Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: London

282

London (Unterrichts- und Bildungswesen)

Person Unterstützung. Große Summen wendet der County Council jährlich auf, besonders für den Bau von Arbeiterwohnungen und von Asylen. Der Thätigkeit von Korporationen und Privaten bleibt aber ein viel größerer Spielraum gelassen als in Deutschland. Hier sind die Bemühungen Barnardos (s. d.), der Heilsarmee (s. d.), der zahllosen Witwen- und Waisenunterstützungsvereine, die Anstalten für Blinde, Taubstumme, Kinderbewahranstalten, die Organisation zur Bekämpfung der Trunksucht u. s. w. hervorzuheben. Im ganzen bestehen 2000 Wohlthätigkeitsanstalten mit einem Jahreseinkommen von 5 Mill. Pfd. St. Auch die Krankenhäuser sind nicht städtisch; die wichtigsten sind: das St. Thomashospital, Westminster gegenüber (1868-71 für 500000 Pfd. St. erbaut), 7 vierstockige Häuser mit 608 Betten umfassend, und St. Bartholomew's in West-Smithfield, das älteste von allen, von Heinrich VIII. neu begründet, mit 767 Betten. Mit diesen beiden sowie 11 andern, wie St. Mary's, King's College, Westminster- und Middlesex-Hospital, Royal-Free-Hospital (auch für weibliche Studenten), St. George's und Charing-Croß-Hospital, sind mediz. Unterrichtsanstalten verbunden. Von andern allgemeinen Krankenhäusern seien nur genannt: das für Seeleute in Greenwich, das Great-Northern-Central, das North-West-Hospital und das Deutsche Hospital in Dalston. 6 Institute sind nur für Brustkranke, 13 nur für Kinder, 7 für Frauen, darunter Woman-Hospital in Euston-Road nur mit weiblichen Ärzten, 3 für Nerven-, 6 für Hautkrankheiten u. s. w., 7 dienen den unheilbar Kranken. Von den Irrenanstalten werden 10 von den Grafschaften unterhalten; berühmt ist das Bethlehem-Royal-Hospital in Lambeth (s. Bedlam) sowie Colney-Hatch und Hanwell. Für Fieber- und Pockenkranke bestehen 11 städtische Asyle. Außerdem sind Sanitätswachen, auch auf der Themse, eingerichtet. Besondere Erwähnung verdienen das Invalidenhaus und das Royal-Military-Asylum für Soldatenkinder in Chelsea sowie das St. Catherine's Hospital am Regent's Park, Royal-Victoria-Patriotic-Asylum in Wandsworth und Guy's Hospital (710 Betten) im S. von London-Bridge. Unter den Armenhäusern ist Charterhouse das bekannteste.

