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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kriegsmarine - Kriegsrat
Die Bezahlung der Pferde nach dem Friedenspreise
erfolgt aus der Kriegskasse. - Vgl. Laband, Staats-
recht des Deutschen Reichs, II, §. 110 (2. Aufl.,
Freib. i. Vr. 1890-91).
Kriegsmarine, s. Marine, über die deutsche,
französische, großbritannische u. s. w. K. s. Deutsches,
Französisches u. s. w. Heerwesen.
Kriegsmarsch, jede bedeutende Stellungs-
änderung der Truppen mit Rücksicht auf den Feind.
Die K. machen zum großen Teil die Kriegsthätigkeit
der Truppen aus und bilden einen wesentlichen
Bestandteil der Operationen. Oft ist es schon von
entscheidender Wichtigkeit, daß eine Truppe schlag-
fertig zur reckten Zeit an einem ihr angewiesenen
Punkte eintrifft. Für K. sind neben strenger Disciplin
in erster Linie strategische und taktische, dann erst
sanitäre und ökonomische Rücksichten maßgebend; je
näher dem Feinde, desto mehr treten letztere zurück.
Jeder K. wird mit Marschsicherheits maß-
regeln ausgeführt; die Grundlage für diese ist die
Gliederung der marschierenden Truppe in Avant-
oder Arri er e gar de und Gros. Die Absonderung
einer Reserve während des Marsches, früher wobl
üblich, ist zwecklos und störend. In Bezug auf die
Richtung zum Feinde unterfcheidet man: Vor-
marsch, Rückmarsch und Flankenmarsch.
Führt der Vormarsch direkt zum Zusammenstoß, so
nennt man ihn Anmarsch zum Gefecht; erfolgt
der Rückmarsch unter Nötigung durch den Feind,
so wird er zum Rückzug. Ein Flankenmarsch, bei dem
man in größerer oder geringerer Entfernung längs
der Front der feindlichen Aufstellung entlang mar-
schiert und dem Gegner die Flanke bietet, ist ein gefähr-
liches Unternehmen und eine der schwierigsten Auf-
gaben für die Truppenführung. Über das Gefecht
unmittelbar vom Marsche aus s. Begegnungsgefecht.
Kriegsmaschinen, Maschinen zum Schutze oder
zum Angriff im Kriege. Die K. des Altertums und
Mittelalters sind gewissermaßen als verallgemei-
nerte Waffen zu betrachten, die nicht den Schutz
und die Vernichtung des einzelnen Kriegers, fon-
dern eines befestigten Platzes in seiner Gesamtheit
bezweckten; für die K. gilt daher diefelbe Einteilung
wie für die Waffen überhaupt: Schutzmaschinen
und Trutz - oder Angriffsmaschinen. Die Schutz-
maschinen umfassen alle Vorrichtungen, die dem
Angreifer gestatten, sich möglichst gesichert der Mauer
der belagerten Stadt zu nähern, gesichert an der
Zerstörung derselben zu arbeiten und ungefährdet
die Höhe derselben ersteigen zu können. Hierher
gehören die beweglichen Schirme zum Schutze vor-
geschobener Schützen; die Schutzdächer verschie-
dener Art, die zum Schutz derjenigen Mannschaften
dienen sollten, welche das Vorgelände für die Be-
wegung der großen Maschinen einebneten, mit der
Ausfüllung des Grabens, mit der Untergrabung
der Mauer oder mit Herstellung einer Öffnung in
derselben beschäftigt waren; die zur Ersteigung der
Mauer dienenden Vorrichtungen des Hebekastens
nnd der Sturmbrücke (s. Fallbrücke), endlich
die zur Aufstellung von Wurfmaschinen und all-
mählicher Annäherung an die Mauer bestimmten
Wandeltürme. Die Trutz- oder Angriffs-
maschinen zerfallen in solche, die in unmittelbarer
Nähe (Nah Maschinen) und in solche, die aus der
Ferne wirken (Fernmaschinen). Die in der Nabe
wirkenden Angriffsmaschinen waren: Mauerboh-
rer, Widder oder Mauerbrecher und Sturm-
Haken. Über die aus der Ferne wirkenden Angriffs- !
mafchinen f. Wurfmafchinen. Die gesamten K. des
Mittelalters, welche nach Zweck und Einrichtung
denen des Altertums im allgemeinen ähnlich sind,
werden mit dem Namen Antwerk (s. d.) bezeich-
net. - Litteratur s. Balliste.
