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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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León de los Aldamas - Leonhardt
jüngcrn ital. Opernkomponiftcn der Gegenwart.
Seine "?^1iacci'> (1892; deutsch "Der Bajazzo")
baden bereits die Bühnen aller Länder in Besitz ge-
nommen; weniger Erfolg hatten "INsdici" (1893),
der erste Teil emes Operncyklus. 1896 erschien die
Oper "Cbatterton". L. ist ein Vertreter jener auf
Naturwabrheit und starken Ausdruck gerichteten Be-
wegung des ital. Musikdramas, die unter dem
Namen Vei-iäino bekannt ist und mit Mascagnis
"(^valieria. i'ugtickma" ihren ersten Triumph feierte.
L. versteht kunstvoll zu arbeiten und zeigt sich in der
Form als Schüler Wagners.
Leön de los Aldamas, Stadt im merik. Staat
Guanajuato, 50 kin westlich von Guanajuato, am
Torbio, in fruchtbarer Gegend, an der Babn von
Queretaro nach Zacatecas, ist eine der bestgebauten
und blühendsten Städte des Landes, mit 50000 E.;
bedeutendem Handel mit Getreide und andern Bo-
dcnprodukten sowie Woll- und Baumwollwcberci,
Gerberei, Sattlerei, Gold- und Silberstickcrei.
Leone, Monte-, s. Sankt Gotthard.
Leone, Handelsplatz, s. Tutuila.
Leonesen, Bewohner des spau. Königreichs Leon.
Leonforte, Stadt im Kreis Nicosia der ital.
Provinz Catania auf Sicilien, in 640 m Höhe,
an der Eisenbahn Palermo-Catania, mit (1881)
16 009 E., sehr schön in fruchtbarer Umgebung ge-
legen; treibt Handel mit Wein, Korn, Kä'^e und
bergmännischen Erzeugnissen.
Leonhard, Karl Cäsar von, Mineralog und
Geognost, geb. 12. Sept. 1779 zu Rumpenheim bei
Hanau, widmete sich in Marburg und Göttingen
tameralistischen Studien, trat 1800 in den Hess.
Staatsdienst und war, als das Fürstentum Hanau
1810 an das Großherzogtum Frankfurt abgetreten
ward, kurhess. Kammerrat. Nnter dem Großhcrzog
Dalberg war er kurze Zeit Generalinspektor der
Domänen; 1812 ernannte ihn oer Großhcrzog zum
Geheimrat und übertrug ihm die Verwaltung der
Octroidomänen. 1816 folgte er einem Rufe an die
Akademie der Wissenschaften zu München und
übernahm 1818 die Professur der Mineralogie und
Geognosie in Heidelberg, die er bis an seinen Tod,
23. Jan. 1862, bekleidete. Seine Vorlesungen über
die "Geologie oder Naturgeschichte der Erde" (5 Bde.,
Stuttg. 1836-44) wurden am bekanntesten. Sonst
sind hervorzuheben: "Charakteristik der Felsarten"
lHeidelb. 1823), "Die Vasaltgebilde" (Stuttg. 1832),
"Grundzüge der Geologie und Geognosie" (3. Aufl.,
Heidelb. 1839), "Lehrbuch der Geognosie und Geo-
logie" (2. Aufl., Stuttg. 1846), "Naturgefäüchte
des Steinreichs" (neue Aufl., ebd. 1854). Auch
gab L. 1807-29 das "Tafchenbuch für die gesamte
Mineralogie" und mit Bronn 1830-61 das "Jahr-
buch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und
Petrefaktenkunde" heraus.
Sein Sohn, Gustav L., geb. 22. Nov. 1816 zu
München, gest. 27. Dez. 1878 als Professor an der
Universität zu Heidelberg, hat sich ebenfalls als
Mineralog und Geognost einen geachteten Namen
erworben. Seine Hauptwerke sind: "Handwörter-
buch der topogr. Mineralogie" (Heidelb. 1843),
"Gcognost. Skizze des Großherzogtums Baden"
(Stuttg. 1846; 2. Aufl. 1861), "Die quarzführenden
Porphyre" (ebd. 1851), "Beiträge zur Mineralog, und
geognost. Kenntnis des Großherzogtums Baden"
(3 Hefte, ebd. 1853-54), "Grundzüge der Minera-
logie" (2. Aufl., Lpz. 1860), "Die Mineralien Badens
?üge der Geognosie und Geologie" (4. Aufl., besorgt
von R. Hornes, ebd. 1889); auch redigierte er von
1862 ab zuerst mit Bronn, dann mit H. B. Geinitz
das "Neue Jahrbuch für Mineralogie u. s. w."
