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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marktheidenfeld – Marlborough

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Markthalle'

Die Konstruktion ist in Stein, Eisen und Glas mit Zinkeindeckung. Die innere Einrichtung der Kaufstände, der Vorratskeller u. s. w. ist ein mustergültiges Vorbild für die meisten andern M. geworden, so für die beiden M. zu Brüssel (je 2400 qm Grundfläche, 1875 vollendet), die Londoner Centralhalle in Smithfield zu London (1862–68 von Horace Jones, 14400 qm Grundfläche, außer dem Fisch- und Geflügelmarkt, mit unterirdischer Bahnverbindung), die Detailmarkthalle an der Stubenbastei in Wien (1871 von Oberingenieur Haußmann erbaut, 1390 qm Grundfläche), die M. zu Frankfurt a. M. (1879 vollendet, etwa 4000 qm Grundfläche). Nachdem in Berlin 1868 ein mißglückter Versuch gemacht worden war, den Marktverkehr in einer Halle (jetzt Cirkus) zu vereinigen, hat später die Stadt mit großem Geschick den Bau von M. begonnen und in fast allen Teilen der Stadt durchgeführt; die bedeutendste ist die Centralmarkthalle am Alexanderplatz (1886 eröffnet, etwa 7500 qm Grundfläche: 1893 Erweiterungsbau für den Großhandel). Auch andere Großstädte, z. B. Hamburg, Dresden, Leipzig u. a., haben in neuerer Zeit M. erbaut. Alle diese Hallen haben feste verschließbare und mit allem Nötigen (fließendem Wasser, Eisbehälter, Schränken, Tischen u. s. w.) versehene Stände, zu diesen gehörige Vorratskeller, Wagen, Verwaltungsräume. – Vgl. R. de Massy, Des halles et marchés et du commerce ds objets de consommation à Londres et à Paris (3 Bde., Par. 1861); Hennicke, Mitteilungen über M. in Deutschland, England, Frankreich, Belgien und Italien (Berl. 1881): Behnke, Markthallen (in der «Baukunde des Architekten», Bd. 2, ebd. 1884). (S. auch Schlachthaus.)

Marktheidenfeld. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, hat 489,97 qkm und (1890) 29653, 1895: 29781 (14500 männl., 15281 weibl.) E. in 113 Ortschaften, darunter 1 Stadt. –

2) Bezirksstadt im Bezirksamt M., am Main, an der Linie Lohr-Wertheim der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Aschaffenburg), Forstamtes und einer Aufschlageinnehmerei, hat (1895) 1985 (1890: 1970) E., darunter 56 Evangelische, Postexpedition, Fernsprechverbindung, Wasserleitung, Krankenhaus: sechs Brauereien und die größte Forellenzüchterei Deutschlands.

Marktordnungen, s. Markt.

Marktpolizei, s. Markt und Hygieine.

Marktpreis>, s. Preis.

Markt-Redwitz, Redwitz, Marktflecken im Bezirksamt Wunsiedel des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, im Fichtelgebirge an der Kösseine, und an den Linien München-Regensburg-Hof und Nürnberg-Eger der Bayr. Staatsbahnen, hat (1895) 3001 (1890: 2738) E., darunter 791 Katholiken, Postexpedition, evang. und kath. Pfarrkirche; Woll-, Baumwoll- und Buntweberei, Fabrikation von Maschinen, Metallwaren, Chemikalien und Leim.

Marktsachen, s. Meß- und Marktsachen.

Marktschorgast, Flecken im Bezirksamt Berneck des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, an dem Perlen führenden Schorgastbache und an der Linie Bamberg-Hof der Bayr. Staatsbahnen, hat (1895) 1016 (1890: 1010) E., darunter 113 Evangelische, Postexpedition, Telegraph; Bronzefarben- und Blattmetallfabrik, Weberei, Ackerbau und Viehzucht.

Marktstandgelder, s. Markt.

