Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

20

Leerdam - Lefèbre

bahn löschen. 1892 gingen aus und liefen ein 5277 beladene Schiffe mit 87910 Registertons Ladungsfähigkeit.

Leerdam, früher Lederdam, Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, am Nordufer der Linge, an der Bahnlinie Elst-Dordrecht, hat (1892) 4221 E., reform. Kirche, Pferdemarkt und bedeutende Glasindustrie.

Leerdarm, s. Darm (Bd. 4, S. 809 a).

Leere (lat. Vacuum), ein Raum, in dem sich kein Körper befindet. Ob es absolut leere Räume giebt, ist fraglich. Die Verzögerung des Enckeschen Kometen und die neuere Licht- und Wärmetheorie führen zu der Ansicht, daß die früher als leer angenommenen Räume zwischen den Himmelskörpern von einer feinen Materie, dem Äther (s. d.), erfüllt seien, welche die Fortpflanzung der Licht- und Wärmestrahlung vermittelt und die Ursache mancher Abweichungen in der Bewegung der Himmelskörper ist. Im relativen Sinne heißt L. ein von Luft leerer Raum, wie er durch die Luftpumpe (s. d.) annähernd erzeugt wird. Dabei wird die allseitige Gleichheit des Luftdruckes aufgehoben, und es bleibt nur ein einseitiger, nach der L. zu gerichteter Luftdruck, vermöge dessen die äußere Luft in die L. entweder selbst einzudringen oder vorliegende Flüssigkeiten in dieselbe hineinzudrängen sucht. Dies veranlaßte früher zu der Annahme, daß die Natur einen unbedingten Abscheu vor der L. (Horror vacui) habe. Torricelli zeigte 1643 zuerst am Barometer, daß dieser Widerstand nur bis zur Höhe des Druckes einer Quecksilbersäule von ungefähr 760 mm Höhe reiche. Nach ihm heißt der über dem Quecksilber im Barometer befindliche luftleere Raum die Torricellische L. Näheres über den Torricellischen Versuch s. Barometer (Bd. 2, S. 426 b). Ein luftleerer oder luftverdünnter Raum erleidet in der Luft einen Auftrieb (s. d.).

Leerfahrtkilometer, s. Eisenbahnstatistik (Bd. 5, S. 886 a).

Leerfeld, s. Leitha.

Leergang, Leerlauf, bei einem Motor dasjenige Bewegungsstadium, bei welchem er keine nutzbare Arbeit leistet, sondern nur die Reibung seines eigenen Mechanismus überwindet.

Leergebinde, Leergespärre, s. Gebinde und Sparren.

Leergut, s. Fustage.

Leerlauf, s. Leergang und Wasserräder.

Leerscheibe, eine Riemenscheibe (s. d.).

Leerschlucken, s. Rachen.

Leesegel, Leesegelspieren, Leeseite, s. Lee.

Leeuwarden (spr. löw-, fries. Lieuwert), Hauptstadt und ehemalige Residenz des Erbstatthalters der niederländ. Provinz Friesland, an der Ee inmitten eines schönen Wiesenlandes gelegen, an der Staatsbahn Harlingen-Nieuweschans (Langakker), die hier nach Stavoren (51 km) und Meppel abzweigt, ist durch Kanäle mit Harlingen, Franeker und Dokkum verbunden. L. hat (1892) 30689 E., gerade Straßen, an der Stelle der frühern Festungswälle Anlagen, schönes Rathaus aus alter Zeit und ehemaliges Residenzschloß am Hofplein, Stadtbibliothek, got. Kanzlei (Kanselarij), früher der Gerichtshof von Friesland und am Zaailand einen neuen Justizpalast, Börse, Gymnasium und Realschule. L. ist Sitz der fries. Gesellschaft für Geschichte, Altertums- und Sprachenkunde, welche bedeutende Sammlungen besitzt. Sehr bedeutend ist der Getreide- und Viehhandel, ferner der mit Butter und Käse, mit Cichorie, Flachs, Rindshäuten, Knochen, wollenen Manufakten und Kolonialwaren, Wein und Kornbranntwein. Es bestehen Tischlereien, Spiegel-, Pianoforte- und Orgelfabriken; besonders aber blüht das Silber- und Goldschmiedegewerbe. – L. wurde schon 1190 ummauert. Noch im 13. Jahrh. lag es an einem breiten Meerbusen, dem Mittelsee oder Borndiep, welcher allmählich durch Schlammanhäufung ausgefüllt wurde, so daß der Ort jetzt eine Landstadt bildet.

