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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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München
Handel und Gewerbe der Altstadt; ferner der Max-
Iosephs-PlatzmitdemKolossalstandbildKönigMaxi-
milians I. Joseph, nach Rauchs Modell von Stigl-
mayer gegossen; östlich anschließend die Maximilians-
straße, eine Schöpfung Maximilians II., mit zahl-
reichen Prachtbauten, im mittlern Teile Denkmäler
von Schelling, Fraunhofer, Graf Numford und
General Deroy, nahe der Brücke das Kolossal-
standbild des Königs Maximilian II., nach Zum-
busch' Modell von Miller gegossen, auf der Prater-
infel Mischen den beiden Brückenteilen ein Denkmal
für Moritz von Schwindt (1893) und der Erhardt-
brunnen. Von der Feldherrenhalle, nach der Loggia
dei Lanzi (1376) in Florenz 1841-44 von Gärtner
errichtet, mit dem Armeedenkmal (1892) von F. von
Miller und den Erzstandbildern Tillys und Wredes
von Schwanthaler, führt nach Norden die von König
Ludwig I. angelegte Ludwigstraße bis zum Sieges-
thor (1850), einer Nachbildung des Konstantinbogens
in Rom; der Odeonsplatz mit dem Reiterdenkmal
des Königs Ludwig I. von Widnmann (1862); der
Wittelsbacherplah mit dem Reiterstandbild (1839)
des Kurfürsten Maximilian I. nach Thorwaldsens
Modell von Schwanthaler; der Maximiliansplatz
mit Anlagen, dem Liebigdenkmal (1883) und dem
monumentalen Wittelsbacherbrunnen (1895) von
A. Hildebrand; der Karolinenplatz mit einem Obe-
lisken aus eroberten Geschützen; der KönigHplatz
mit den Propyläen, einem Prachtthor mit außen
dor., innen ion. Säulen, nach Klenzes Entwürfen
1862 vollendet (s. Tafel: Thore II, Fig. 4); der
Promenadeplatz mit fünf Standbildern (Kurfürst
Max Emanuel, Westenrieder, Gluck, Kreittmayr,
Orlando di Laffo); auf dem Karlsplatz ein Stand-
bild Goethes nach Widnmanns Modell (1869). Auf
der Theresienhöhe, südwestlich vom Centralbahn-
Hof, erhebt sich die Bavaria (s. d.) mit der Ruhmes-
halle, einer dor. Säulenhalle nach Klenzes Entwurf
1843-50 erbaut, mit 90 Büsten berühmter Bayern.
Kirchen. Die Frauen- oder Domkirche (101 m
lang, 39 m breit, 58 m hoch), feit 1821 Hauptkirche
des Erzbistums München-Freising, ist 1468-88
im spätgot. Stil von Jörg Ganghofer aus Backstein
aufgeführt und 1858 restauriert; die beiden un-
vollendeten Türme (101 m), das Wahrzeichen von
M., sind mit schwerfälligen birnförmigen Helmen
bedeckt, im Schiff das Grabmal Kaiser Ludwigs
des Bayern (1625) von Hans Krumper; die Peters-
kirche (13. Jahrh.), Heilige-Geist-Kirche (14. Jahrh.)