Leonhard, Rudolf, Jurist, geb. 26. Dez. 1851,
studierte zu Heidelberg, Berlin und Gießen, war
1872 - 80 im preuß. Iustizdienst, habilitierte sich
1378 in Berlin, wurde 1880 auherord. Professor in
Göttingen, 1884 oro. Professor in Halle, 1885 in
Marburg. Er schrieb: "Inwieweit giebt es nach
den Vori'ckriften der deutschen Civilprozeßordnung
Fiktionen?" (Berl. 1880), "Der Irrtum bei nichtigen
Verträgen nach röm. Recht" (2 Bde., ebd. 1882-
83), "Recktsfälle zum vergleichenden Studium des
röm. Rechts und des Preuß. Landrechts" (Lpz.
1887), "Die Universität Bologna im Mittelalter"
lebd. 1888), "Der Irrtum als Nichtigkeitsgrund im
Entwurf eines Bürgerlichen Gesetzbuchs für das
Deutsche Reich" (Berl. 1889), "Roms Vergangenheit
und Deutschlands Recht" (Lpz. 1889), "Die Eioes-
nischieblmg in Familienrechtsprozessen nach dem
Entwurf eines Bürgerlichen Gefetzbuchs für das
Teutsche Reich" (Marb. 1890), "Anfechtbarkeit der
Verträge für das Vermögen eines Dritten" (Lpz.
1892), "Institutionen des röm. Rechts" (ebd. 1894).
Leonhardi, Eduard, Landschaftsmaler, geb.
19. Jan. 1828 zu Freiberg in Sachsen, besuchte
die Dresdener Akademie und bildete sich dann da-
selbst bei Ludwig Richter und endlich in Düsseldorf
weiter aus. Seit 1860 lebt er in Loschwitz bei
Dresden. L. widmete sich namentlick der Darstel-
lung der heimatlichen Wald- und Mittelgebirgs-
natur. Seine Bilder sind reich an Schönheiten und
voll Empfindung; zu nennen sind von denselben:
Deutsche Waldlandschaft (1863; Dresdener Galerie),
Mondscbeinnacht im Waldgrund, Klosterruine auf
dem Oybin bei Abendbeleuchtung, Waldgrund in
abendlicher Stimmung nach einem Gewitter.
Leonhardiquelle, s. Selzerbrunnen.
Leonhardt, Gerhard Adolf Wilh., preuß.
Iustizministcr, geb. 6. Juni 1815 zu Hannover,
studierte in Göttingen und Berlin, trat dann in
den Iustizdienst und war 1841-48 Advokat in
Hannover. In dieser Zeit schrieb L. "Zur Lebre
von den Rechtsverhältnissen am Grundeigentum"
lHannov. 1843) und einen "Kommentar zum hannov.
Strafgesetzbuch" (2 Bde., ebd. 1846-51). 1848
wurde L. als Referent in das Ministerium berufen,
in dem er 1852 Oberjustizrat, 1862 Generalsekretär
ward; 1865 erfolgte feine Ernennung zum hannov.
Iustizminister. Nach Gründung des Norddeutschen
Bundes nabm L., der vom Dez. 1866 an Viceprä-
sident des Oberappellationsgerichts in Celle war, im
Sept. 1867 die Berufung als erster Präsident des
Oberappellationsgerichts sür die neuen preuß. Pro-
vinzen in Berlin an, wurde aber schon 5. Dez. 1867
zum preuß. Iustizminister ernannt; bereits 16. Nov.
war er Kronsyndikus und lebenslängliches Mitglied
des Herrenhauses geworden. Als Mitglied des Bun-
desrats und Vorsitzender des Ausschusses für Iustiz-
wcsen hat sich L. um die Leitung erst der nord-
deutschen, dann der deutschen Reichsjustizgesetzge-
bung ein,bervorragendes Verdienst erworben, ins-
besondere durch Einführung des neuen Strafgefetz-
buches (1870) und die vier Iustizgesetze von 1877
(Gerichtsverfassung, Civilprozeß-, Strafprozeß- und
.^onkursordnung). Im Okt. 1879 schied L. aus dem
Staatsdienst und starb 7. Mai 1880 in Hannover.
Von L.s Schriften sind noch hervorzuheben: "Die