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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lohgar - Lohnklassen
Lohgar oder rot gar heißen die durch den Pro-
zeß der Loh- oder Rotgerberei (s. Lederfabrikation,
S. 13) gegerbten Häute.
Lohgerberei, s. Lederfabrikation (S. 13).
Lohija, Lohaja oderLoheia, die nördlichste
Hafenstadt in Jemen in Arabien, 100 km nördlich
vonHodeida, an der Spitze einer Landzunge, ist be-
festigt, hat 8000 E. und Kaffeehandel; der Hafen
versandet allmählich.
Lohitavölker, die wilden Stämme in den
Vergländern Assams und seiner Nachbarländer mit
den verwandten Bergstämmen Virmas und Arakans
zusammen. In engem Zusammenhang mit den Hi-
malajavölkern (s. d.) bilden sie ein Mittelglied zwi-
schen der Bevölkerung Tibets, Birmas und Iün-nans
und zwar in verschiedenen zeitlichen Abstufungen.
Die Vergstämme nördlich vom Brahmaputra, wie die
Akä, Dophlä, Miri, Padam (Äbor) und Mischmi,
stehen den Osttibetern nabe, während die Verastämme
südlich vom Flusse zu dem Kulturvolk der Birmanen
etwa in demselben Verhältnis stehen. Die ganze
Masse der übrigen Stämme zerfällt in mehrere große
Familien. Das Volk der Kotsch (sanskr. I^avat8c1i3.)
im N. Bengalens zwischen 25 und 27° nördl. Br. und
88 und 93" östl. L., die östlich sich anschließenden
Dhimal und Katschäri (Bodo, Bara) schließen sick
mit den Garo in der Westecke der Gebirge südlich
vom Brahmaputra und den südlich davon bis zum
Tschittagongdistrikt wohnenden Tripura (engl. Tip-
Ver ah) zu einem großen Volke zusammen. Zwischen
ihnen und den zweigeteilten Stämmen der Naga
wohnt das in Sitte und Sprache höchst eigentümliche
Volk der Khasi(Cossiyah,XdH8i7H), dessen verwandt-
schaftliche Beziehungen zu der ältesten Bevölkerung
Hinterindiens (den Mon u. s. w.) zurückführen. Süd-
lich von den eigentlichen Naga in den Gebirgen
im N. vom Tschittagongdistritt und bis in diesen
hinein zwischen 22° 45' und 25" 20' nördl. Br. und
92° 30' und 93° 45' östl. L. wobnt das Dso-Volk oder
die Kuki (häusig noch zu den Naga gezählt) mit sei-
nen Abzweigungen und Stammverwandten. Das
Volk der Ka-khjen (Katschin, s. d.) mit den Singpho
in Oberbirma wird manchmal ebenfalls zu den
Naga gerechnet: es steht den Birmanen sehr nahe.
Eine größere zusammenhängende Masse bilden die
weiterhin in den Thälern der Irawadi, des Saluen
u. s. w. wohnenden Karenstämme, ihre Tradition
läßt sie aus Iün-nan einwandern. Die große In-
vasion der Schanvölker, welche Hinterindien so be-
deutend umgewandelt hat, hatte auch eine Seiten-
bewegung nach Assam. Die damals (vom 12.Jahrh,
an) in Assam eingewanderten Ahom (^Kam, "die
Ungleichen", "die Fremden") sind heute in die
Thalbevölkerung (Bengali) aufgegangen, als letzter
Nachschub vertritt die Schannation in Assam das
Volk der Kamthi (XlikiuM) in den Bergen östlich
von Sadija, nördlich von den Singpho. - Vgl. W.
W. Hunter, ^ LtatiLtical acooimt ok^88Nin (2 Bde.,
Lond. 1880); ders., ^ 8tati8tic3,I kccount ok NenFg.!
(20 Bde., 1875-77); E. Niebeck, Die Hügelstümme
von Chittagong (Berl. 1885); A. Bastian, Völker-
stämme am Brahmaputra (ebd. 1883); E. Kühn,
Über Sprache und Herkunft der transgangetischen
Völker (Münchener Akademie, 1884); ders., Beiträge
zur Sprachonkundo Hinterindiens (ebd. 1889).
Lohkäfe, Lohkuchen, s. Lohe. M. 131)).
