Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

818

Metamorphose (plutonische) - Metastase

Spiegelbild dadurch getrübt sein, daß die betreffenden Larven (s. d.) sich selbständig an äußere Umstände anpaßten, was bei sehr vielen Tieren, wie namentlich bei den metabolen Insekten (s. d.), der Fall ist, wo Larven und Puppen nun nicht etwa der Ausdruck von Ahnenreihen sind, die dem vollkommen entwickelten Insekt vorangingen. Mit Haeckel nennt man die erste Art palingenetische, die letztere cenogenetische M. Bei der rückschreitenden M. sind die Larven höher organisiert als das definitive, geschlechtsreife Tier, und sie wird namentlich veranlaßt durch Parasitismus und festsitzende Lebensweise; sie findet sich bei Manteltieren (s. d.), Würmern, Krebsen, bei einigen Mollusken, Insekten u. s. w. Als eine Art bis zu einem gewissen Grad rückschreitender M. ist die sog. Hypermetamorphose zu betrachten, die namentlich bei einigen maiwurmartigen Käfern (Meloë, Sitaris) auftritt. Die Larven dieser verlassen die Eier als sechsfüßige, sehr bewegliche, relativ hoch organisierte Geschöpfe, kriechen auf Blumen, heften sich dann an honigsuchende Hymenopteren an, von denen sie sich in deren Nester tragen lassen. Hier gelangen sie in die Brutzellen, werden gewissermaßen zu Parasiten, verzehren zunächst das Ei der Biene, häuten sich, wobei sie unter Verlust der Extremitäten zu niedriger organisierten Maden werden, die sich von Honig ernähren, nach mehrern Häutungen sich einpuppen und endlich den wohlentwickelten Käfer liefern.

Die M., als eine Entwicklung nach dem Eileben, erlaubt das Ablegen kleiner, daher zahlreicher Eier, und so wird sie bei möglichst großer Fruchtbarkeit der Mutter ein wichtiger Faktor für die Erhaltung der Art. Die M. ist nicht zu verwechseln mit denjenigen Formverschiedenheiten, die beim Generationswechsel (s. d.) verschiedene Individuen betreffen.

M. heißt auch eine Art der Marionetten (s. d.).

Metamorphose, plutonische, s. Anogen.

Metanilsäure, Metaamidobenzolsulfosäure, C6H4(NH2)(SO3H), ist isomer mit der Sulfanilsäure (s. d.). Sie dient zur Darstellung von Azofarben, indem sie diazotiert und mit Diphenylamin oder Naphthol kombiniert wird. Im ersten Falle entsteht das Metanilgelb, im zweiten Metanilorange.

Metantimonsäure, s. Antimonsäure.

Metapher oder Metaphŏra (grch.), in der Rhetorik die Vertauschung des eigentlichen Begriffs mit einem andern, der mit jenem in einem Punkte (tertium comparationis) übereinstimmt. Sie dient wie jede Trope (s. d.) zur Versinnlichung, z. B. "Hafen" statt "Zuflucht", "Wunde" statt "Kränkung" oder "Verlust", "kalt" für "gefühllos".

Metaphosphorsäure, s. Phosphorsäure.

Metaphrase (grch.), Umschreibung, umschreibende Übersetzung, namentlich eines Gedichts in Prosa.

Metaphysik (grch.) ist der Titel eines der Hauptwerke des Aristoteles, der jedoch nicht von diesem selbst, sondern von dem Ordner und Neuherausgeber seiner Schriften (Andronikus von Rhodus) herrührt und ursprünglich nur die Stelle bezeichnen wollte, welche der fraglichen Schrift in der neuen Ausgabe "nach den physischen" (meta ta physika) angewiesen war. Erst die neuplatonischen Ausleger des Aristoteles legten in den Titel den Sinn einer dem Gegenstand nach über die Physik hinausgehenden Untersuchung oder einer Wissenschaft vom Übersinnlichen; wobei sie sich auf eine Erklärung des Aristoteles selbst (im Eingang des 6. Buches) berufen konnten, wonach die in dem Werke behandelte Disciplin (Aristoteles nennt sie erste, d. h. Fundamentalphilosophie) zwar überhaupt von der Substanz handeln, besonders aber noch der Lösung der Frage gewidmet sein sollte, ob es außer den physischen (sinnlichen) Substanzen noch eine höhere, übersinnliche gebe. Da Aristoteles diese Frage bejaht und die übersinnliche Substanz ihm gleichbedeutend mit Gott ist, so mündet seine M. schließlich in eine Theologie.

Daher hat der Titel M. überwiegend die Bedeutung einer Wissenschaft vom Übersinnlichen behalten. Erst seit Hume tritt daneben eine andere Bedeutung von M. auf, indem man darunter nicht mehr eine Wissenschaft von den letzten Gründen der Dinge (an deren Möglichkeit man verzweifelte), sondern von den Gründen unserer Erkenntnis der Dinge verstand. Kant, der eine solche Wissenschaft (unter dem Namen der Kritik der Vernunft) begründete, übernahm auch diesen neuen Sinn von M. mit denjenigen Abänderungen, welche seine Neubegründung der Erkenntniswissenschaft forderte. Er versteht unter M. die systematische Darlegung der apriorischen Elemente der Erkenntnis, wie die Kritik der Vernunft sie herausstellt, so daß M., Vernuftkritik, ferner Transcendentalphilosophie sich sehr nahe berühren und fast zusammenfallen. So steht seine "Grundlegung zur M. der Sitten" in genauer Beziehung zur "Kritik der praktischen Vernunft"; die "M. der Sitten" selbst ist nur eine Anwendung der in letzterer Schrift festgelegten Principien; und ähnlich verhalten sich die "Metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft" zur Kritik der reinen (nämlich theoretischen) Vernunft. Innerhalb der letztern werden bisweilen metaphysisch und transcendental so unterschieden, daß das erstere (z. B. in der Verbindung metaphysische Deduktion) der bloße Nachweis des Apriori, transcendental die tiefere Begründung desselben genannt wird. Gegenwärtig ist der Titel M. fast noch mehr in Verruf gekommen als in Kants Zeit, obwohl man das, was er ursprünglich besagt, nämlich eine philos. Grundwissenschaft, natürlich nicht entbehren kann.

Metaplasie (grch.), die Umwandlung eines menschlichen oder tierischen Gewebes in ein nahe verwandtes (Binde- in Fettgewebe, Knorpel- in Knochengewebe u. dgl.).

Metapont (Merapontĭon), griech. Stadt in Unteritalien, an der Westseite des Golfs von Tarent, um 600 v. Chr. von Achäern gegründet. Ruinen (besonders eines sehr alten Tempels) beim Kastell Torremare; jetzt Bahnstation.

Metarabinsäure, s. Arabin.

Metastase, Metastăsis (grch.), Versetzung oder Umstellung, in der Medizin die Erscheinung, daß ein Krankheitsprozeß, der zuerst au einem bestimmten Körperteil auftrat, nach einiger Zeit und in ganz analoger Form an einer entfernten Stelle erscheint, wobei die primäre Krankheit entweder fortdauern oder auch verschwinden kann. Die M. erfolgt in den meisten Fällen vermittelst des Blutstroms, indem durch diesen größere oder kleinere Stücke von den Krankheitsprodukten (Blutgerinnsel, Eiter u. s. w.) fortgeführt, an andern Stellen des Gefäßsystems abgelagert werden und hier nun unter Umständen von neuem entzündliche Prozesse hervorrufen (s. Embolie); auf diese Weise entstehen metastatische Abscesse und Entzündungen, metastatische