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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Marlinskij

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Marlinskij

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Marlborough (John Churchill)'

von Sandridge erhoben, focht gegen Monmouth, zerfiel aber mit dem reaktionären König und führte 1688 die ihm anvertrauten Truppen dem Prinzen Wilhelm von Oranien zu, der ihn 1689 zum Grafen von M. erhob. In dem Kriege gegen Ludwig XIV. focht M. 1680 in den Niederlanden, 1690 in Irland, wurde aber, weil er sich in die Umtriebe der Jakobiten (s. d.) gegen Wilhelm eingelassen hatte, abgesetzt und eingekerkert (1692). 1698 kam er wieder an den Hof, aber wenn Wilhelm ihm auch schließlich das Oberkommando in Flandern gab, so eröffneten sich M.s glanzvollste Aussichten doch erst mit der Thronbesteigung seiner Gönnerin Anna (1702), die ihn im spanischen Erbfolgekriege (s. d.) zum Befehlshaber aller engl. Streitkräfte ernannte, während sein ihm eng verbundener Freund, der Lordschatzmeister Godolphin, die innere Verwaltung leitete. Acht Jahre lang wirkten beide Männer in der Regierung zusammen, nach innen und außen wurde ihre Verwaltung von beispiellosen Erfolgen gekrönt, die Gunst der Monarchin wahrte ihnen der Einfluß der Gräfin M. 1702 schlug M. die Franzosen aus Geldern heraus, und nachdem er im Dez. 1702 zum Herzog von M. erhoben worden, wandte er sich mit dem Prinzen Eugen von Savoyen gegen die vereinigten Franzosen und Bayern, die bei Blenheim (13. Aug. 1701) eine entscheidende Niederlage erlitten. Neben seinem kriegerischen Geschick verhalf ihm zu seinen Erfolgen wesentlich auch seine staatsmännische Gewandtheit gegenüber den zögernden Bundesgenossen. Durch diplomat. Verhandlungen bereitete er den Feldzug von 1706 vor, in dem er die Franzosen unter Villeroy bei Ramillies (s. d.) aufs Haupt schlug (23. Mai 1706); M. stand auf der Höhe seines Ruhms. Er mit seinem Genossen Godolphin regierte England, ihr Kabinett wurde durch Entfernung der kriegsabgeneigten Tories mehr und mehr whiggistisch umgestaltet; aber dafür begann der bisherige toryistische Staatssekretär Harley (s. Oxford, Graf von) mit Hilfe der Kammerfrau Masham (s. d.) bei der Königin gegen den mächtigen Herzog und seine Gattin zu intrigieren, siegreich focht M. auch ferner in den Schlachten bei Oudenaarde (11. Juli 1708) und Malplaquet (11. Sept. 1709); aber während er sich im Felde hielt, erfolgte in England ein Umschwung gegen die Whigs. Der Intrigant Harley kam bei Anna zu seinem Ziel. Godolphin mußte weichen, Harley mit seinem Freunde St. John (s. Bolingbroke) bildete ein Toryministerium. Wohl behielt M. noch sein Kommando, wurde aber in allen Operationen gehindert, trotz seines Widerstandes wurde ein Präliminarfriede (8. Okt. 1711) geschlossen, er selbst wegen Unterschleifs angeklagt und von der Königin seiner Ämter entsetzt (1712). Grollend verließ er England, ging nach Holland und Deutschland und kehrte erst nach Annas Tod (Aug. 1714) zurück, worauf ihn der mit einem neuen Whigministerium regierende Georg I. wieder zum Oberbefehlshaber ernannte, ohne daß er aber zur alten Geltung gelangt wäre. 1716 wurde er vom Schlag getroffen und nach einem zweiten Anfall starb er 16. Juni 1722. M. war als Feldherr wie als Diplomat gleich unermüdlich, kühn und beharrlich, überall handelte er mit kaltblütigster Sicherheit. Seine Geldgier ist der stärkste Schatten, der auf ihm ruht. Die «Letters and dispatches of the Duke of M.» (3 Bde., Lond. 1845–46) gab G. Murray heraus.

