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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Merkaptan - Merle d’Aubigné

von dem Gewinn der Unterthanen entnommen werden.

Das M. blühte hauptsächlich vom 17. bis zur Mitte des 18. Jahrh. und prägte sich während dieser Zeit in den Gesetzgebungen und Verwaltungsgrundsätzen aller Länder mehr oder weniger deutlich aus. Die energischsten und erfolgreichsten Vertreter desselben waren Colbert und Oliver Cromwell; letzterer namentlich durch seine berühmte Navigationsakte (s. d.). Zu den Schriftstellern, die das M. vertraten, gehörten in England Mun, Child, Gee, Decker, Stewart; in Deutschland Klock, Becher, von Schröder, von Horneck, von Justi, von Sonnenfels, in gewissem Sinne auch noch Büsch; in Frankreich Melon, Forbonnais, Ferrier; in Italien Serra, Belloni, Genovesi u. a. Die allmähliche Auflösung des M. erfolgte von England aus, hauptsächlich durch die Werke von Adam Smith (s. d.); an seine Stelle trat im wirtschaftspolit. Leben zunächst der Physiokratismus (s. d.). – Vgl. Roscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland (Münch. 1874); Schmoller, Das M. in seiner histor. Bedeutung (im «Jahrbuch für Gesetzgebung», Lpz. 1884); Ingram, Geschichte der Volkswirtschaftslehre (übersetzt von Roschlau, Tüb. 1890).

Merkaptān, Äthylsulfhydrat, Schwefelalkohol, Thioalkohol, C2H5(SH) ^[C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>(SH)], ein Äthylalkohol, in dem der Sauerstoff der Hydroxylgruppe durch Schwefel vertreten ist. Die wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit von höchst widerwärtigem Geruch, spec. Gewicht 0,831, siedet bei 36° C., ist in Alkohol und Äther löslich und wird dargestellt durch Destillation einer Lösung von Natriumsulfhydrat mit ätherschwefelsaurem Kalium. Es ist eine der am stärksten riechenden Substanzen. Die Metallverbindungen des M., z. B. (C2H5S)2Hg ^[(C<sub>2</sub>H<sub>5</sub>S)<sub>2</sub>Hg], nennt man Merkaptide. Im allgemeinen haben die M. (wie Methylmerkaptan, CH3·SH ^[CH<sub>3</sub>·SH], Allylmerkaptan, C3H5·SH ^[C<sub>3</sub>H<sub>5</sub>·SH] den Charakter schwacher Säuren. Sie lösen sich in starker Kalilauge. Der Name leitet sich her vom lat. corpus mercurio aptum, da sie besonders leicht mit Quecksilber (mercurius) Verbindungen eingehen. Das gewöhnliche M. dient zur Herstellung des Schlafmittels Sulfonal. Methylmerkaptan entsteht beim Schmelzen von Eiweiß mit Kalihydrat.

Merkaptōl, s. Sulfonal.

Merkara, Hauptstadt der indobrit. Provinz Kurg (s. d.).

Merkbänder, Buchzeichen, Bänder oder Streifen, die in Bücher eingelegt oder vom Buchbinder eingeheftet werden, um die Stelle, an der man zu lesen aufgehört hat, leicht wiederzufinden. Die M. werden oft durch Stickereien u. s. w. verziert.

Merkendorf, Stadt im Bezirksamt Gunzenhausen des bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, hat (1890) 820 meist evang. E., Post und Telegraph.

Merkmal, jedes Kennzeichen, wonach ein Ding sich vom andern unterscheiden läßt. Es bildet daher das Element des Begriffs, worunter man eigentlich versteht die Summe von M., die zur sichern Unterscheidung eines Gegenstands von jedem andern notwendig und hinreichend ist.

Merkpfahl, s. Fachbaum.

Merkūr, alte Bezeichnung des Quecksilbers. (S. auch Philosophischer Merkur.)

