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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Milchsäurestich; Milchschorf; Milchspiegel; Milchstraße

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Milchsäurestich - Milchstraße

stanzen enthalten, so in der sauren Milch, im Sauerkraut, in den sauren Gurken. Auch im Magensaft kommt sie vor. Zu ihrer Darstellung fügt man zu einer etwa 6prozentigen Zuckerlösung etwas saure Milch hinzu und läßt sie bei einer Temperatur von 40° 8-10 Tage stehen. Da die Flüssigkeit etwa neutral reagieren muß, setzt man Zinkoxyd hinzu, das mit der entstehenden M. milchsaures Zink liefert. Letzteres wird durch Umkristallisieren aus Wasser von andern Stoffen (z. B. dem stets anwesenden Mannit) befreit und durch Schwefelwasserstoff zersetzt. Schwefelzink scheidet sich aus, und die Flüssigkeit enthält die freie M., die durch Eindampfen gewonnen wird. Auch auf synthetischem Wege kann die M. dargestellt werden. Sie bildet einen dicken, farblosen, nicht krystallisierenden Sirup vom spec. Gewicht 1,215, besitzt einen sehr sauren Geschmack und ist in Wasser und Alkohol in jedem Verhältnis und auch in Äther leicht löslich. An feuchter Luft absorbiert die M. Wasser, in stets trocken gehaltener Atmosphäre (im Exsiccator) verliert sie langsam Wasser und geht in festes amorphes Milchsäureanhydrid (Laktylsäure), C6H10O5, über. Beim Erhitzen geht sie teilweise in ein noch wasserärmeres Anhydrid, das gut krystallisierende Laktid, C6H8O4 (Schmelzpunkt 125°), über, zum andern Teil zerfällt sie in Aldehyd, Kohlenoxyd und Wasser. Man benutzt sie in der Heilkunde als Ätzmittel bei Kehlkopfgeschwüren, Krupp und Diphtheritis, innerlich bei Verdauungsstörungen.

Die milchsauren Salze oder Laktate sind sämtlich in Wasser löslich, in heißem Wasser meist sehr leicht, in kaltem schwerer, die meisten krystallisieren leicht. Von denselben findet das Eisenlaktat (s. d.) mediz. Verwendung und ist als Ferrum lacticum offizinell.

2) Die Äthylenmilchsäure oder Hydrakrylsäure, Betamilchsäure,

CH2(OH).CH2.COOH,

ist durch Synthese gewonnen worden. Sie zerfällt beim Erhitzen in Wasser und Akrylsäure; bei der Oxydation liefert sie Kohlensäure und Oxalsäure. Durch diese Reaktionen unterscheidet sie sich wesentlich von der gewöhnlichen M. Dieser dagegen sehr ähnlich und fast nur durch ihre optische Aktivität von ihr unterschieden ist

3) die Fleischmilchsäure (s. d.), Paramilchsäure oder aktive Äthylidenmilchsäure mit derselben Konstitutionsformel, CH3.CH(OH).COOH,, wie die gewöhnliche M. Diese letztere kann mit Hilfe ihres Strychninsalzes in Fleischmilchsäure (Rechts-Milchsäure) und die ihr entgegengesetzte

4) Linksmilchsäure zerlegt werden. Diese entsteht auch aus Traubenzucker bei der Vergärung durch einen besondern, in Birnen vorkommenden Mikroorganismus.

Die Milchsäuregärung des Zuckers kann durch verschiedene Bakterien hervorgerufen werden. Das häufigste ist Bacillus lacticus Hueppe, ein sporenbildendes Bakterium von sehr feiner Stäbchenform, dessen Einzelglieder selten zu Fäden verbunden sind. Durch reichliche Vermehrung in der zuckerhaltigen Lösung vermag dasselbe bei geeigneter Temperatur den Zucker zu oxydieren und in M. überzuführen. Geschieht dieser Vorgang in Milch, so wird das in letzterer gelöst gehaltene Caseïn (Käsestoff) durch die Säure niedergeschlagen, die Milch gerinnt ("saure Milch"). Wenn ein gewisses Quantum M. gebildet ist, so wird hierdurch der Bacillus unwirksam; bindet man aber die entstehende Säure durch kohlensauren Kalk oder ähnliches, so geht die Zersetzung weiter. In Ställen, Milchgefäßen u. s. w. ist der Bacillus sehr verbreitet, woraus sich das regelmäßige Sauerwerden der Milch ohne künstlichen Zusatz bei geeigneter Temperatur erklärt.

