Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Le Bourget; Leboulenge; Lebowicz; Lebrija; Lebrun; Lebrun (Charles Francois)

6

Leboulengé – Lebrun (Charles François, Herzog von Piacenza)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Leboeuf'

21. Aug. 1869 zum Kriegsminister ernannt. L. beschränkte seine Thätigkeit auf Umformung der Infanterieregimenter und Verbesserungen in der Verwaltung. Die von Niel eingeleitete Organisation der Mobilgarde, durch die eine vom stehenden Heer unabhängige Reservearmee geschaffen werden sollte, wurde von L. nicht weiter entwickelt. Er behielt sein Portefeuille auch in dem Dez. 1869 gebildeten Ministerium Ollivier und wurde 24. März 1870 zum Marschall ernannt. In den geheimen, unter Vorsitz des Kaisers gehaltenen Ministerconseils sowie im Corps législatif bezeichnete L. die franz. Armee als völlig kriegsbereit, «archiprét». Bei Ausbruch des Krieges ernannte ihn der Kaiser zum Generalstabschef der Armee. Nach den ersten Niederlagen bei Weißenburg, Wörth und Spichern forderte die Regentschaft zu Paris mit Umgehung des Kaisers L. zur Niederlegung seines Amtes auf. Er kam dieser Aufforderung nach und übernahm 12. Aug. den Befehl über das 3. Armeekorps, mit dem er in Metz eingeschlossen wurde und 30. und 31. Aug. bei Noisseville mit Auszeichnung focht. Durch die Kapitulation von Metz geriet er in Gefangenschaft. Nach dem Frieden zog er sich nach dem Haag ins Privatleben zurück. L. starb 7. Juni 1838 zu Moncel (Orne).

Leboulengé (spr. -bulangscheh), Paul Emile, Stabsoffizier der belg. Artillerie, geb. 11. März 1832 in Mesnil-Eglise (Provinz Namur), bekannt durch seine Erfindungen auf dem Gebiete der Ballistik, insbesondere diejenigen des in sämtlichen Artillerien eingeführten Chronographen (s. Chronoskop, Bd. 4, S. 297b) und eines akustischen Entfernungsmessers (s. d.). Er schrieb: «Étude de balistique expérimentale» (Brüss. 1868), «Description et emploi du chronograph Le Boulengé» (ebd. 1869), «Télémètre de combat» (ebd. 1874), «Télémètre de fusil» (ebd. 1875), «Description, maniement et usage des télémètres» (ebd. 1877). 1889 verbesserte er seinen Chronographen, um ihn auch für die Waffen der damals auftretenden großen Anfangsgeschwindigkeiten geeignet zu machen.

Le Bourget, franz. Ortschaften, s. Bourget.

Lebowicz (spr. -witz), Jankiew, jüd. Sektierer, s. Frank, Jakob.

Lebrija (spr. -cha), Stadt in der span. Provinz Sevilla, auf einem Hügel, an der Bahnlinie Cadiz-Utrera, in welliger, sehr fruchtbarer Umgebung, hat (1887) 11933 E., Schloßruine; Handel mit Wein und Olivenöl.

