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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Marne; Marnix; Marno; Maro; Maro (Johs.); Maroboduus; Marodieren; Marokkaner; Marokko

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Marne (Stadt) – Marokko (Sultanat)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Marne (Haute-)'

gebung mehr als 100 Dörfer damit beschäftigt sind. Außerdem erstreckt sich die Industrie auf Handschuh- (jährlich im Wert von mehr als 2 Mill. Frs.), auf Woll- und Strumpfwaren, Lederfabrikation, Korbflechterei u.s.w. Außerdem bilden Getreide, Wein, Branntwein, Eisen, Bauholz, Vieh, Honig und Wachs Hauptartikel des Handels. Eisenbahnlinien bestehen im ganzen 500 km, Nationalstraßen 411 km. Das Departement besitzt an höhern Unterrichtsanstalten 1 Lyceum und 2 Colleges. – Vgl. P. Champion, A. Daguin und L. Girardot, Le départment de la Haute-Marne (Par. 1889).

Marne, Stadt im Kreis Süderdithmarschen des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, nahe der Elbmündung, an der Zweiglinie St. Michaelisdonn-M. (8,4 km) der Holstein. Marschbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Altona), hat (1895) 3002 (1890: 2801) evang. E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Realprogymnasium, höhere Mädchenschule, Krankenhaus; Eisengießerei und Maschinenfabrik, Wagenfabriken, Möbeltischlerei, Häckselschneidereien, Mühlen, Ziegeleien, Kram-, Vieh- und Pferdemärkte, Getreide- und Viehhandel. M. ist seit 1801 Stadt. Das Kirchspiel M. hat (1895) 5086 E.

Marnix, Philipp von, Herr von Mont-Sainte Aldegonde, niederländ. Staatsmann, Offizier und Litterat, geb. 1538 zu Brüssel, studierte in Genf unter Calvin und kehrte voll Haß gegen die span. Herrschaft 1560 in sein Vaterland zurück. In dem bald ausbrechenden Kampfe beförderte er die Befreiung seiner Nation mit Feder und Schwert und verfaßte die Kompromißakte 1566, in der die Mitglieder des niedern Adels Glaubens- und Kultusfreiheit forderten und gegen die Einführung der Inquisition Einspruch erhoben. Nach dem Einmarsche Albas 1567 floh M. nach Deutschland mit dem Anhange Wilhelms von Oranien, dem er später bei der Gründung des niederländ. Staats behilflich war. Am 19. Juni 1572 erschien er als Vertreter des Prinzen in der Versammlung der holländ. Stände (Staaten) zu Dordrecht, die damals die Regierung des Landes übernahmen. Seine diplomat. Dienste widmete er der jungen Republik auch 1576 bei der Genter Pacifikation (s. d.) und 1578 in Worms auf dem Reichstage. 1583 zum Bürgermeister von Antwerpen ernannt, leitete er die Verteidigung der Stadt gegen Alexander von Parma (1584–85), mußte sie aber endlich übergeben. Seitdem zog er sich von den öffentlichen Geschäften zurück. Er starb 15. Dez. 1598 zu Leiden. Unter seinen holländ. Dichtungen ragen hervor das nationale Lied «Wilhelmus van Nassouwen» und sein satirischer «Byjenkorf» (wahrscheinlich zuerst 1569, dann noch öfter gedruckt), ein klassisches Prosawerk der holländ. Litteratur im 16. Jahrh., nach welchem Fischart (s. d.) seinen «Bienenkorb» bearbeitete. - Vgl. Broes, F. van M., Heer van Sainte-Aldegonde, bijzonder aan de hand van Willem I. (2 Bde., Amsterd. 1839); Ed. Quinet, Fondation de la République des Provinces-Unies, M. de St. Aldegonde (Par. 1854); Juste, Vie de M. de Saint-Aldegonde (Brüss. 1858); Lacroix und van Meenen, Notices historiques et bibliographiques sur Ph. de M. (ebd. 1860). Lacroix hat auch M.' Werke als «Œuvres politiques de Ph. de M.» (2 Bde., Brüss. 1859) herausgegeben.

