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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Naturalkomputation - Naturfarbendruck

In der ältern Kunstwissenschaft bedeutete N. die Ausübung einer Kunst lediglich auf der Grundlage der natürlichen Begabung, ohne Schulung wie ohne Kenntnis der künstlerischen Gesetze und Technik, wie dies am meisten in der Dichtung und der Schauspielkunst heimisch ist. Neuerdings nennt man N. die nach unbedingter Treue strebende Nachahmung der Natur in der bildenden Kunst, d. h. Naturwirklichkeit, Realismus. Da jede Kunst von einer mehr symbolischen, allgemeinern Darstellung der Natur in festen Typen ausgeht, so bildet der N. zumeist die letzte Stufe einer Kunstentwicklung, und man kann im allgemeinen in der Kunstentwicklung ein stetiges Fortschreiten zum N. beobachten. In rascher Folge hat die bildende Kunst des 19. Jahrh. diesen Weg durchgemacht, indem jede jüngere Schule den N. in erhöhtem Grade auf ihre Fahne schrieb und dafür den Tadel der ältern Richtung auf sich lenkte. Die jüngste Schule des N. stellt die Hellmalerei (s. d.) und die Kunst der Impressionisten (s. d.) in der Malerei dar. Der Verismo Italiens und Spaniens beruht auf denselben künstlerischen Absichten. - Vgl. Valentin, Der N. und seine Stellung in der Kunstentwicklung (Kiel 1891); Reißmann, Der N. in der Kunst (Hamb. 1891); Leo Berg, Der N. (Münch. 1892).

Naturālkomputation, s. Computatio.

Naturālleistungen, die für die Armee seitens der Bevölkerung auszuführenden Leistungen. (S. Friedensleistungen und Kriegsleistungen.)

Naturāllohn, s. Arbeitslohn (Bd. 1, S. 822 a).

Naturālverpflegung, die Verabreichung derjenigen Nahrungsmittel an Mannschaften und Pferde, welche zu ihrer Erhaltung notwendig sind. Die N. der Mannschaften wird meist unter der Bezeichnung Proviant zusammengefaßt und in Brot und Viktualien geschieden; die N. der Pferde nennt man Fourage. Letztere wird im Frieden wie im Kriege den Truppen gewährt, während erstere nur im Kriegsfalle und bei Märschen, Manövern u. s. w. eintritt. (S. Friedensleistungen und Kriegsleistungen.) In der Garnison wird die Verpflegung der Mannschaften meist durch eigene Beschaffung der Lebensmittel bewirkt, wozu außer dein Löhnungsanteil (s. Löhnung) der für die Garnisonen vierteljährlich vom Kriegsminister festgesetzte Verpflegungszuschuß dient. Das Brot wird in den größern Garnisonen in Militärbäckereien erzeugt und in Natur geliefert. Abkommandierte erhalten Brotgeld.

Naturālverpflegungsstationen, s. Verpflegungsstationen und Arbeiterkolonien.