Marktsteft, Stadt im Bezirksamt Kitzingen des bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, am Main, hat (1895) ↔ 953 (1890:1066) meist evang. E., Postexpedition, Präparandenschule; Fabrikation von Druckerschwärze, Brauerei, Schiffahrt, Obst- und Weinbau, Handel mit Getreide, Obst und Weintrauben.

Mark Twain (spr. twehn), Pseudonym von Samuel Langhorne Clemens (s. d.).

Marktwechsel, s. Meßwechsel.

Markung, s. Mark (Grenze).

Markus>, der Evangelist, ist wahrscheinlich derselbe, der in der Apostelgeschichte (12,12) als Johannes M. vorkommt. Er stammte aus Jerusalem, wo im Hause seiner Mutter Maria die ersten Christen sich versammelten. M. war ein Vetter des Barnabas, begleitete denselben und den Apostel Paulus nach Antiochia, Cypern bis Perge in Pamphylien, trennte sich aber dort von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück (Apostelgesch. 13,13). Später befand er sich als Mitarbeiter des Barnabas, nachdem dieser sich von Paulus getrennt hatte, in Cypern (Apostelgesch. 15,37 fg.). Nach Kol. 4,10; 2 Tim. 4,11 wäre er später bei Paulus wieder in Rom gewesen: nach 1 Petr. 5,13 erscheint er dagegen als Genosse des Petrus in Babylon (d. h. wahrscheinlich Rom). Die kirchliche Sage weist ihm Ägypten und die afrik. Provinzen Libyen, Marmarika und Pentapolis als Missionsgebiet zu und läßt ihn in Alexandria nach 20jähriger Wirksamkeit als Märtyrer sterben. Sein Leichnam soll nach der im 9. Jahrh. aufgekommenen Legende zuerst nach Aquileja, später nach Venedig gebracht worden sein. Er ist der Schutzheilige von Venedig. Sein Tag ist der 25. April. Über das Markusevangelium s. Evangelien und Evangelienkritik. Die kirchliche Tradition läßt dasselbe aus den Lehrvorträgen des Petrus hervorgegangen sein, die M. mit Erlaubnis des Apostels und noch bei dessen Lebzeiten niedergeschrieben haben soll. Der ursprüngliche Schluß des Buchs ist verloren gegangen; der gegenwärtige Schluß (Kap. 16,9–20) ist unecht.

Markwaldungen, s. Markgenossenschaften.

Marlborough (spr. mahrlbǒrǒ oder mahlbrǒ), Municipalborough in der engl. Grafschaft Wilts, links an dem zur Themse gehenden Kennet, hat (1891) 3012 E. und ein 1843 gegründetes College (37 Lehrer) namentlich für Söhne von Geistlichen. In dem von Wilhelm dem Eroberer erbauten Schlosse hielt Heinrich III. sein letztes Parlament. Nach M. erhielt John Churchill den Herzogstitel.

Marlborough (spr. mahrlbǒrǒ oder mahlbrǒ), Stadt im County Middlesex im nordamerik. Staate Massachusetts, nordöstlich von Worcester, mit bedeutender Schubfabrikation und (1890) 13805 E.

Marlborough (spr. mahrlbǒrǒ oder mahlbrǒ), John Churchill (s. Churchill, Familie), später Graf und Herzog von M., engl. Feldherr und Staatsmann, geb. im Mai oder Juni 1650 zu Ashe in Devonshire, wurde Page beim Herzog von York, dem spätern König Jakob II., trat 1667 als Fähnrich bei der Garde ein und diente 1672 als Kapitän unter Monmouth in Flandern. Zum Obersten befördert, blieb er fünf Jahre in franz. Diensten und heiratete nach seiner Heimkehr 1678 die im Hofdienst der Prinzessin und spätern Königin Anna stehende Sarah Jennings (s. unten). Mehr als sein Mut und kriegerisches Geschick beförderte diese Ehe Churchills Fortkommen bei Hofe, nicht zuletzt auch die schimpfliche Stellung seiner Schwester Arabella als Maitresse des Herzogs von York. Unter Jakob II. wurde Churchill zum General und Baron

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 614.