Marno, Ernst, Afrikareisender, geb. 13. Jan. 1814 zu Wien, widmete sich namentlich zoolog. Studien, machte 1866 in Begleitung des Tierhändlers Casanova eine Reise bis an die Grenze ↔ Abessiniens und ging 1869 nach Chartum, von wo er über das Sennar nach Süden bis Fadasi vordrang. 1870 bereiste er einzelne Teile von Fasokl, 1871 und 1872 die Gebiete am Seraf und obern Weißen Nil und gelangte bis Gondokoro, wo er mit Baker zusammentraf. Von da nach Wien zurückgekehrt, schrieb er: «Reisen im Gebiete des Blauen und Weißen Nil» (Wien 1874). Darauf folgte er dem Ruf Gordons an den obern Nil, gelangte aber nur bis Ladò. Wegen Mißhelligkeiten schloß er sich Long an und ging nach dem Makarakalande. Danach machte er in Kordofan eingehende Forschungen und kehrte 1876 nach Europa zurück. Hier schrieb er «Reisen in der ägvpt. Äquatorialprovinz und in Kordofan in den J. 1874–76» (Wien 1878). Die Internationale afrik. Association in Brüssel sandte 1877 eine Expedition nach der afrik. Ostküste aus, in der sich auch M. befand. Sie unternahmen Jan. 1878 eine wissenschaftlich sehr interessante Reise von Saadani nach der Landschaft Usagara, von der aber M. bald aus Gesundheitsrücksichten zurücktreten mußte. M. ging 1879 wieder zu Gordon am obern Nil als ein Oberbeamter der Provinz Kalabat; hier erwarb er sich große Verdienste um die Unterdrückung des Sklavenhandels und die Wegräumung der die Schiffahrt hemmenden Pflanzenbarre im Weißen Nil. Nach dem Ausbruche der Revolution des Mahdi wehrte er dem Umsichgreifen der Unruhen gegen Osten nach Möglichkeit. M. starb 31. Aug. 1883 in Chartum.

Maro, Familienname des röm. Dichters Virgil (s. d.), daher maronianisch soviel wie virgilianisch, in der Weise des Virgil.

Maro, Johs., s. Maroniten.

Marobodŭus (Marbod), Herzog der Markomannen (s. d. und Arminius, Bd. 1, S. 908b).

Marodieren (von marōde, frz. marand, soviel wie ermattet, erschöpft), im Kriege als Nachzügler Bedrückungen gegen die Landeseinwohner begeben, wird mit Gefängnis, in schweren Fällen mit Zuchthaus bestraft (Militärstrafgesetzbuch §§. 135, 136). Wer sich des M. schuldig macht, heißt Marodeur (spr. -döhr).

Marokkaner, religiöse Sekte, s. Adamiten.

Marokko oder Maghreb al-akßâ (d.h. Der äußerste Westen [s. Maghreb]), von den arab. Gelehrten El-Gharb (spr. rharb) el-Djoani genannt, Sultanat in Nordafrika, wird im N. von dem Mittelmeer, im W. vom Atlantischen Ocean, im O. von Algerien und im S. von der Sahara begrenzt. Die Größe wird, bei der Unbestimmtheit der Grenzen gegen S., annähernd auf 800000, ohne Tuat und die Sahara auf 439000 qkm berechnet. (Hierzu Karte: Marokko.)

Oberflächengestaltung. Der Atlas (s. d.), der hier seine höchsten Gipfel hat, durchzieht das Land von SW. nach NO. und schickt Ausläufer bis an die Nordküste, wo das Kap Spartel (Ras Ischberdil) die nordwestlichste Spitze Afrikas am Westeingang der Straße von Gibraltar bildet. Der Atlas scheidet das nördlichere, meist gut bewässerte und fruchtbare Land (190000 qkm) von der marokk. Sahara (540000 qkm), während das Gebirge selbst mit den eingeschlossenen Hochsteppen 70000 qkm einnimmt. Die vielen Flüsse, die der Atlas nach beiden Seiten entsendet, sind nicht schiffbar; am ansehnlichsten sind die 520 km lange Muluja, die sich in das Mittelländische Meer, der Sebu, Um er-Rebia (die Mutter der Kräuter), der Bu Regreg und der über 660 km lange Tensift, die sich in den Atlantischen Ocean

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 620.