Kriegsministerium, die oberste Staatsbehörde
für das Heer- und Kriegswesen. An der Spitze steht
derKrie g s minister, meist ein höherer Offizier, der
vom Kriegsherrn oder dem Staatsoberhaupt ernannt
wird. In konstitutionellen Staaten hat er fein Res-
sort auch im Parlament zu vertreten; bei rein par-
lamentarischer Regierung muß er daher der Majo-
rität des Parlaments entnommen werden, braucht
dann aber nicht Militär zu sein; bei weniger streng
parlamentarischer Regierung kann er als Fachmini-
ster von etwaigem Kabinettswechsel ausgeschlossen
bleiben. In militär. Hinsicht leitet der Kriegsmini-
ster entweder das gesamte Heerwesen (wie in Frank-
reich) oder nur die organisatorischen und Verwal-
tungsangelegenbeiten (wie in Preußen), während im
letztern Falle für Oberbefehl, Dienstpraris u. s. w.
besondere Organe bestehen. In Preußen z. B. führt
der Deutsche Kaiser den Oberbefehl, während ihm
der Chef des Generalstabes, die Generalinspecteure
der Artillerie und des Ingenieurkorps und der Fe-
stungen, die kommandierenden Generale u. s. w. zur
Seite stehen.
Im Deutschen Reich bestehen K. für Preußen,
Bayern, Württemberg, Sachsen; für alle übrigen
deutschen Staaten und das Reichsland fungiert das
preußische K. Das preußische K. zerfällt in fol-
gende Abteilungen: Centralabteilung, in wel-
cher der Kriegsminister selbst die Entscheidung trifft;
Allgemeines Kriegsdepartement (Armee-
abteilung, Abteilung für Fußtruppen, Kavallerie-
abteilung, Feldartillerieabteilung, Festungsabtei-
lung) ; die Abteilung für persönliche Angelegenheiten
(Militärkabinett) ist neuerdings selbständig
gestellt; Militärökonomiedepartement
(Kassenabteilung, Verpflcgungsabteilung, Veklei-
dungsabteilung, Servisabteilung, Vauabteilung);
Departement für das Invalidenwesen
(Pensionsabteilung, Unterstützungsabteilung, An-
stellungsabteiluug); Waffendepartement (feit
I.April 1890; Handwaffenabteilung, Geschützabtei-
lung, Technische Abteilung, Remontierungsabtei-
lung, Medizinalabteilung). - Außerdem sind beim
K. das Direktorium des Potsdamschen großen Mi-
litärwaisenbauses, die Oberprüfungskommission im
K. und die Generalmilitärkasse.
Kriegsmittel, s. Krieg.
Kriegsraison, soviel wie Krieasgebrauch (s. d.).
Kriegsranglisten, Personalverzeichnisse der
Offiziere (die Verzeichnisse der Unteroffiziere und
der Mannschaften heißen Kriegsstammrollen),
die im deutschen Heere von sämtlichen Behörden
und Truppenteilen des Feld- und Besatzungsheers
während der Dauer des mobilen Zustandes ge-
führt werden. Die K. sind insbesondere wichtig für
alle die Beurkundung des Personenstandes betref-
fenden Angelegenheiten sowie für die Beurteilung
etwaiger fpäterer Versorgungsansprüche. Zur Er-
kennung der Toten und der schwer Verwundeten
trägt im deutschen Heere jeder Soldat eine Blech-
marke unter der Kleidung an einer Schnur um den
Hals, auf welcher die Nummer steht, unter welcher
er eingetragen ist.
Kriegsrat, eine Versammlung höherer Offi-
ziere, die der Oberbefehlshaber in schwierigen La-
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.