im Zopfstil, in ihrer jetzigen Gestalt 1886 vollendet;
die Et. Michaels-Hofkirche, ehemalige Iesuitenkirche
(87 m lang), 1597 im röm. Renaissancestil voll-
endet, mit großartigem Tonnengewölbe (34 m) und
dem Grabmal (Marmorstatue) des Herzogs Eugen
von Leuchtenberg von Thorwaldsen; die Theatiner-
kirche, 1661 -75 im ital. Barockstil erbaut, die
Facade 1767 vollendet, mit hoher Kuppel, zwei
Türmen und der Grust verschiedener Mitglieder
der konigl. Familie. Der neuern Zeit gehören an
die Allerheiligen-Hofkirche, 1826-37 von Klenze
im byzant.-roman. Stil unter Benutzung von Mo-
tiven aus der Markuskirche in Venedig erbaut und
in Gold und Marmor prächtig ausgeschmückt; die
prot. Matthäuskirche, 1827-33 in ovaler Form
von Pertsch erbaut, das erste evang. Gotteshaus der
Stadt; die Ludwigskirche, 1829-44 von Gärtner
im ital.-roman. Stil erbaut, mit zwei Türmen und
dem Jüngsten Gericht am Hochaltar, dem größten
Freskogemälde von Cornelius, in den Gartenanlagen
14Stationensresken vonFortner; die frühgot.Maria-
Hilf-Kirche in der Vorstadt Au, eine dreifchiffige
Hallenkirche in Backstein, 1831-39 von Ohlmüller
und Ziebland erbaut, mit Glasgemälden von Schrau-
dolph, Fischer u. a., die Basilika zum heil. Bonifa-
tius, 1850 nach dem Vorbild altital. Basiliken des
5. und 6. Jahrh, von Ziebland vollendet, mit 5 Schif-
fen und 66 Marmorfäulen, die got. Johanniskirche
in Haidhausen, 1863 von Berger in Backstein und
Terracotta vollendet, die gotische evang. Markus-
kirche (1874-78), ein dreischiffiger Hallenbau, die
got. Giesinger Pfarrkirche, 1866-84 von Dollmann
erbaut, die neugot. Venediktuskirche (1881), die
neue roman. St. Annakirche (1892), die 1894 von
Romeis vollendete St. Bennokirche und mehrere
im Bau befindliche Kirchen, darunter besonders die
evang. Lukaskirche. Die Synagoge mit roman. Moti-
ven und viereckigem Turm ist einer der größten und
schönsten israel. Tempel Deutschlands. Die zahl-
reichen Klöster widmen sich teils der Seelsorge, teils
dem Unterricht und der Erziehung, teils der Kranken-
pflege. Der südl. Friedhof übertrifft an Reichtum
künstlerischer Denkmäler alle Friedhöfe Deutschlands.
Weltliche Bauten. Der Alte Hof, die älteste
Residenz der bayr. Herzöge, jetzt Sitz von Behör-
den, ist 1253-56 erbaut und von Ludwig dem
Bayern 1324-27 neu aufgeführt; die Herzog-Max-
Burg, 1579 von Herzog Wilhelm V. erbaut, jetzt
gleichfalls Sitz von Behörden (Kriegsschule). Die
königl. Residenz besteht aus drei Teilen, dem Königs-
bau, dem Festsaalbau und der alten Residenz. Letz-
tere, 1602-19 unter Maximilian I. von Neiffenstuel,
Schön und Witte erbaut, umsaht vier offene Höfe
mit dem Perfeusbrunnen und Wittelsbacherbrun-
nen (f. Tafel: Brunnen II, Fig. 2 u. 6), die Eckatz-
kammer und die Reiche Kapelle; der Festsaalbau,
1832-42 im spätern ital. Renaissancestil von Klenze
erbaut, enthält sechs Säle mit enkaustischen Wand-
gemälden aus der Odyssee, im ersten Stock den
Ball-, Bankett- oder Schlachten-, Barbarossa-, Habs-
burger-, Thronsaal und den Saal Karls d. Gr.; der
Königsbau, 1826-35 von Klenze nach dem Vorbild
des Palazzo Pitti in Florenz erbaut, enthält im Erd-
geschoß die Säle mit den Nibelungenfresken von
Iul. Schnorr (1861); nördlich der Hofgarten, ein mit
Bäumen und Blumenanlagen geschmückter Platz, an
zwei Seiten von offenen Arkaden umgeben, die mit
Fresken (1827 -34) geschmückt sind; das Odeon,
1828 von Klenze erbaut, ist zu Konzerten und für
die Musikschule bestimmt; der Palast des Prinz-
Regenten Luitpold, früher Palais Leuchtenberg, der
des Herzogs Max mit Fresken von Langer, Kaulbach
und Zimmermann und das Kriegsministerium sind
von Klenze, der Wittelsbacherpalast im englisch-
mittelalterlichen Spitzbogenstil (1843-50) und die
Hof- und Staatsbibliothek im florentin. Stil (1832
-43) von Gärtner erbaut, letztere mit prächtigem
Marmortreppenhaus; die Universität, das Priester-
seminar (Georgianum) und das Max-Iosephs-
Erziehungsinstitut bilden einen großen viereckigen
Platz, den die Ludwigstraße durchschneidet; vor dem
Siegesthor die Akademie der bildenden Künste im ital.
Hochrenaissancestil nach Neureuthers Plänen (1885
vollendet). An den Königsbau der Residenz stößt das
Hof- und Nationaltheater, auf der Stelle des 1818
von Karl von Fifcher vollendeten, 1823 abgebrannten
Theaters von Klenze errichtet, mit Vortikus von acht
korinth. Säulen; und das Residenztheater, früher
Opernhaus und 1851 wieder eröffnet, im Rokokostil