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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: m. p.; m. pp.; M. R. A. S.; m./R.; Mozetta; mp; Mpongwe; Mpwapwa; Mr.; Mrcchakatikâ

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Mozetta - Mrcchakatika

der Form und Wohllaut der Klangwirkungen. Zur Krönung des Kaisers Leopold in Prag 1791 schrieb M. im Auftrag der Stände die Festoper «La clemenza di Tito», Text von Metastasio, aus welchem M. eine glänzende Gelegenheitskomposition machte. Schon vorher hatte M. für den Theaterdirektor Schikaneder eine von diesem verfaßte Zauberoper, der ein bekanntes Märchen zu Grunde lag, «Die Zauberflöte», begonnen, welcher durch einen Zusatz freimaurerischer Tendenzen ein tieferer Gehalt gegeben war. M., ein eifriger Freimaurer, faßte diese Seite mit großem Ernst auf und wußte dem Ganzen einen feierlich ernsten Hintergrund zu geben, auf dem die Züge lustiger Heiterkeit wirksam hervortreten. Die «Zauberflöte» ist eine wesentlich deutsche Oper und fand als solche einen bis dahin unerhörten Beifall. M.s letztes Werk war das «Requiem» (vgl. J. E. Engl, Festschrift zur Mozartcentenarfeier, Salzb. 1891); ehe er es ganz vollendet hatte, warf ihn eine heftige Krankheit aufs Lager, der er 5. Dez. 1791 erlag.

Auf allen Gebieten der Musik hat M. Meisterwerke hinterlassen, die durch die vollendete Harmonie zwischen Form und Inhalt zu den schönsten Denkmälern aller Kunst gehören. Ihm war Musik der natürliche Ausdruck des Fühlens und Denkens und die Anmut und Liebenswürdigkeit seiner Seele vermochten auch die trübsten Stunden nicht zu verdunkeln. Nach Seite der Fachbildung wesentlich auf ital. Grundlagen gestützt, faßte er doch alle bedeutenden Züge der damaligen Schulen zusammen und erscheint als letzter glänzender Vertreter des 18. Jahrh., namentlich in der Oper. In der geistigen Richtung seiner unverwüstlich reichen Individualität kündet sich aber bereits eine neue Zeit an; diese Seite spricht am stärksten aus M.s Instrumentalmusik, besonders aus den Sinfonien.

Nissens Biographie M.s (Lpz. 1828) bot zuerst ein reichhaltiges authentisches Material, welches Holmes «Life of M.» (Lond. 1845) zweckmäßig verarbeitete. Eine begeisterte Charakteristik gab Ulibischeff in «Nouvelle biographie de M.» (3 Bde., Mosk. 1843; deutsch Stuttg. 1847; 2. Aufl., von Gantter, 4 Bde., 1858-59). Auf umfassendes Quellenstudium begründet ist Otto Jahns «Wolfgang Amadeus M.» (4 Bde., Lpz. 1856-59; 3. Aufl., bearbeitet von H. Deiters, 2 Tle., 1889-91). - Vgl. auch Reißmann, Wolfgang Amadeus M. (im «Neuen Plutarch», Bd. 8, Lpz. 1880); Nohl, M. nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen (ebd. 1880); Rudolf Freiherr von Procházka, M. in Prag (Prag 1892). M.s Briefe sind gesammelt von Nohl (Salzb. 1865; 2. Aufl., Lpz. 1877), der auch M.s Leben (2. Aufl., Lpz. 1877) beschrieb. Weitere Briefe sowie Mitteilungen der Witwe und Schwester M.s veröffentlichte Nottebohm in «Mozartiana» (Lpz. 1880). Einen ausführlichen Katalog seiner Werke bietet Köchels «Chronologisch-thematisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke M.s» (Lpz. 1862; Nachtrag 1889). Auch das Zustandekommen der im Dez. 1876 begonnenen ersten vollständigen Ausgabe von M.s Werken, die Breitkopf & Härtel in Leipzig veranstalten, ist zum Teil Köchels Verdienst. (Vgl. auch S. Bagge, Die Sinfonien M.s, Lpz. 1886; Karl Reinecke, Zur Wiederbelebung der Mozartschen Klavierkonzerte, ebd. 1891.) - Zu Ehren M.s wurden eine Anzahl Mozart-Stiftungen (zu Salzburg, Frankfurt a. M. u. s. w.) ins Leben gerufen. Ein 1892 in Düsseldorf gegründeter Mozart-Verein unterstützt das Mozarteum in Salzburg, das die Aufgabe hat, die öffentliche Schule Mozarteum zu erhalten, periodische Musikfeste zu veranstalten und die Herstellung eines Mozarthauses und Mozartarchivs anzustreben. Von den vielen Bildnissen M.s ist das vom Maler Tischbein aus Mainz 1778 gefertigte dem Original am ähnlichsten. Denkmäler wurden M. gesetzt in Weimar (1799) und Salzburg (von Schwanthaler, 1842); in Wien wurde 21. April 1896 sein Marmorstandbild (von Tilgner) enthüllt.

