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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mähren (Preußisch-) - Maiaufstände
gericht in Brunn, in dritter Instanz von dem obersten !
Gerichtshofe in Wien ausgeübt. Die Finanzver-
waltung wird von der Finanzlandesdirektion in
Brunn und unter dieser für die direkten Steuern
von 1 Steueradministration, 9 Hauptsteuerämtern
und 67 Steuerämtern, für die indircken Abgaben
von 4 Finanzbezirksdirektionen wahrgenommen. In
militär. Beziehung steht M. unter den Korpskom-
mandos in Wien und Krakau. Das Wappen ist
ein von Rot und Gold geschachter, golden gekrönter
Adler in Blau; auf dem Schilde ein Fürstenhut.
(S. Tafel: Wappen der Österreichisch-Unga-
rische n K r o n l ä n d e r, Fig. 9, beim Artikel Öster-
reichisch-Ungarische Monarchie.) Die Land es -
farben sind Gold, Not.
Geschichte. M. wurde im Altertum von dem
german. Volksstamm der Quaden bewohnt. Nacb-
dem im Laufe der Völkerwanderung verschiedene
andere deutsche Stämme vorübergehend das Land
besetzt hatten, ließen sich in der ersten Hälfte des
6. Jahrb. hier und im nordwestl. Ungarn Slawen
nieder, die von der March (Morawa, Maraba) den
Namen Morawer oder Marahanen annabmen, aber
unter verschiedenen Fürsten standen. Unter Karl
d. Gr. und Ludwig dem Frommen standen sie in Ab-
hängigkeit vom Frankenreiche, bis Moimir, der die >
übrigen Fürsten vertrieb oder unterwarf, sich unab-
hängig zu machen sucbte. Ludwig der Deutsche cut-
setzte ihn deswegen 846 seiner Herrschaft und er-
nannte dessen Neffen Rastislaw zum Herzog. Aber
auch dieser fiel 853 ab und suchte durch die Berufung
des Methodius und Cyrillus M. auch in kirchlicher
Beziehung von Deutschland unabhängig zumachen.
Dieselbe Politik verfolgte sein Nefse Swatopluk, der
ihn 870 stürzte uuo sein Reich (G r oßmähren) nach
allen Seiten ausdehute. Nach seinem 894 erfolgten
Tode brachen unter seinen Söhnen Streitigkeiten
aus, die das Reich schwächten. Nachdem dieses um
905 den Ungarn erlegen war, verschwindet M. über !
ein Jahrhundert in vollständigem Dunkel, bis es
um 1029 von Vretislaw, dem Sohne des Herzogs
Ulrich von Böhmen, erobert wurde. Seit 1934 bil-
dete M. einen Teil des bö'hm. Reichs, wurde aber
bis ins 13. Jahrh, sehr oft zur Versorgung jüngerer
Mitglieder des regierenden Hauses verwendet. 1182
wurde M. durch Friedrich I. unmittelbares Reichs-
fürstentum; dock mußte der Markgraf schon Ende
1197 wieder die Lehnshoheit des Herzogs von
Böhmen anerkennen. Nachdem M. seit 1253 un-
mittelbar mit Böhmen vereinigt gewesen war, er-
hielt es 1349 Karls IV. Bruder Johann Heinrich
als böhm. Lehn. Nack dem Tode seines Sohnes,
des Markgrasen Jobst (1411), ward M. wieder mit
Böhmen vereinigt und teilte sortan die Schicksale
dieses Landes. Nach dem Verlust des größten Teils
von Schlesien wurde der bei Osterreich verblicbeue
Rest dieses Herzogtums mit M. zu einer Provinz
vereinigt, )849 aber davon wieder getrennt.
Litteratur. Wolny, Die MarkgrafschaftM., topo-
graphisch, statistisch und historisch geschildert (6 Bde.,
Brunn 1835-40); (^oäox äipiomatiouZ et 6pi3tu-
lai-ig Noi-ln'iae (11 Bde., ebd. 1836-88): Wolny,
Kirchliche Topograpbie von M. (10 Bde., ebd. 1855
-66); Koriftka, Die Markgrafschaft M. und das
Herzogtum Schlesien (Olmütz 1860); Dudik, M.s all-
gemeine Geschichte, Bd. 1-12 (Brunn 1860-88);
d'Elvert, Zur Geschichte des Bergbaues in M. (ebd.