Vgl. besonders Noorden, Europ. Geschichte im 18. Jahrh., Bd. 1–3 (Düsseld. und Lpz. 1870–82); ↔ älter, erschöpfend, mit viel Material: Core, Memoirs of John, Duke of M., with his original correspondence (3 Bde., Lond. 1818–19; 5. Aufl. 1848; deutsch, 6 Bde., Wien 1820); Alison, The life of M. (3. Aufl., Lond. 1855; deutsch Frankf. a. M. 1848); Wolseley, The life of John Churchill, Duke of M. to the accession of Queen Anne (2 Bde., Lond. 1894).

Seine Gemahlin, Sarah Jennings, Herzogin von M., geb. 29. Mai 1660, kam im Alter von 12 J. in die Dienste der Herzogin von York, wurde Freundin der Prinzessin Anna und heiratete 1678 den nachmaligen Herzog von M. Bei der Vermählung der Prinzessin Anna 1683 wurde sie zur Ehrendame, und bei deren Thronbesteigung zur ersten Ehrendame und Großmeisterin der Garderobe erhoben. Sie war heftig und intrigant, wußte aber einen starken Einfluß auszuüben. Auf das engste fühlte ihr Gatte sich an sie gefesselt, noch stärker die schwache Natur der Königin Anna. Sarahs Herrschaft über diese war eine vollkommene, wurde aber, zur Tyrannei ausartend, unerträglich, und so gelang es der Oberkammerdame Lady Masham, geleitet von Harley, die Herzogin zu verdrängen. Sie mußte 1711 ihre Ämter niederlegen. Voltaires Erzählung, die Scribe in seinem Lustspiel «Ein Glas Wasser» benutzt hat, daß ein Paar Handschuhe und ein Glas Wasser den Sturz herbeigeführt hätten, ist eine Übertreibung. Die Herzogin starb 18. Okt. 1744. – Vgl. Letters of Sarah, Duchess of M. (Lond. 1875).

Außer einem früh verstorbenen Sohn hatte sie ihrem Gemahl vier Töchter geboren, von denen die älteste, Henriette, Gemahlin des Grafen Godolphin, Titel und Güter erhielt, aber nach ihrem Tode 1733 an den Sohn ihrer Schwester Anna, Charles Spencer, Grafen von Sunderland, vererbte. Auch dieser zeichnete sich als Soldat aus, focht bei Dettingen und wurde 1758 zum Befehlshaber der brit. Hilfstruppen für Friedrich d. Gr. unter Ferdinand von Braunschweig ernannt. Er starb 28. Okt. 1758 zu Münster. Sein Enkel George, Herzog von M. (gest. 1840), nahm den Namen Spencer-Churchill an; dessen Enkel John Winston Spencer-Churchill, siebenter Herzog von M. (geb. 1822), war im Parlament eifriger Verfechter des Hochkirchentums, für das er 1858 eine nach ihm benannte Bill durchsetzte. 1866 erhielt er die Hofcharge eines Lord-Steward, 1867 das Präsidium des Geheimen Rats; 1876 wurde er von Disraeli zum Vicekönig von Irland ernannt. Diesen Posten behauptete er bis zum Sturz des Ministeriums Beaconsfield im April 1880. Er starb 5. Juli 1883.

Ihm folgte als achter Herzog von M. sein Sohn George Charles Spencer-Churchill, geb. 14. Mai 1844. Er heiratete 1869 Lady Alberta Hamilton, Tochter des Herzogs von Abercorn, wurde indes 1883 wegen Ehebruchs von dieser geschieden und hat sich überhaupt durch seine Extravaganzen einen Namen gemacht, welche 1884 den notgedrungenen Verkauf der Familienjuwelen und der berühmten Bildergalerie des Blenheim-Palastes herbeiführten. Er starb 9. Nov. 1892. – Sein Bruder ist der Politiker Lord Randolph Churchill (s. d.). Jetziger Träger des Namens ist Charles Richard Spencer-Churchill, neunter Herzog von M., geb. 13. Nov. 1871 in Simla als Sohn des achten Herzogs.

Marlinskij, A., russ. Schriftsteller, s. Bestushew, Alexander. Ins Deutsche übersetzt wurden von M. «Erzählungen» (Lpz. 1888).