 18. Jahrh, der ^wn Ü6ui-ll6li86, 20 Zoll
lang, 1^/2 Zoll stark, mit blauem Sammet über-
zogen und reich gestickt; an seinem Ende befinden
^ch goldene Ringe, deren einer den Namen des In-
habers zeigt, während auf dem andern die Devise
"I'ei-i'oi' delii äecug Meis" eingraviert ist. Der K.
der preuh. Generalfeldmarschälle zeigt auf himmel-
blauem Sammet abwechselnd goldene Königskronen
und goldene heraldische königl. Adler, an den beiden
Durchschnittsflächen aber den schwarzen heraldischen
tönigl. Adler auf weißen: Grunde und ist an beiden
Enden mit goldener Einfassung versehen oder auch,
wie der dem Könige von Sachsen zu seinem 50jäh-
rigen Militärjubiläum (24. Okt. 1893) und der dem
Feldmarschall Moltke zu seinem 90. Geburtstag ver-
liehene, mit Diamanten besetzt.
Kommandoturm, s. Kommandobrücke.
Kommandozeichen, Flaggen, die zum Zeichen
der Anwesenheit des Höchsttommandierenden auf
Kriegsschiffen geheißt werden, s. Deutschland und
Deutsches Reich (Bd. 5, S. 154d).
Kommassation (neulat.), die Zusammenlegung
(s. d.) der Grundstücke, Güter u. s. w.
Artikel, die man unter K verm
Kommendatar, Kommendator (mittellat),
s. ^.ccoiii6iiäH.
Kommendatärabt, ein Abt, dem das Einkom-
men einer Abtei ohne Amtspflichten überwiesen ist.
Solcher K. gab es früher namentlich in Frankreich
viele. (S. Abbe und Kommende.)
Kommönde (mittellat. ooinmenäN, vom lat.com-
M6UÜH1-6, anvertrauen), Kommauderie, Komtu-
re i, ursprünglich eine erledigte, von einem benach-
barten Geistlichen einstweilen verwaltete Stelle;
weiterhin eine in Interimsverwaltung befindliche
Pfründe, deren hauptsächliche Einkünfte ein be-
güterter Laie bezog. So gab es namentlich im Frän-
kischen Reiche Laien- oder Kommendataräbte
lHdd^t63 comnieuäHtHrii). Die Päpste traten dieser
Verweltlichung des Kirchenvermögens zwar mit
Erfolg entgegen, gestatteten aber dafür, daß höhere
oder sonst begünstigte Geistliche mehrere, selbst un-
vereinbare Stellen als K. an sich zogen. Das Triden-
tinische Konzil versuchte den frühern Mißbräuchen
zu steuern, und wenn auch der Papst noch K. zu er-
teilen befugt ist, so ist das Institut doch von keiner
praktischen Bedeutung mehr.
Bei den geistlichen Ritterorden trug man
den Namen K. auf die Gebiete über, welche einzel-
nen Ordensmitgliedern (Komturen, cominLiiäÄ-
toi-68) zur Verwaltung oder Nutznießung übergeben
wurden. Die Aufsicht über die Komtureien einer
Provinz führte der Landkomtur. Auch die Do-
tation eines Vikars oder Altaristen bei DomNrchen
heißt Kommanderie.
Kommendenbrief ist die Urkunde, mittels
welcher dem kath. Geistlichen ein Kirchenamt über-
tragen wird. Der Bischof empfängt für diese Über-
tragung eine Taxe, das Kommendengeld.
Kommenfalismus (neulat.), ^Schmarotzertum.
Kommensurabel (lat.) sind gleichartige Größen,
die sich durch eine und dieselbe gleichartige Größe ohne
Rest messen und teilen lassen. Inkommensurabel
hingegen sind Größen, deren Verhältnis irrational
ist, d. h. durch den Quotienten ganzer Zahlen nicht
ohne einen wenn auch noch so kleinen Fehler aus-
gedrückt werden kann, z. B. die Seite und die Diago-
nale eines Quadrats, der Durchmesser und der Um-
fang eines Kreises.
Kommentar (lat.), ursprünglich soviel wie No-
tizenbuch, skizzenhafter oder tagebuchartiger Bericht
(f. Omnienwrii); jetzt gewöhnlich foviel wie Erklä-
rung, fortlaufende und zusammenhängende Aus-
legung eines Buches; Kommentator, Erklärer;
kommentieren, erklären, auslegen. (S. Exegese.)
Kommörs (vom lat. coininki-cium), in der Stu-
dentensprache soviel wie feierliches Trinkgelage.
Kommerfieren, einen K. abhalten, an einem K.
teilnehmen; Kommersbuch, Sammlung von Lie-
dern, welche beim K. gefungen werden, und von
Studentenliedern überhaupt; die ältesten dergleichen
Sammlungen waren: "Studentenlieder, gesammelt
und gebessert", von Chr. W. Kindleben (Halle 1781),
"Akademisches Liederbuch" (2 Bdchn., 1782 u. 1795,
von Aug. Niemann), "Trink- oder Commerschlieder"
(bg. von R -d -r ^I. Chr. Rüdiger >, Halle 1791),
"Akademisches Lustwäldlein oder Ausbund lieblicher
Burschenlieder" (gesammelt durch Herkules Raufs-
eisen, Altdorf 1794). Die verbreitetsten sind gegen-
wärtig die bei Teubner in Leipzig und bei Schauen-
burg in Lahr erscheinenden Kommersbücher. - Vgl.
Robert und Richard Keil, Deutsche Studentenlieder
des 17. und 18. Jahrh. (Lahr).
ißt, sind unter C aufzusuchen.