Unterrichts- und Bildungswesen. Für den Volksschulunterricht sorgt der London School-Board mit 5-6 Mitgliedern für jeden der 11 Distrikte. Es gab (1893) 1040 Elementarschulen mit 700107 Kindern, 7794 Lehrern und 1460 Pupil-teachers; für 54301 Kinder waren Bauten im Gange. 412 Schulen sind Board-Schools, 728 konfessionelle Voluntary Schools; der Unterricht ist frei; nur 264 der letztern Gattung erheben mäßiges Schulgeld. Besserungsanstalten (Industrial Schools) mit 18178 Kindern sind teils städtisch, teils konfessionell. 18378 Schüler besuchen Abendschulen. Die Fortschritte seit 1871 sind sehr bedeutend, und doch konnten 1891 3,7 Proz. der Männer und 5 Proz. der Frauen die Eheschließungsurkunde nicht unterschreiben. Sehr zahlreich sind die von Privaten geleiteten Elementarschulen. Für den höhern Unterricht besteht kein einheitliches System. Hier wirken Stiftungen, Gilden und Private. Lateinschulen (Grammar-Schools) bestehen 35; Colleges mit Abendunterricht 11, darunter das Working-Men's College. Von den höhern Anstalten sind erwähnenswert: Christ Church Hospital (s. d.) in der City, unweit der Hauptpost, das jetzt aufs Land verlegt werden soll, mit seinen altertümlichen Sitten (Blue Coat School), die Merchant-Taylor's School (1561), jetzt in Charterhouse, die von Westminster (1560, für 230 Knaben), St. Paul's in Hammersmith, Dulwich-College, ferner University-College-School, King's College-School (beide auch für Mädchen) und City of London-School. Für Mädchen bestehen 4 Colleges und mehrere höhere Lehranstalten. Während die Londoner Universität in Burlington-Gardens nur Prüfungsbehörde (52 Examinatoren) ist und Grade (auch an Frauen) verteilt, erteilen in University-College (Gower-Street) 53 Professoren an etwa 1500 Studierende und in King's College (Strand) 74 Professoren philos., rechts- und naturwissenschaftliche sowie mediz. Kurse. Besonders stark besucht sind die Abendunterrichtsstunden. Als Rechtsschulen dienen Lincoln's Inn, Middle und Inner Temple und Gray's Inn. (Näheres s. Inns of Court.) Mit der geolog. Landesaufnahme ist die oberste Bergakademie (Direktor: Sir A. Geikie, s. d.) und ein geolog. Museum (Museum of Practical Geology) verbunden.

Von andern Fachschulen seien hier nur genannt: die Schule für neuere orient. Sprachen, die Royal Academy of Music, das Trinity-College, das Royal College of Music und 5 andere große Musikschulen, das Lehrerseminar in Bloomsbury-Square, Gilchrist Educational-Trust in Westminster, die vier von der City and Guilds Central-Institution unterhaltenen technischen Anstalten, drei Colleges für Elektrotechniker und das Royal College für Tierärzte. Prüfungsanstalten für Mediziner sind: Royal College of Physicians und of Surgeons. Sehr zahlreich sind auch Anstalten zur Ausbildung von Geistlichen aller Seiten. Der Belehrung der ärmsten Schichten ist der Volkspalast (People's Palace) in Mile-End-Road im äußersten Eastend gewidmet. Der Bau wurde aus Vermächtnissen und freiwilligen Beiträgen ermöglicht und 1887 eröffnet. Hier sind Handels- und technische Kurse, Bibliothek, Lesesäle, Gemäldeausstellungen, Orgelkonzerte, Gartenanlagen u. s. w. vereinigt. Wichtig für die Arbeiterwelt sind noch die Polytechnical Institutes, wie das in Battersea und in Borough-Road, in Clerkenwell, ferner Goldsmith's Institute in New-Croß, das Polytechnic des christl. Vereins junger Männer in Regent-Street, das Birbeck-Institute für Schüler beiderlei Geschlechts und die 1884 von Studenten von Oxford und Cambridge begründete Toynbee-Hall in Whitechapel. Populäre Vorträge bietet Gresham-College, eine Stiftung eines Lord-Mayors von 1579, bei Guildhall.

An der Spitze der Museen und Bibliotheken steht das berühmte Britische Museum (s. d.). Das South-Kensington-Museum ist aus einer Sammlung in Marlborough-House hervorgegangen, untersteht dem Science and Art Department, der obersten Unterrichtsbehörde des Landes, und umfaßt eine der schönsten Sammlungen ornamentaler und gewerblicher Kunstgegenstände (über 20000 Nummern), die zum Teil von Privatleuten hier aufgestellt worden sind. Modelle und Gipsabdrücke von Bau- und Skulpturwerken enthält der Architectural-Court; im Südhof sind Gegenstände aus Metall, Elfenbein, Nephrit, Achat, Porzellan, Bronze (chinesische und japanische) aufgestellt; im Nordhof stehen die besonders wertvollen Terrakotten, ital. Majoliken, ferner Möbel aller Stile, Teppiche, Glaswaren u. s. w. Das erste Stockwerk enthält in 8 Sälen die National Gallery of British Art, teils aus Privat-^[folgende Seite]