Milchsäurestich oder das "Zicken" des Weins wird durch die Milchsäurebakterien, einen einzelligen Stäbchenpilz, in Weinen hervorgerufen, die noch etwas unveränderten Zucker enthalten, indem letzterer durch das Ferment einfach in Milchsäure gespalten wird. In einem weitern Stadium des Prozesses wird letztere in Buttersäure verwandelt, so daß die an M. erkrankten Weine schließlich nach ranziger Butter riechen; ja später tritt eine braunschwarze Färbung, "schwarzer Bruch" genannt, ein. Zur Entwicklung des M. ist der Zutritt der Luft zum erkrankten Weine nicht erforderlich. In starken, d. h. alkoholreichen Weinen tritt der M. nur in seltenen Fällen und nur bei einer höherern Temperatur ein. Ein Wein, der von ihm befallen ist, ist rettungslos verloren und nicht einmal mehr zur Essigbereitung geeignet.

Milchschorf, Milchborke, Ansprung (Crusta lactea), einer der häufigsten Kinderausschläge, ist, wie der Kopfgrind, eine Form des Ekzems (s. d.), kommt fast nur bei Säuglingen vor und befällt vorzugsweise Wange und Kinn, auch das äußere Ohr und andere Teile des Gesichts. Zuerst erscheint die kranke Haut rot und glänzend, dann brechen kleine Bläschen auf derselben hervor, die sich allmählich mit eiterähnlicher gelber Flüssigkeit füllen und schließlich platzen, worauf die Flüssigkeit zu einer dicken gelblichen Kruste eintrocknet, unter der die nässende Haut liegt (nässende Flechte). Nicht selten bestehen zugleich Schnupfen, Augenentzündung und Schwellung der Drüsen unter dem Kinn und am Halse. Der M. ist ein ungefährliches Übel; nur die während des Zahnens austretenden Formen des Ansprungs trotzen bisweilen der sorgfältigsten Behandlung und verschwinden erst mit dem Durchbruch der Zähne. Die Ursache des M. liegt häufig in einer unzweckmäßigen Ernährung des Säuglings. Die Behandlung besteht in fleißiger Entfernung der Krusten durch warmes Wasser, Öl oder Glycerin und Bedecken der wunden Hautstellen mit milden Zink- oder Bleisalben; bei starker Rötung und Schwellung der Haut empfehlen sich fleißige Umschläge mit kaltem Wasser und Abreibungen mit Seifengeist. Neben dieser örtlichen Behandlung ist für eine dem Alter des Kindes angemessene geregelte Ernährung zu sorgen. (S. Auffütterung der Kinder, Kinderernährung.)

Milchspiegel, ein mit aufrecht gerichteten feinen Haaren besetzter Teil der Haut, der sich bei Kühen vom Euter bis unter den Schwanz erstreckt. Je breiter der M. ist, je höher er hinaufreicht, um so größer ist die Gewißheit, daß das Tier ein guter Milchgeber ist. Guénon hat die Ausdehnung des M. und die darauf basierte Milchergiebigkeit in ein System gebracht. - Vgl. Guénon, Die Wahl, Zucht und Haltung der Milchkühe (Lpz. 1852).

Milchstraße heißt von alters her der helle, weißliche Streifen, der sich fast in der Gestalt eines größten Kreises, der mit dem Äquator einen Winkel von ungefähr 63° bildet, um die ganze Himmelskugel erstreckt. Der Verlauf der M. am Himmel ist aus den beiden Karten zum Artikel Sternkarten zu