Lebrun (spr. -bröng), Charles, Maler, geb. 24. Febr. 1619 zu Paris als Sohn eines Bildhauers, gewann die Gunst des Kanzlers Séguier, der ihn die Schule Vouets besuchen ließ und ihn im Herbst 1643 nach Italien sendete. Unter Poussins Leitung malte er in Rom mehrere Bilder, die den Einfluß dieses Meisters zeigen. 1646 nach Paris zurückgekehrt, betrieb er die Gründung der Kunstakademie, die 1. Febr. 1648 eröffnet wurde und an der er alsbald abwechselnd Professor, Rektor und Kanzler, seit 1668 dauernd Rektor, seit Sept. 1683 Direktor wurde. 1660 auch zum Direktor der Gobelinsmanufaktur ernannt, Juli 1662 zum königl. Hofmaler, Dez. 1662 in den Adelstand erhoben, führte L. seitdem die Oberaufsicht über die verschiedensten Kunstgebiete und gab der ganzen zeitgenössischen Kunst ihr Gepräge. Er starb 12. Febr. 1690 in Paris. Seine Kompositionen sind theatralisch wirkungsvoll, keck und sicher gemalt, imposant in ihrer reichen, dekorativen Üppigkeit; doch machen sie vielfach ↔ den Eindruck überladenen Schwulstes, wie auch ihr allegorischer Inhalt und die kalte Farbenharmonie wenig anmuten. Ebenso fehlt es seinen Gestalten an charakteristischer Durchbildung und Individualität. Seine umfassendste Schöpfung ist die Ausmalung des Schlosses zu Versailles (1673–83), die er mit zahlreichen Schülern ausführte. Er selbst malte die Gesandtentreppe, die große Galerie, die Säle des Krieges und Friedens. In der Gesandtentreppe schildert das Hauptdeckenbild die Musen, welche Ludwig XIV. huldigen. Gegenüber seinen dekorativen Arbeiten kommen seine Tafelbilder, die er zum großen Teil als Vorlagen für die königl. Gobelinsmanufaktur anfertigte, weniger in Betracht. Das Louvre in Paris besitzt davon 26 Gemälde, religiösen, mytholog. und geschichtlichen Inhalts: zu nennen sind: Martyrium des heil. Stephanus (1651), Heilige Familie, Christus in der Wüste von Engeln bedient, Büßende Magdalena, Kreuzigung Christi (1685), Einzug Christi in Jerusalem (1689), Jagd des Kalydonischen Ebers; ferner fünf bis 12 m lange Gemälde aus den Feldzügen Alexanders d. Gr. (darunter Das Zelt des Darius, s. Tafel: Französische Kunst V, Fig. 3). Auch in deutschen Galerien (München, Wien, Dresden) ist L. mit Bildern vertreten. – Vgl. Jouin, Charles L. et les arts sous Louis XIV (Par. 1891).

Lebrun (spr. -bröng), Charles François, Herzog von Piacenza, franz. Staatsmann, geb. 19. März 1739 zu St. Sauveur-Landelin bei Coutances, studierte in Paris und übernahm dann die Erziehung der Kinder des spätern Kanzlers Maupeou. Als Maupeou mit den Parlamenten in Streit geriet, ließ L. mehrere Flugschriften im Interesse des Hofs erscheinen, fiel aber bei der Thronbesteigung Ludwigs XVI. in Ungnade. Kurz vor dem Ausbruch der Revolution erregte er mit einer Schrift «La voix du citoyen» (1789) Aufsehen. Er wurde in die Nationalversammlung gewählt und wurde 1791 Präsident des Verwaltungsrats im Depart. Seine-et-Oise. Die Ereignisse vom 10. Aug. 1792 brachten ihn jedoch ins Gefängnis, aus dem ihn erst der Sturz der Schreckensherrschaft befreite. 1795 trat er in den Rat der Fünfhundert und übernahm 20. Febr. 1796 darin den Vorsitz. Er leistete Bonaparte bei der Revolution vom 18. Brumaire (9. Nov. 1799) große Dienste, und dieser wählte ihn dafür zum Dritten Konsul. L. erwarb sich in dieser Stellung Verdienste um die Herstellung der franz. Finanzen und errichtete den Rechnungshof. Bei Aufrichtung des Kaiserthrons wurde er zum Erzschatzmeister des Reichs erhoben, auch erhielt er das Generalgouvernement von Ligurien, das er 1806 in ein franz. Departement umgestalten mußte. Hierauf verlieh ihm Napoleon den Titel eines Herzogs von Piacenza. Nach der Abdankung Ludwig Bonapartes wurde er 1810 Gouverneur von Holland. Als ihn die Verbündeten Ende 1813 vertrieben, ging er nach Paris, unterzeichnete die Berufung der Bourbons auf den Thron und erhielt 1814 die Pairswürde. Weil er jedoch während der Hundert Tage vom Kaiser den Titel eines Großmeisters der Universität angenommen hatte, verlor er nach der zweiten Restauration seine polit. Stellung. Erst im März 1819 wurde er wieder in die Pairskammer aufgenommen und gehörte hier der konstitutionellen Partei an. Er starb 16. Juni 1824 auf seinem Landgute St. Mesme bei Dourdan. L. war Mitglied des Instituts. Schon als Student hatte er sich einen Namen erworben durch

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 7.