Lohkuchenfonnmaschine, s. Lederfabrikation
Lohmann, Christian Theod., preuß. Staats-
beamter, geb. 18. Okt. 1831 in Winsen a. d. Aller,
studierte 1850 - 54 in Göttingen Rechts- und
Staatswissenschaften, war bis 1870 in hannov.
Staatsdienst, wurde dann der Regierung in Min-
den zugewiesen, 1871 Hilfsarbeiter im preuh. Han-
delsministerium und Regierungsrat, 1873 vortra-
gender Rat in demselben und 1880 daneben vor-
tragender Rat im Reichsamt des Innern. 1881
wurde dieses sein Hauptamt unter Fortdauer seiner
Stellung im preuß. Ministerium. 1891 erfolgte
seine Ernennung zum Direktor, 1892 zum Unter-
staatssekretär im Handelsministerium. In diesen
Amtern beschäftigte ihn namentlich die Mitarbeit
an der socialpolit. Gesetzgebung, (^eit 1881 ist er
Bevollmächtigter zum Bundesrat, seit 1883 Mit-
glied der Prüfungskommission für das diplomat.
Examen. L. schrieb: "Socialismus, Kommunismus
und Christentum" (in der "Göttinger theol. Viertel-
jahrsschrift", 1853), "Über bürgerliche und kirchliche
Armenpflege" (Hannov. 1865), "Kirchengesetze der
evang.-luth. Kirche des vormaligen Königreichs
Hannover" (2 Bde., ebd. 1871-86), "Die Fabrik-
gesetzgebungen der Staaten des europ. Kontinents"
(Berl. 1878).
Lohme, Dorf und Seebad im Kreis Rügen des
preuß. Reg.-Vez. Stralsund, auf der Insel Rügen,
an der Nordseite der Halbinsel Iasmund, 4 km
nordwestlich von Stubbenkammer, an der Dampser-
linie Greifswald-Arkona, hat (1895) 120 evang. E.,
Postagentur, Fernsprechverbindung und (1895)
1895 Kurgäste.
Lohmen, Dorf in der Amtshauptmannschaft
Pirna der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden,
5 lim im NO. von Pirna, in der Sächsischen Schweiz,
an der Weßnitz und der Linie Pirna-Kamenz der
Sächs. Staatsbahnen, hat (1895) 1801 (1890:1755)
meist evang. E., Post, Telegraph, Schloß; Holzschlei-
ferei und Holzpappenfabrik, Brauereien, Mühlen,
Sandsteinbrüche, Kammergut mit Merinoschäferei.
Lohmeyer, Julius, Schriftsteller, geb. 0. Okt.
1835 zu Neisse, studierte in Breslau Naturwissen-
schaften und übernahm die Hofapotheke zu Elbing.
Hier wurde er besonders durch die mächtige Ein-
wirkung Friedr. Kreyßigs in das polit. und litterar.
Leben vor und nach 1866 hineingezogen. Seine
damals entstandenen schwungvollen ernsten und
humorvollen Gedichte von warmer nationaler
Empfindung im "Kladderadatsch" veranlaßten 1867
dessen Redaktion ihn in ihren Verband aufzunehmen,
dem er bis 1873 angehörte. Eine Anzahl seiner
Kriegslieder aus den 1.1870 und 1871 ist, vielfach
komponiert, in die Liederfammlungen des "gro-
ßen Jahres" übergegangen ("Kriegsgedenkbuch des
Kladderadatsch" von I. L. und I. Trojan). 1870
begründete L. die Zeitschrist "Deutsche Jugend". Er
veröffentlichte mehr als 30 Kinderbücher, zum Teil
mit musterhasten Holzschnitten und gediegenen Litho-
graphien, ferner eine Reihe von Bänden Iugend-
crzählungen, Märchen, "Gedichte eines Optimisten"
(Lpz. 1885) u. a.
Lohmühlen, s. Lcderfabrikation (S. 13 a).
Lohn und Lohnfonds, s. Arbeitslohn.
Lohngesetz, ehernes, s. Arbeitslohn (Bd. 1,
S. 821 a) und Lassalle.
Lohnklafsen, die Grundlage für die Bemessung
der Beiträge und Leistungen bei der Krankenver-
sicherung und bei der Invaliditäts- und Alters-
versicherung. Bei den organisierten Krankenkassen
(s. d.) darf nämlich nach ßß. 20, 64 des Kranken-
versicherungsgesetzes die Feststellung des für das