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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marceller - March (Bezirk)
schlagen. Man hat neuerdings M. als Begründer
einer freien, volkstümlichen Verfassung sehr gefeiert.
- Vgl. Bojanowski, Etienne M. (in den "Preuß.
Jahrbüchern", Verl. 1880); Tessier, ^tiLnns N.
(Par. 1888); Lazard, Un doui-F^ois äs ?ari8 an
XIV" Liöcls. Ütienn6 N. (ebd. 18W).
Marceller, der Beiname einer röm. plebejischen
Familie, die den Geschlechtsnamen der Elaudier
(s. d.) führte und zu den angesehensten der Repu-
blik gehörte. Am meisten ragt unter den Gliedern
dieser Familie Marcus Claudius Marcellus
aus der Zeit des zweiten Punischen Krieges hervor.
222 v. Chr. schlug er als Konsul die Insubrer llnd
erbeutete durch Tötung des feindlichen Heerführers
die seltenen spolia opiinH (s. Spolien) und im zweiten
Punischen Kriege focht er zuerst 210 - 215 siegreich
gegen Hannibal bei Nola in Eampanien. Zum
drittenmal wurde er 214 Konsul und mit dem Kriege
gegen Syrakus beaustragt. Archimedes' glänzende
Verteidigung machte ibm viel zu schaffen; erst 212
gelang die Eroberung der Stadt. Danack ward rasch
auch das übrige Sicilien unterworsen. In seinem
vierten und fünften Konfulat (210 und 208) stand
er wieder Hannibal gegenüber; er kämpfte mit wecb-
selndem Erfolg, fiel aber schließlich in einem Hinter-
halt inLukanien. Plutarch hat sein Leben beschrieben.
In den letzten Zeiten der Republik waren die M.
eine der Hauptstützen der Nobilität gegen Cäsar.
Marcus Claudius Marcellus, Konsul 51
v. Chr., riet 49 vergebens zu sorgfältiger Rüstung
gegen Cäsar; nach der Schlacht bei Pdarsalus floh
er nach Mytilene. Cäsar begnadigte ihn ohne sein
Verlangen 40 im Senat, wo Cicero in einer erhal-
tenen Rede "I'l'o Nai-csiio" für ibn sprach, doch
wurde er auf der Rückkehr nach Italien 45 zu Athen
von einem Begleiter ermordet. - Marcus Clau-
dius Marcellus, geb. 43 v. Chr., Sohn von Ga-
jus Claudius Marcellus (Konsul 50 v. Chr.) und
der Octavia, der Schwester des Octavianus, wurde
von. diesem adoptiert und 25 mit Julia, dessen Toch-
ter, vcrmäblt. Er starb aber bereits 23 v. Chr. zu
Bajä. Augustus ließ ihn auf dem Marsfelde be-
graben, bielt ihm selbst die Leicbcnrede und weibte
seinem Andenken 11 v. Chr. das 'Ilieatinin ^lar-
celli, von dem noch Reste erhalten sind.
Marcellin (spr.-ßeläng), Ätar^ellin, leichtes
Seidenzeug, wohl nach der sranz. Stadt St. ^tar-
cellin (Depart. Isere) genannt; auch soviel wie
Doppeltaffet, ein glatt gewellter Seidenstoff, der in
der Kette aus zweifädiger Organsin-, im Einschlag
aus ein-, zwei- oder dreifädiger Tramaseide besteht.
(S. Bandfabrikation, Bd. 2,'^. ."><;0ll.)
Marcellin, Saint, Stadt, s. Samt Marcellin.
Marcellulus, Ammianus, röm. Geschichtschrei-
ber, s. Ammianus Aiarcellinus.
Marcello (spr. martsch-), Benedetto, ital. Kom-
ponist, geb. 24. Juli 1086 zu Venedig, Sobn eines
angesehenen Nobile, erhielt eine sorgfältige Er-
ziehung, auch in der Musik. Später studierte er
diese Kunst noch gründlich bei dem berühmten Gas-
parini. Nacbdem er von seinen: 25. Jahre an als
Advokat gewirkt und dann verschiedene öffentliche
Ämter betleidet hatte, war er bis 1730 Mitglied des
Rates der Vierzig und kam hierauf als Provedi-
tore nach Pola. Das ungesunde Klima dieser Stadt
bewog ihn aber 1738, wieder nach Venedig zurück-
zukehren, worauf er nach kurzer Zeit als Camer-
lengo (Schatzmeister) nach Brescia geschickt wurde,
wo er 24. Juli 1739 starb. Das Werk, dem M. als
Vrockhauö' Konversations-Lexilon. 14. Aufl.. XI.