Naturālwirtschaft, im Gegensatz zur Tauschwirtschaft zunächst die unterste Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung, auf welcher jede Einzelwirtschaft die Güter ihres Bedarfs selbst produziert und nicht durch Eintausch oder Kauf von andern Wirtschaften erwirbt. Ist eine solche sich selbst genügende Einzelwirtschaft nur von kleinem Umfange, so kann sie nur auf einer sehr niedrigen Kulturstufe stehen, da sie unter diesen Umständen nur den notwendigsten Unterhalt erzeugen kann. Eine N. im großen dagegen kann schon eine bedeutende Leistungsfähigkeit erlangen. Sie beruht dann nach den bisherigen Erfahrungen entweder auf der Sklaverei oder Hörigkeit der beschäftigten Arbeiter (wie z. B. auf den großen Fronhöfen des Mittelalters) oder auf dem Genossenschaftsprincip mit mehr oder weniger klösterlichen Einrichtungen. In einem etwas andern Sinne bedeutet N. jenen Zustand der ökonomischen Entwicklung, woselbst zwar schon Austauschakte und Verkehrsbeziehungen vorkommen, dabei aber noch nicht das Geld als Vermittler auftritt und wo die Leistungen der Einzelnen für die Gesamtheit in Naturalgütern und direkten Dienstleistungen (s. Frone) bestehen; sie ist also hier der Gegensatz zur Geldwirtschaft (s. d.). Übrigens ist in der Geschichte der Kulturwelt die N. kaum jemals in ihrer vollen Reinheit zu finden. Der naturale Austausch von Erzeugnissen der einzelnen Wirtschaften wird immer, wenn auch anfangs nur in geringem Umfange, vorgekommen sein, und auch die Verwendung des Geldes als eines Vermittelungsgliedes läßt sich schon in den frühesten Perioden der asiat. Kultur nachweisen. Ein großes Übergewicht der Geldwirtschaft über die N. tritt jedoch erst seit dem 16. Jahrh. hervor und hat seitdem, unterstützt durch die Entwicklung des Kredits (s. d.), immer mehr zugenommen. Reste der N. haben sich bis auf die neueste Zeit in der Landwirtschaft erhalten.

Natūram expellas furca, tamen usque recurret (lat.), "du magst die Natur (das Naturell) mit Gewalt (eigentlich mit dem Gabelkreuz, einem Strafwerkzeug) austreiben, sie wird doch immer zurückkehren, d. h. Natur läßt sich biegen, aber nicht brechen, Citat aus Horaz' "Episteln" (I, 10, 24).

Natūra natūrans (lat.), in der scholastischen Philosophie das schaffende Princip in der Natur, d. h. Gott, im Gegensatz zu Natura naturāta, der geschaffenen Welt. So unterscheidet noch Spinoza.

Natūra non facit saltus (lat.), "die Natur macht keine Sprünge", ein seit Linné häufig vorkommender, vielleicht einem Satze des Aristoteles nachgebildeter Ausdruck.

Naturarzt, s. Naturheilkunde.

Naturbleiche, s. Bleichen (in der Technik).

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Naturdichter, Dichter ohne gelehrte Schulbildung. Sie behandeln meist lyrische Stoffe, oft in der Weise des Volksliedes (s. d.) und mit frischer Empfindung und originellem Ausdruck. Sehr bekannt sind in Deutschland die N. Gottlieb Ziller in Cöthen (1778-1826) und in neuerer Zeit Karl Weise in Freienwalde. Am ansprechendsten sind die N. als Dialektdichter, wie der Nürnberger Flaschnermeister Grübel, unter den Franzosen der Friseur Jasmin und der Bäckermeister Jean Reboul und vor allem der Schotte Robert Burns.

Naturdienst, religiöse Verehrung vergötterter Naturgegenstände (Gestirne, Tiere u. s. w.).

Naturéll (frz.), der Inbegriff der ganzen leiblichen Eigentümlichkeit des Individuums, sofern seine geistige dadurch bleibend beeinflußt wird.

Naturfarbendruck, ein Verfahren zur Erzeugung farbiger Lichtdrucke. Photographien in natürlichen Farben kann man auf zweierlei Weise erhalten:

1) Durch direkte Aufnahme mittels photogr. Schichten, die für alle Farben empfindlich sind und die Wirkung jeder Farbe möglichst in der Originalfarbe wiedergeben. Dahin gehören die Versuche von Seebeck (Goethes "Farbenlehre" 1810), Becauerel, Nièpce de St. Victor, Poitevin, Zenker, Lippmann, Valenta u. a. Diese Methode hat den Übelstand, daß die wiedergegebene Farbe aus physik. Gründen nicht genau der Naturfarbe gleicht, daß sie ferner nur die Aufnahme sehr heller Körper (Spektrum, durch elektrisches Licht beleuchtete bunte Gegenstände) gestattet und für jedes neue Bild eine neue Aufnahme nötig macht u. s. w. (Näheres s. Photochromie.)