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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lifu - Ligne
Lifu oder Chabrolinsel, die größte der franz.
Loyalty-InselndeiNeucaledonien,niedrigeKoralielt-
bildung, hat auf 1668 hkin etwa 3000 E., christl.
Vtelanesier.
1iF., Abkürzung, s. Autographen.
Liga (span.; frz. liZue), im 16. und 17. Jahrh,
ein vorübergehendes Bündnis. Die Bezeichnung
entspricht dem jetzt gebräuchlichen Worte Allianz
is. d.) oder Koalttion (s. d.). Über die 1465 gegen
Ludwig XI. von Frankreich geschlossene L. f. I^u^
äu disn pnd^ic. Unter die berühultesten Vündmfse
diefes Namens geHort die zwischen dem Papst Ju-
lius II., dem Kaiser Maximilian I., dem Konig
Ludwig XII. von Frantreich, dem König Ferdinand
von Aragonien und mehrern ital. Staaten 10. Dez.
1508 zu Eambrai gestiftete L., welche die Vernich-
tung der Republik Venedig bezweckte. Sie ward ge-
sprengt durch den Papft, der 1511, um die Fran-
zosen aus der Halbinsel zu vertreiben, mit den Eid-
genossen, Venedig und Ferdinand von Aragonien
die Heilige L. heiliger Bund, ital. I^LM LHiita)
schloß, der 1512 Heinrich VIII. von England und
später auch Kaiser Maximilian I. beitraten. Diese
L. löste sich 1513 mit dem Tode des Papstes Julius 11.
auf. Eine zweite HeiligeL. wurde 22. Mai 1526
zwischen Franz 1. von Frankreich, Heinrich VIII.
von England, dem Papft Clemens VII., Venedig
und Mailand zu Cognac gegen Karl V. geschloffen.
Vgl. darüber A. Viterbi, Docunieuti äue in^äiti
i'eiHtivi 3II3, leFH L^nta. äti'6NH8i 11611526 col ti^t-
iHto äi (^oZn^o t'r^ il I^PH) i V6Q62iiiiii, ii duck
äi Mi^no 6 ii r6 äi ^i-aueia Ä äauno äi Oario V
(Mantua 1882). Auch der Nürnberger Vund 1538,
den die kath. Stände Deutschlands, voran Bayern
und Heinrich von Braunschweig, gegen den Schmal-
kaldischen Bund schloffen und dem Kaiser und Papst
beitraten, wird biswellen als HeiligeL. bezeichnet.
Von hervorragender Bedeutung war die fran-
zösisch e K a th 0 li f ch e L., die sich im Gegensatz zu
den Hugenotten 1576 zuerst im äußersten Nordosten
des Landes znsammenschloß. Der Bund wurde erst
voll bedeutsam, als die Thronfolge Heinrichs von
Navarra (s. Heinrich IV.) 1584 die kath. Zukunft zu
bedrohen schien; gegen die wesentlich aristokratisch
gewordene hugenottische Partei vereinten sich die
Städte des Nordens und Nordostens, die Gnisen
und die Spanier. Von den Guisen gelenkt, erhielt
die Bewegung einen start demokratischen Charakter.
Der Widerstand Heinrichs 111. führte erst zur Ver-
gewaltigung des Königs durch Guife, dann (1588)
zu offenem Aufruhr der Pariser Massen (Barri-
tadentag). Die Ermordung der zwei Guisen ver-
stärkte diese extreme Richtung. Gegen Heinrich IV.
trat die L. in Waffen auf, Spanien sandte mehr-
mals Alexander Farnese zu Hilfe, und der span.
Gesandte in Paris bildete nebst den Pariser Volts-
führern die Seele der Partei; span. Truppen be-
setzten die Hauptstadt, Philipp II. suchte die sranz.
Krone sür seine Tochter. Das erregte in der L. eine
Spaltung: dem span. Ehrgeiz trat der der Guisen
entgegen; die 1593 in Paris versammelten "stände
der L." wagten nicht zur Wahl der Ausländerin zu
schreiten, Städte und Hochadel ließen sich von
Heinrich IV. wiedergewinnen, und auf die stürme
der L. folgte eine um fo stärkere Alleingcwalt des
friedestistenden Königtums. - Vgl. Chalambert,
Iiistoire äe 1a I^ue (2 Bde., Par. 1854).
