Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

612

Konziliieren - Kopais

fele, Konziliengeschichte (Bd. 1‒7, Freib. i. Br. 1855‒74; 2. Aufl. 1873 fg.; fortgesetzt von Hergenröther, 1887 fg.).

Konziliieren (lat.), vereinigen, versöhnen; Konziliation, Vereinigung, Versöhnung; konziliatōrisch, vermittelnd, Vereinigung, Versöhnung bezweckend, dazu geneigt, geschickt.

Konzinn, s. Koncinn.

Konzipieren (lat., «empfangen»), schwanger werden (s. Konzeption); ein Schriftstück entwerfen, aufsetzen; Konzipiént, Konzipist, Abfasser eines Schriftstückes.

Konzis, s. Koncis.

Kooge, s. Polder.

Kooperative Associationen, Kooperativgesellschaften (engl. cooperative societies; frz. spciétés coopératives), eine andere Bezeichnung für Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften (s. d.).

Kooperieren (lat.), mitwirken, gemeinsam wirken; Kooperation, gemeinsames Wirken (s. Genossenschaft); Kooperātor, Mitarbeiter, Titel kath. Geistlicher.

Kooptieren (lat.), hinzuwählen, besonders von Komitees u. s. w. gebraucht, die sich durch Wahl ergänzen oder verstärken; Kooptation, die Vornahme einer solchen Wahl.

Koordinaten (neulat.), in der analytischen Geometrie zwei oder mehr zusammengehörige Größen, welche die Lage eines Punktes in der Ebene oder auf einer krummen Oberfläche oder im Raume bestimmen. Ein Punkt A in einer Ebene wird meist durch seine Abstände von zwei sich schneidenden Geraden von bekannter Lage bestimmt, welche die Koordinatenachsen heißen und in der Regel senkrecht aufeinander stehend gewählt werden (s. beistehende Fig. 1). Die K. selbst, durch die der Punkt seiner Lage nach gegenüber den Achsen bestimmt wird, sind x und y, und zwar nennt man x die Abscisse und y die Ordinate; dementsprechend heißt die Achse OX die Abscissenachse und OY die Ordinatenachse. Der Durchschnittspunkt O der Achsen heißt der Anfang der K. Eine andere Bestimmungsart eines Punktes A. (Fig. 2) besteht darin, daß man eine feste Gerade XX zieht und auf derselben den festen Punkt O annimmt. Durch die Entfernung r des Punktes A von O und den Winkel α, den r mit XX bildet, ist die Lage von A vollständig bestimmt. Die Stücke r und α heißen zusammen die Polarkoordinaten des Punktes A. Ein Punkt im Raume wird durch seine Abstände von drei sich durchschneidenden Ebenen, deren Lage als bekannt angesehen wird, bestimmt. Auch diese Ebenen, mit denen die K. parallel sind, stehen in der Regel senkrecht aufeinander. Ihr Durchschnittspunkt heißt der Anfang der K. Eine andere Art die Lage eines Punktes im Raume zu bestimmen, ist die durch eine Linie und zwei Winkel, wobei eine Ebene, in derselben eine gerade Linie und in dieser ein Punkt als bekannt angesehen werden. Die Natur einer ebenen krummen Linie (von einfacher Krümmung) wird durch eine Gleichung zwischen den beiden K. eines ihrer Punkte, die Natur einer krummen Linie von doppelter Krümmung durch zwei Gleichungen zwischen den drei K., endlich die Natur einer Fläche durch eine Gleichung zwischen den drei K. eines ihrer Punkte bestimmt.

^[Abb. Fig. 1]

^[Abb. Fig. 2]

Koordinatenmethode, s. Feldmeßkunst.

Koordination (neulat.), Nebenordnung, Gleichstellung (s. Subordination), in der Physiologie das harmonische zweckmäßige Zusammenwirken der Muskeln; koordinierte Bewegungen, mehrere, gleichzeitig oder kurz aufeinander in einer geordneten Reihenfolge auftretende Bewegungen, bei welchen eine größere Anzahl von willkürlichen Muskeln thätig sind, wie beim Gehen, Kauen, Klavierspielen u. s. w. Die Nerven, welche derartige koordinierte Bewegungen veranlassen, werden von einem besondern, im Rückenmark gelegenen Centralorgan, dem sog. Koordinationscentrum, in Erregung versetzt. Koordinationsstörungen, infolge deren das Gehen, Schreiben u. dgl. ungeschickt ausgeführt wird oder ganz mißglückt, sind ein charakteristisches Symptom der Rückenmarksschwindsucht (s. d.).

Koordinieren (neulat.), beiordnen, gleichstellen; koordiniert, gleichstehend, in gleichem Range. (S. Koordination.)

Koos, Insel, s. Kos.

Kooso, s. Kussoblumen.

Kootanie, s. Kootenay.

Kootenay (spr. kutĕneh), auch Kootanie, Gebirgsstock (1816 m) des Felsengebirges im S. von Britisch-Columbia, im N. der Purcell-Range, im wildesten Teile des Gebirges; am Westabhang entspringt der Fluß K., der in einem tiefen Längsthale zuerst südwärts fließt, unter 48° 20’ nördl. Br. nach N. umbiegt, den Kootenaysee durchfließt, um nach kurzem, westwärts gerichtetem Laufe in den Columbia zu münden. Das Fort K. liegt an der Stelle, wo er in das Gebiet der Union tritt.

Kopāis, eine sumpfige Niederung in Böotien, benannt nach der an der Nordostseite gelegenen alten Stadt Kopä (jetzt Topolia, daher auch See von Topolia). Sie nahm den Kephisos und kleinere Bäche auf und fand nur durch etwa 20 unterirdische natürliche Kanäle, die sich durch das Innere der Berge nach dem Euböischen Meere hinzogen (s. Katabothron), einen unzureichenden Abzug. Der Stand des Wassers war daher sehr ungleich. Am höchsten stand es in den Wintermonaten, wo die ganze Niederung von einer zusammenhängenden Wasserfläche bedeckt ward. Von Anfang Mai an sank es, sodaß größere Strecken zu Getreide-, Baumwoll-, Reisfeldern oder zu Weiden benutzt werden konnten. Schon im frühesten Altertum hat das Volk der Minyer durch Kanal- und Deichbauten, deren Reste man neuerdings aufgefunden hat, die Ebene trocken gelegt und angebaut. Später versuchte Alexander d. Gr. durch Krates aus Chalkis die Ableitung der Gewässer, aber erfolglos. Seit 1883 hat eine franz., jetzt engl. Gesellschaft die Kanalisierung und die Ableitung der Gewässer durch Tunnels zum Likeri-See, von diesem zum Paralimni-See und dann zum Meere durchgeführt. Seit 1887 ist die Kopaïs-Niederung bis auf einige Sümpfe trocken und 250 qkm fruchtbaren Bodens sind gewonnen worden. – Vgl. Petermanns Mitteilungen (Gotha 1889, S. 72); Curtius, Die Deichbauten der Minyer (in den «Sitzungsberichten» der Berliner Akademie, 1892).

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]