Komponist seine Berühmtheit verdankt, sind seine
50 Psalmen, deren Terte von Giustiniani poetisch
bearbeitet wurden und die u. d. T. "I^sti-o potMco
lN'mmlico, i)lliÄt'rÄ8i 8Oi)i'9. i priini venticniHiio
Lllimi" und "1'^i'Äfr".8i 8"pi'^ i 8(5<?0näi venticiii^uo
8lilmi') zu Venedig in zwei Abteilungen (zu je vier
Foliobänden) 1724 - 27 im Druck erschienen (neue
Ausg., Vcned. 1803 und Par. 1821). Außerdem
kennt man von M. Konzerte und Sonaten, Kirchen-
sachen, Kammerkantaten, Duette, Madrigale u. s. w.
Auch Pastorale, Musikdramen und Oratorien bat
M. komponiert sowie deren Text verfaßt. Überdies
machte er sich durch musikalische Schriften polemi-
schen und didaktischen Inhalts bekannt; die bedeu-
tendste ist "11 telUi-0 alla inoda" (ohne Jahr ^172(A
Da>3 bedeutendste Konservatorium Venedigs ist nach
ihm "I.iceo 1i6N6(i6No ^larcelio" (seit 1877) ge-
nannt. M.s Leben beschrieben Sacchi (Vened. 1788),
A. Boito (Lond. 1881) und ^. Vusi (Bologna 1884).
Marcellus, Marcus Claudius, drei Römer,
s. Marceller. ^nius Marcellus.
Marcellus, Nonius, lat. Schriftsteller, f. No-
Marcellus, Name von zwei Päpsten: M. I.
(307-309), röm. Bischof nach dreijähriger Sedis-
vakanz. M. erweckte durch die strenge Kirchenzucht
gegen die in der Verfolgung Abgefallenen in der
röm. Gemeinde die heftigsten Kämpfe, die sogar die
öffentliche Sicherheit gefährdeten, bis Kaifer Maren-
tius mit Gewalt die Ruhe herstellte. - M. II. (1555)
war Kardinal und Legat beim Tridentinifchen Kon-
zil. Er regierte nur 22 Tage.
Marc-F'0urnier,s.Fouruier,MarcIean Louis.
Marc-Girardin, franz. Schriftsteller, s. Saint-
Marc Girardin.
2i2.ro3ra.v1a., Pflanzengattung, s. Bestäubung.
March, slaw. Noiava, bei den Alten NHrn8,
der Hauptflust Mährens, entstebt in 1263 in Döhe,
unweit Altstadt an dem Südabhange des 1422 in
hohen Schneebergs, fließt südsüdöstlich über Olmütz,
Kremsier und Hradisch, wendet sich dann südsüd-
wcstlich über Göding, bildet mit sehr geringem Ge-
falle in vielen Armen durch Wald- nud buschbcdeckte
Auen fließend erst Mährens, dann Österreichs Grenze
gegen Ungarn und mündet bei Theben oberhalb
Preßburg, 350 km lang, in die Donau (s. March-
feld). Ihre Breite beträgt bei Olmütz 100 in, bei
der Mündung 4W in. Die M. ist von der Ein-
mündung der Betschwa bei Tobitschau bis Göding
124 kin lang flößbar, von Göding bis zur Mün-
dung bei Theben 129,14 kni lang schiffbar: doch
wird die Schiffahrt wenig ausgeübt. Der frucht-
barste Teil ihrer Ebene ist die Hanna, südlich von
Olmütz. Die bedeutendsten Nebenflüsse sind links
die Betschwa, rechts die wichtigere, 275 kin lange
Thaya, welche von Raabs an, wo die mähr. und
deutsche Thaya zusammenfließen, meist die Grenze
von Mähren und Österreich bildet, Znaim und
Lundcnburg berührt und bei St. Iobann mündet,
nachdem sie 57 kin nordöstlich von Wien die vom
Mährischen Gebirge über Brunn fließende Schwar-
Zawa aufgenommen hat.
March, der nordöstliche, an den obern Züricher
See und die Kantone St. Gallen und Glarus
stoßende Bezirk des schweiz. Kantons Echwyz, hat
173,4 ciwn und (1888) 11307 E., darunter 348 Evan-
gelische, in 9 Gemeinden. Hauptort ist Lachen
(1600 E.). Die M. gehörte den Grafen von Rap-
perswil, später teils zu Toggenburg, teils zu Habs-
burg und kam nach 1415 an echwyz.
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