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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marsfall - Marsh
barten Pälignern, Marrucincrn, Vestincrn u. a., in
älterer Zeit oft mit den Sammlern im Bündnis
gegen Rom, folgten seit 304 v. Chr. der röm. Hege-
monie und traten 91 v. Ehr. an die Spitze des Auf-
standes derItaliker, der den Viarfifchen Krieg
oder Bundesgenoffenkrieg (f. d., 3) veranlaßte.
Marsen heißt anch ein zu den ältesten german.
Stämmen gehöriges Volk am Mittelrbein. 7 v. Chr.
wichen sie vor Tiberius zurück, wie es scheint, in das
Gebiet der obern Ruhr und Lippe, später beteiligten
sie sich an der Varusschlacht. Im Herbst 14 n. Cbr.
sührte Germaniens gegen sie einen Racbezug; dann
verschwindet ihr Name aus der Überlieferung.
Marsfall, s. Fall und Marsstenge.
Marsfeld, (^mim8 ^Ilntiu8 oder auch bloß
l^mM8, hieß in Rom ursprünglich die weite
Ebene, welche sich von den Abhängen de^ Mons
Pincius, Quirinalis und Capitolinus gegen den
Tiber erstreckt und auf welcher der größte Teil des
heutigen Rom liegt. Es war dem Mars gewcibt;
in der Nähe war die Stätte fürWahlversammlungen
((^omitig. cßiitui-iatH illld ti-iduw), ferner die Villa
^nidlicH, welche für die bei denKomitien thätigen
Beamten wie auch zur Aufuahme fremder Gesandten
bestimmt war. Tas M. wurde durchschnitte!: von
der Vili ^lamiiiia (jetzt del Corso). Die Straße war
angelegt von dem Censor C. Flaminius; derselbe
erbaute im südl. Teile des M. den nach ihm be-
nannten Cirkus (220 v. Chr.). Der größere nördl.
Teil des M. blieb während der republikanischen Zeit
unbebaut und diente als Platz für gymnastische und
kriegerische Übungen. Am Ende der Republik ließ
Pompejus (beim jetzigen Campo di Iiore) ein präch-
tiges (das erste steinerne) Theater bauen, Cäsar
führte für die Komitien marmorne Hallen l,3H0i)ta
.sniia) auf. Die Bauthätigkeit steigerte sich unter
Augustus, der bei seiner Stadteinteilung die VII.
und IX. Region hierher verlegte. M. Agrippa er-
baute die ersten öffentlichen Thermen und das Pan-
theon (jetzt Sta. Maria Rotonda); Augustus (bei
der jchigen Ripctta) sein Mausoleum; südlich davon
bei San Lorenzo in Lucina errichtete er den (jetzt aus
Monte-Citorio versetzten) Obelisken als Gnomon
einer kolossalen Sonnenuhr; Cornelius Valbus ein
Theater unweit von dem des Pompejus und dein
noch zum großen Teil erhaltenen, welches Augustus
(13 v. Chr.) den: Andenken seines Echwcstersohues
Marccllus weihte. Ein allsgedehntes System von
Säulenhallen, mit Kunstwerken geschmückt und zum
Teil mit Gartenanlagcn verbuudeu, vermittelte die
Verbindung zwischen" den einzelnen Prachtbauten.
Auch den spätern Kaisern verdankt das M. eine
große Anzahl von Monumentalbauten. So er-
richtete Nero hier prachtvolle Thermen neben denen
des Agrippa; Marc Aurel die noch heute stehende
Säule zum Andenken an die Besiegung der Marko-
mannen. In der Region östlich der Via I^Iaminia,
nach dcn Hügclabhängen zu, lag unter andern dcr
('HMM8 ^Fripimo, eine große von Säulenhallen
(1'oi-ticu8 Vipsania; 1>oi'ticn8 1'olao, an dessen
Wand die berühmte Weltkarte gemalt war) um-
gebene Gartenanlage; am Nordcnde des (^mpu3
^Fi-jpMtt baute Aurelian (270 n. Chr.) einen präch-
tigen Sonnentempel.
Den Namen Campo Marzo führt dcr vierte
unter den mittelalterlichen (feit dem 13. Jahrh.) und
modernen Ilioni von Rom. Cr erstreckt sich von den
Abhängen des Pincio bis zur westl. Ausbiegung
des Tiber bei Piazza Borghese, umfaßt also nur
den nördlichftenTeil des antiken M. ^ Vgl. Piranest,
(^ampu8 ^I^rliu3 miti<^iiÄ6 ui'di8 (Rom 1762);
Platncr, Mnsen, Gerhard und Röstell, Beschrei-
bung der ^tadt Rom, Bd. 3, Abteil. 3 (Etuttg.
1842); ^anciani, ^ormH ui1>i8 Noniae, Bl. 1, 8,15
(Mail. 1893-94).