M.s Gattin Konstanze, geborene Weber, vermählte sich 1809 mit dem dän. Etatsrat Georg Nikolaus von Nissen, dem Verfasser der ersten Biographie M.s, wurde 24. März 1826 abermals Witwe und starb 6. März 1842. - Karl M., der älteste Sohn Wolfgang M.s, geb. 1784, starb 31. Okt. 1858 als Steuerbeamter in Mailand. - Wolfgang Amadeus M., dessen Bruder, geb. 26. Juli 1791, wurde von Neukomm und Albrechtsberger unterrichtet, war 1813-38 Musiklehrer in Lemberg, dann in Wien und starb 29. Juli 1844 in Karlsbad. Er veröffentlichte mehrere gediegene Kompositionen.

Mozetta, s. Camail.

mp, in der Notenschrift Abkürzung für mezzo piano (ital., d. h. ziemlich leise).

m. p., Abkürzung für mensis praeteriti (lat., d. h. des vergangenen Monats).

M. P., in England Abkürzung für Member of Parliament (Mitglied des Unterhauses).

Mpongwe, afrik. Volksstamm, s. Französisch-Kongo.

m. pp., auch m. pr., Abkürzung für manu propria (lat., d. h. eigenhändig), in Urkunden oft dem Namen des Unterzeichners hinzugefügt.

Mpwapwa, richtiger Mbambwa, Station in Deutsch-Ostafrika, in Usagara (s. d.).

Mr., Abkürzung für Mister oder Monsieur.

m./R., in der Buchhaltung Abkürzung für: meine Rechnung.

M. R. A. S., in England Abkürzung für Member of the Royal Asiatic Society (Mitglied der königl. Asiatischen Gesellschaft, s. Asiatische Gesellschaften).

Mṛcchakaṭikā (spr. mritschakatikā, «das irdene Wägelchen»), Name eines ind. Schauspiels in 10 Akten, welches dem König Çūdraka als Verfasser zugeschrieben wird, dessen Tod jedoch im Prolog erwähnt wird. Der wirkliche Verfasser ist unbekannt, ebenso die Zeit des Stücks, das aber nicht vor dem 6. Jahrh. n. Chr. abgefaßt sein kann. Das Stück behandelt die Liebesgeschichte des Brahmanen Tschārudatta und der Hetäre Vasantasēnā, und hat zum histor. Hintergrund die Entthronung des Königs Pālaka durch einen jungen Hirten Arjaka. Das Stück ist künstlerisch und kulturhistorisch von höchstem Werte. Herausgegeben wurde es von Stenzler (Bonn 1847); ins Englische frei übersetzt von H. H. Wilson in «Select Specimens of the Theatre of the Hindus» (3. Aufl., Bd. 1, Lond. 1871); ins Französische von Regnaud, «Le Chariot de terre cuite» (4 Bde., Par. 1876-77); ins Deutsche von Böhtlingk (Petersb. 1877) und Fritze (in «Indisches Theater», Bd. 3, Chemn. 1879); frei wiedergegeben von Haberlandt (Lpz. 1893); übersetzt von Kellner, «Vasantasena oder das irdene Wägelchen» (ebd. 1893). Dramatisch bearbeitet wurde es u. d. T. «Le Chariot d’enfant» von Méry und Gérard de Nerval (Par. 1850) und u. d. T. «Vasantasena» von E. Pohl (Stuttg. 1893). - Vgl. C. Kellner, Einleitende Bemerkungen zu dem ind. Drama M. (Zwick. 1872).