Merkur (☿), der Planet, der unter den bis jetzt bekannten der Sonne am nächsten steht (s. Intramerkurieller Planet); seine mittlere Entfernung beträgt 57½ Mill. km; seine größte 69 Mill. km, seine kleinste 45 Mill. km, was einer Excentricität ^[Spaltenwechsel] der Bahn von 0,2056 entspricht. Die Entfernung des Planeten von der Erde ist sehr wechselnd: zur Zeit der untern Konjunktion nähert er sich derselben bis auf 76 Mill. km, entfernt sich aber bei seiner obern Konjunktion bis auf 220 Mill. km. Die Neigung der Bahn gegen die Ebene der Erdbahn ist 70’. Da die scheinbare Entfernung des M. von der Sonne zur Zeit der größten oder westl. Abweichung nur 29° betragen kann, so entzieht sich dieser Planet leicht unserm Anblick, so daß es in unsern Breiten nur wenige giebt, die diesen Stern mit bloßem Auge gesehen haben. Mit dem Fernrohr betrachtet, zeigt der M., wie alle Planeten, deren Bahnen von der Erdbahn umschlossen werden, Phasen. Die Geschwindigkeit in der Bahn beträgt 47 km in der Sekunde. Die ganze Bahn durchläuft M. in Bezug auf die Fixsterne in 87,969 Tagen, in Bezug auf die Nachtgleichen in 87,968 Tagen; die synodische Umlaufszeit endlich beträgt 115,870 Tage. Der scheinbare Durchmesser schwankt zwischen 4˝,5 und 12˝,9, je nachdem M. sich in der kleinsten oder größten Entfernung befindet. Der wahre Durchmesser ist 4800 km. Die Masse des M. ist nur sehr unsicher bestimmt und beträgt etwa 0,04 der Erdmasse. Eine Abplattung ist nicht nachweisbar. Während man früher die Rotationszeit des M. zu 24˝ annahm, haben langjährige, schwierige Beobachtungen Schiaparellis in neuester Zeit gezeigt, daß M. eine Rotationszeit von 88 Tagen hat; Rotationsdauer und Umlaufszeit sind bei M. sonach gleich. M. wendet mithin der Sonne immer die nämliche Seite zu, ähnlich wie dies der Mond in Bezug auf die Erde thut. Nach Schiaparellis Untersuchungen besitzt M. auch eine Atmosphäre. Zuweilen erscheint M. zur Zeit seiner untern Konjunktion vor der Sonnenscheibe (s. Durchgang).

Merkūr oder Großer Staufen, Berg (672 m) bei Baden-Baden, genannt nach einem röm., hier gefundenen Merkursbilde. Ein Turm bietet schöne Aussicht über Schwarzwald, Murg und Rhein.

Merkūr, röm. Gott, s. Mercurius und Hermes.

Merkūrblende, soviel wie Zinnober (s. d.).

Merkurialĭen, pharmaceutische Präparate, die Quecksilber enthalten.

Merkurialīn, s. Methylamin.

Merkurialismus, s. Quecksilbervergiftung.

Merkuriālkrankheit, Merkuriālmittel, s. Quecksilbermittel.

Merkuriālpflaster, s. Quecksilberpflaster.

Merkuriālsalbe, s. Quecksilbersalbe.

Merkurīdfulmināt, s. Knallquecksilber.

Merkurioxȳd, s. Quecksilberoxyd.

Merkurisulfāt, s. Quecksilberoxydsulfat.

Merkuroxȳd, s. Quecksilberoxydul.

Merkursstab, s. Caduceus.

Merle (frz.), soviel wie Amsel.

Merle d’Aubigné (spr. märl dobinnjeh), Jean Henri, französischer reform. Theolog, geb. 16. Aug. 1794 zu Eaux-Vives bei Genf, studierte in Genf und Berlin, wurde 1818 Prediger an der franz. Kirche zu Hamburg, 1824 an der dem französischen reform. Kultus eröffneten Hofkapelle in Brüssel, 1831 Professor an der von der Evangelischen Gesellschaft begründeten theol. Schule in Genf, wo er bis an seinen 21. Okt. 1872 erfolgten Tod wirkte. M. d’A. gehörte dem streng bibelgläubigen Calvinismus an. 1835 trennte er sich von der Staatskirche. Er schrieb: «Histoire de la réformation au 16<sup>e</sup> siècle» (5 Bde., Par. 1835‒47; neue Aufl.,