Marsfeld (0!mmp ät) ^Iai'8), Platz in Paris,
1000 m lang, 500 breit, zwischen der Militärschule
und dem Ufer der ^eine. Er verdankt seine Ent-
stebung der ^c"!" iniliwiro (1770 gegründet), deren
Schülern cr als Übungsplatz diente, und wurde zu
der Feier des Vundesfestes vom 14. Juli 1790 be-
nutzt. Seitdem diente das M. vielfach als Örtlich-
keit für hohe Staatsakticmcn, Volksfeste, Revuen.
.Vier fanden 1867, 1878 und 1889 die Weltaus-
stellungen statt. Die Maschinenhalle von 1889 dient
jetzt verschiedenen Zwecken. Unweit des Pont de
Jena, der znm Trocadcro führt, ftebt der Ciffelturm.
Marsgebirge, Gebirge in Mähren, westlich
von den Karpaten und von diesen durch die March
getrennt, zieht als waldiger, nach NW. steil abfallen-
der Rücken vom Berge Sudna (südlich von Kremsier)
bis gegen Gaya (40 km). Es ist in der Nähe der
Karpatcn an: höchsten und kulminiert im Brdoberg
(587 m).' Tie südwestl. Fortsetzung, der Steinitzer
W a l d, übersteigt nur selten 400 m. Die Einsenkung
zwischen beiden Gruppen benutzt die Staatsbahn von
Brunn nach dem Wlarapaß und dem Waagthal.
Marsh (spr. mahrsch), George Perkins, nord-
amerik. Philolog und Diplomat, geb. 15. März
1801 zu Woodstock (Vermont), studierte die Rechte,
wurde Advokat, 1835 Mitglied der ^taatslegis-
latur, war 1842-49 Nepraseutant im Kongreß,
1849-53 Gesandter in der Türkei, ging )852 in
einer besondern Mission nach Griechenland und
war 18K1 - 82 Gesandter in Italien. Er starb
23. Juli 1882 zu Vallombrosa bei Florenz. Von
seinen Werken sind zu nennen: ".^ coinp6liäi0U8
zrramnMi' ok tli6 oiä ^ortiiern or Ic^lauäic: lan-
^uaF0v (1838), "I^6ctur68 on tlie 1^nFii8li lan-
frua^" (Neuyork 1861), "Ori^in anä 1ii8t0r^ ok
tiio Nn^Ii8li lHn^UÄF0)) (ebd. 1862), "Nan and
nlltui'6" (ebd. 1864; neue Ausg. u. d. T. "^Ii6 eai-tk,
ll8 moäitiLcl d^ Iiuman ^ctiou", ebd. 1870).
Marsh (fpr. mahrsch), Othniel Charles, nord-
amcrik. Naturforfcher, geb. 29. Okt. 1831 zu Lock-
port (Neuyork), besuchte 1852 die I'llilli^'8 ^cli-
ll0m^ zu Andover (Massachusetts), 1856 das ^1o
(^iie^L, 1860 die Akot'ü<M 8ci(;utitie 8cli0o1 zu
New-Haven und studierte 1862-65 zu Berlin, .Hei-
delberg und Breslau, besonders Zoologie und Geo-
logie. 1866 wurde er Profcsfor der Paläontologie
am ^alo O0II6F6, welche Stelle er noch betleidet.
M. hat wiederholt Expeditionen nach den Rocky-
Mountains unternommen, zahlreiche foffile Säuge-
tiere, Wirbeltiere u. s. w. entdeckt. Unter feinen
Schriften find hervorzuheben: "Oezcription ol 3.
no>v I^liHlio^^niiün, I^o^lniin" ^V< ^äi:inu8" (1862),
<((^0ntl'idntiou8 to Ui6 min6i'al0^ ot'^ovg, ^cotii^"
(1867), "Oi'i^in 0k8i8nilit68 or ^p30init63" (1867),
"NLt^m0rpN03i3 0t' Zii'Läou inw ^Ui1)1^8t0ma))
(1868), (<^0tic6 ok N6>v N03^8ÄU1'0iä l6ptii68 t'roiu
^6>v ^er36^" (1869), "^>0tic6 ot' N6>v t'083i1 diiä3
from tlie (^i'6tac60U8 anä ^ortiHi-^ ok t^6 Ilnitsä
8tat63v (1870), "I'iincipal cIiHi'act6r3 ot'^inki-ican
.inra83ic: Din08aui'3)> (1880), "Ol1ont0riiit^68, or
dii'ä3 ^vitli to0t1i" (Washington 1880), "O6tcic60U8
1't6l0älict)l8)), <(^. N6^v 0i'ä6l ot' Extiuct ^'ui'a88ic:
i-eptile8", "vinocerltta" (1884) u. f. W.