Leeuwenhoek (spr. löwenhuk), Antonius van, niederländ. Zoolog, geb. 24. Okt. 1632 zu Delft, war bis 1654 Kassierer und Buchhalter in einer Tuchhandlung in Amsterdam, ging aber dann nach Delft zurück und widmete sich naturwissenschaftlichen Studien. L. war namentlich ein ausgezeichneter Mikroskopiker, obwohl vollkommen Autodidakt und ohne wissenschaftliche Erziehung. Er verfertigte sich seine Mikroskope, welche zum Gebrauch zwar sehr unbequem waren, aber bedeutend vergrößerten, selbst und machte, planlos alles, was ihm unter die Hand kam, untersuchend, eine Reihe hochwichtiger Entdeckungen. Er sah zuerst die Blutkörperchen, die Bewegung des Blutes in den Kapillargefäßen des Schwanzes der Froschlarve, die Zahnröhrchen, die Schuppen der Oberhaut, die Querstreifung der willkürlichen Muskeln u. s. w. Er entdeckte auch die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Blattläuse und vor allem die Infusionstierchen. Er war der erste, der der Lehre von der spontanen Zeugung mit Entschiedenheit und logischer Schärfe entgegentrat. L. starb 26. Aug. 1723 in Delft. Seine Abhandlungen finden sich in den «Transactions of the Royal Society of London» seiner Zeit; sie erschienen auch als Sammelwerk u. d. T. «Sendbrieven, ontleedingen en ontkellingen etc.» (7 Bde., Leid. und Delft 1685‒1718) in holländ. Sprache sowie als «Opera omnia, s. Arcana naturae etc.» (7 Bde., Leid. 1722) lateinisch ; auch englisch in Auswahl (2 Bde., Lond. 1798‒1801). – Vgl. Haarmann, Antonius van L. (Leid. 1875).

Leewardinseln (Leeward islands, spr. lihwĕrd eiländs), s. Antillen.

Leewärts, s. Lee (seemännisch).

Leeweg, soviel wie Abtrift (s. d.).

Lefaucheuxgewehr (spr. -foschöh-), ein von dem Pariser Waffenfabrikanten Lefaucheux um 1852 konstruiertes Hinterladungs-Jagdgewehr, das erste, welches eine mit dem Zündmittel versehene gasdichte Patrone schoß. Die Patrone hat seitliche Stiftzündung, d. h. sie wird durch einen seitwärts aus dem Metallboden hervorragenden Stift entzündet, indem der Hahn auf denselben aufschlägt. Die Läufe klappen sich von dem Hinterstück ab, zum Festhalten derselben in der geschlossenen Stellung dient ein sog. Schlüssel, deren es verschiedene Arten giebt (der einfache, der doppelte und der engl. Schlüssel). Das L. fand bei den Jagdliebhabern vielen Anklang und ist, obwohl durch bessere Systeme (z. B. Centralfeuer- oder Lancastergewehr, s. d.) überholt, noch heute verbreitet trotz der vervielfachen Mängel, die die Patrone zeigt, z. B. das Entweichen von Pulvergasen am Stift und die leichte Entzündung der herabfallenden Patrone wegen des hervorragenden Stiftes. (S. Jagdgewehre.)

Lefèbre, auch Lefèvre oder Lefebvre (spr. -fähwr), Tannegui, gewöhnlich Tanaquil Faber genannt, franz. Humanist, geb. 1615 zu Caen, wurde in Paris von Richelieu als Inspektor der Druckerei im Louvre angestellt und trat nach dessen Tode zur reform. Kirche über, worauf er eine theol. Professur