Die vieljährige Spannung zwischen den deutschen
Religionsparteien führte 1608 und 1609 zu den
Gegenbündnissen der Protestantischen Union und
der Katholischen L. Die ^eele der letztern war
Kurfürst Maximilian I. von Bayern; ihm solgten
seilt Bruder Ernst von Köln und die Mehrzahl der
katholisch gebliebenen Stister, Mainz, Trier, Augs-
burg, Konstanz, Passau, Regensburg u. a. Die Ver-
wicklungen vor dem Dreißigjährigen Kriege und
das erste Jahrzehnt desselben ward durch die Hal-
tung dieser L. wesentlich bestimmt.
Ligade (vom lat. liZars, binden), in der Fecht-
kunst eine Art Streichftnte, mit der Vattuta (s. d.)
verwandt. Die eigene Klinge beschreibt von rück-
wärts nach vorwärts zu einen Kreis in der Art, daß
dessen Umfang in möglichst fpitzem Winkel an der
Klinge des Gegners entlang streicht, so daß diese
einen Ruck erhält, zur ^eite geschlagen oder ganz
aus der Hand geschleudert wird.
I.iFHUivutuin (lat.), in der Anatomie das Band,
I.i32.to, s. 1.6ssHto. ^s. Bänder.
Ligatur (lat.), Bindung; in der Buchdrucker-
kunst Bezeichnung für die Zusammengegossenen
Buchstaben (Typen), wie ch, ck, st, ss n. s. w. in
der Fraktur und tk, ti, ü u. s. w. in der Antiqua; in
der Chirurgie, s. Unterbindung.
I.iFa.turs(frz., spr.-tühr,Ligatur,Bündel),
hintermd^ Geldgröhe, s. Dong.
Ligedeler (dän.), Beiname der Vitalianer(s.d.).
Li^sr, der alte Name der Loire.
I.iFkt raiivsa^s (spr. leit rehlwehs), engl.
Bezeichnung sür Bahnen örtlicher Bedeutung. I.. i-.
bestehen besonders in Irland, wo ein besonderes
Gesetz, die Tramways-Akte vom I. 1860 (abge-
ändert 1889), ergangen ist, daneben auch in Schott-
land. Von den mit Akten von 1860 bis 1883
genehmigten L. i-. waren Ende 1891: 195 engl.
Meilen (1 engl. Meile --1,609 kui) im Betrieb; auf
Grund der Akte von 1889 waren (Ende 1891) 157
Meilen 1^. r. genehmigt. Der Staat leistete einen
Beitrag von 792300 Pfd. St.
I"iFia., Strandaffeln, f. Asseln.
Ligieren (lat., "binden"), beim Fechten eine
Ligade (s. d.) ausführen.
ztigist (Liguift), Mitglied einer Liga (s. d.).
Ligne (spr. linj), altes Geschlechts in Belgien,
das seit sieben Jahrhunderten seinen Stammsitz in
Hennegau und vom Städtchen Ligne (jetzt Dorf im
Arrondisfement Tournai) se-nen Namen hat. Her-
brand, ein Nachkomme der Grafen von Elfaß, kam
gegen 1090 nach Hennegau, heiratete Hermingarde,
die Schwester Dietrichs von Lenze, und nahm den
Namen L. an. Abzweigungen diefes Geschlechts
sind die Häuser Arenberg (s. 0.), Ehimay (s. d.) und
Barbancon. Der nachmalige Kaiser Maximilian I.
verlieh 1479 seinem Rat und Kämmerer Johann,
Baron von L., von dessen Bruder Wilhelm die
heutigen Herzöge von Arenberg abstammen, für
sich und seine Nachkommen das Prädikat Vetter in
allen kaiserl. Schreiben. Anton von L., Gras von
Fauckenberg, erhielt 1513 durch Patent König Hein-
richs VIII. von England und Diplom des nach-
maligen Kaisers Karl V. die Würde eines Fürsten
von Mortagne; dessen Sohn Jakob vonL. er-
nannte der Kaiser 1545 zum Neichsgrafen. Am
2. Aug. 1602 ernannte Kaiser Rudolf II. den Gra-
fen L am oral von L., Enkel des vorgenannten,
zum erblichen Fürsten des Römischen Reichs. Die
Vermählung seines Sohnes Florenz von L. mit
Luise von Lothringen 1608 brachte das Fürstentum
Amblise und andere Besitztümer des lothr. Hauses