1866); ders., Beiträge zur Geschichte der Neugestal-
tung M.s im 17. Jahrh. (Bd. 16 der "Schriften der
Histor.-Etatist. Sektion der k. k. Mähr.-Schles. Ge-
sellschaft", ebd. 1867); Smolle, Die Markgrafschaft
M. (Wien 1881); Bretholz, Geschichte M.s (Bd. 1,
Brunn 1893).
Mähren, Preußisch-, s. Preußisch-Mäbren.
Mahrikamele, s. Kamele.
Mährisch-Vudwitz, s Budwitz.
Mährische Brüder, s. Böhmische Brüder.
Mährische Grenzbahn, s. Österreichisch-Unga-
rische Eisenbahnen. >und Sudeten.
Mährisches Gesenke, s. Mäbren (S. 486d)
Mährisches Schneegebirge, s. Altvater.
Mährisch-Kromau, s. Kromau.
Mährisch-Neustadt, czech. Hnc-ov, Stadt in
der Bezirkshauptmannschaft ^ittau in Mähren, am
Oskawabache und an der Linie Eternberg-Hanns-
dorf-Ziegenhals der Mähr. Grenzbahn, Sitz eines
hat (1890) 5019 E., schöne Pfarrkirche, Dreifaltig-
teitssä'ule, ansehnliches Rathaus, deutsches Landes-
Realgymnasium; Seidenzcug- und Leinenweberei,
Fabrikation von Kattun, Zucker, Malz, Spiritus
und Preßhefe, Brauerei und Getreidehandel.
Mährisch-Ostrau, s. Ostrau.
Mährisch Schlesische Centralbahn, s. Öster-
reichisch-Ungarische (5isenbabnen.
Mährisch-SchlesischeNordbahn,vonVrünn
nach Prerau (88,5 km, eröffuet 1869) und von Neze-
mislitz nach Sternberg (51,9 km, eröffnet 1870),
1867 genehmigte Strecke der Kaiser-Ferdinanos-
Nordbahn. (^. Österreichisch-Ungarische Eisenbah-
Mährisch-Tchönberg, s. Schönberg. j^nen.)
Mährisch-Trübau, s. Trübau.
Mährisch-WeiMrchen, s. Weißkirchen.
Mahwabutter, s. Vassiafette.
Mahwal, Pflanzenfaser, s. I^^uinnia.
Mai (lat. Niisti8, von der Göttin Maja, s. d.),
der fünfte Monat des Jahres, hat 31 Tage. Wäb-
rend der ersten zwei Drittel des Monats steht die
Sonne im Zeichen des Stiers, während des letzten
in dem der Zwillinge.
Mai, Angelo, ital. Altertumsforscher und Phi-
lolog, geb. 7. März 1782 zu Schilpario in der Pro-
vinz Bergamo, trat 1797 in den Jesuitenorden,
wurde 1813 Aufseher bei der Ambrosianischen
Bibliothek zu Mailand, 1819 Kustos der Vatitani-
schen Bibliothek in Rom, dann Bibliothekar, 1825
überzähliger apostolischer Protonotar, später Prä-
fekt der Kongregation des Inder und 1838 Kardinal.
Er starb 9. Sept. 1854 zu Castelgandolfo. M. be-
gründete feinen Ruf durch Bekanntmachung einer
großen Anzahl von Schriften des Altertums, die
er insbesondere auch in Palimpsesten (s. d.) zuerst
eutdeckte. Seine bedeutendste Frucht aus der Vati-
tanischen Bibliothek ist Ciceros "Oo r^udlica"
lRom 1822). Außerdem verdankt man ihm mehrere
Sammlungen von alten, noch unbekannten Schrif-
ten, fowie andere litterar. Beiträge in den "^ucwre5
clii88ici o V"tic^iii8 coäicidus eäiti" (10Bde., Rom
1828-38), in der "8cript0i-uin vstsrum nova col-
lectio 6 VaticHnig coclicidn8 eclita" (10 Bde., ebd.
1825 - 38), in dem " 8i)ieii6^iu!n Ilonianuui"
(10 Bde., ebd. 1839-44) und in der "5ova Mrum
didUotut^v (8 Bde., ebd. 1852-71).
Maiandros, kleinasiat. Fluß, s. Mäander.
Maiaufstände, die revolutionären Erdebungen
in Dresden, Baden und der Rheinpfalz sowie die
minder bedeutenden Unruhen in Vreslau, Elberfeld
und Düffeldorf, die 1849 hervorgerufen waren