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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Naturforscherversammlungen
2) Durch photogr. Aufnahmen, welcke durch chem.
Wirkung des Lichts in Druckplatten übergeführt, mit
Benutzung des Farbendruckprincips und mit ver-
schiedenen Farben nach optischen Grundsätzen ab-
gedruckt werden. Dieser zweite Weg wurde bereits
von Ransonnct in Osterreich und Collen in England
1865 vorgeschlagen; sie verlangten die Herstellung
dreier Aufnahmen desselben farbigen Gegenstandes
durck ein rotes, gelbes und blaues Glas. So sollten
drei Negative entstehen, in denen je nur die roten,
blauen und gelben Strahlen der Natur gewirkt
hätten. Diese sollten auf Stein kopiert und die
erhaltenen photolithogr. Steine in Gelb, Blau und
Rot auf dasselbe Papier abgedruckt werden. Der
Gedanke war nicht ausführbar, weil man damals
rot- und gelbempfindliche photogr. Platten noch nicht
kannte. Erst 1873 wurden solche von H. W. Vogel in
Berlin erfunden, und nun nahmen Cros und Ducos
du Hauron in Frankreich, später Albert in München
den Gedanken wieder auf, indem sie sich der nach
Vogels Princip "sarbenempfindlick" gemachten
Platten bedienten. Albert benutzte statt der Litho-
graphie den Lichtdruck (s. d.).
Bei der Wahl der Abdruckfarbe ergaben sich aber
Eigentümlichkeiten. Jedes gewöhnliche (schwarze)
photogr. Bild wird bekanntlich mit Hilfe des Lickts
unter einer Negativplatte, auf welche Schwarz nickt
gewirkt hat, auf im Lichte schwarz werdendes Papier
kopiert. Analog braucht man für Herstellung des
Gelb bei dem Naturfarbcnlichtdruckverfahren eine
Negativplatte, auf welche Gelb nicht gewirkt hat,
für die Herstellung der Kopie in Not eine Negativ-
platte, auf welche Rot nicht gewirkt hat. Kurz, es
stehen die Druckfarben und die auf das Negativ
wirksamen Naturfarben in einem Gegensatz zu ein-
ander. So gelangte man zu dem Schluß, die für
Rot empfindliche Negativplatte müsse in der Kom-
plementärfarbe Grün, die für Gelb empfindliche
Platte in der Komplementärfarbe Blau abgedruckt
werden u. s. w. In der That erhielt man dadurch
eine Annäherung an die Naturfarbe, keineswegs
aber die wirkliche Naturfarbe selbst, da es zahlreiche
Nuancen Grün, Rot und Gelb giebt und man die
richtige noch nicht auszuwählen wußte.
Die Abweichungen waren unter Umständen der-
art, daß die Bilder künstlerisch völlig wertlos wur-
den. H. W. Vogel wies 1885 nach, daß der Begriff
Komplementärfarben ein in hohem Grade schwan-
kender sei, daß eine und dieselbe Farbe sogar mehrere
Komplementärfarben haben könne, die Farbendrucker
suchten diejenigen aus, welche ihnen am besten paß-
ten. (Vgl.Vog"el,LehrbuchderPhotographie,4.Aufl.,
Bd. 2.) Vogel beseitigte diese Willtür durch Auf-
stellung eines einfachen Gesetzes. Zur Herstellung
der oben erwähnten drei oder mehr farbenempfind-
lichen Platten (für die Aufnahme hinter rotem, gel-
bem und blauem Glase) sind nämlich Färbungen
betreffender Platten durch gewisse lichtempfindliche
Farbstoffe nötig, welche betreffendes rotes, gelbes,
grünes oder blaues Licht absorbieren. Genau die-
selben Farbstoffe aber oder ihnen spektroskopisch
gleichende müssen nach Vogel als Druckfarben ge-
nommen werden, um wirtlich naturühnliche Drucke
zu erhalten, denn nur diese Farbstoffe sind dem von
ihnen absorbierten blauen, gelben oder roten Lichte
komplementär. Der Chromolitbograph Ulrich war
der erste, der die Richtigkeit dieses Princips praktisch
erwies und 1890 bereits derartig gefertigte Licht-
drucke veröffentlichte. Um dieselbe Zeit erzielte
E. Vogel (Sohn von H. W. Vogel) durch Anwendung
neuer Plattenfärbungen sowie neuer korrespondieren-
der farbiger Strahlenfilter an Stelle der in der Fär-
bung wechselnden Glasscheiben bessere Resultate.
Die Unvollkommenheiten des Lichtdruckes gegen-
über dem große Auflagen gestattenden Buchdruck
veranlaßten E. Vogel, im Verein mit W. Kurtz in
Neuyork, das Verfahren (jetzt auch Dreifarbendruck
genannt) in Buchdruck umzusetzen, und zwar auf
dem Wege der Autotypie (s. d.). Die Versuche wur-
den von Erfolg gekrönt, so daß das Verfahren jetzt
in Deutschland, England und Frankreich bereits
ausgeübt wird. Varianten des Verfahrens wurden
später von Dr. AlbertMu. (München), von Hübl
(Wien), Weißenberg er (Petersburg) und Husnik
(Prag) versucht.
Der 1875 von Ducos duHauron erfundene Drei-
farbenpigmentdruck ist 1894 von Matbieu in
London und 1896 von Selle in Brandenburg ver-
vollkommnet worden. Die drei Drucknegative für
Blau, Rot und Gelb werden nach dem Pigment-
druckverfahren (s. Photographie) auf gelbe, rote und
blaue Pigmentschichten kopiert, die dadurch erhalte-
nen drei Häutchen auf dasselbe Papier oder Glas
übertragen und entwickelt.-Vgl.A. W. Vogel, Hand-
buch der Photographie, Bd. 2 (4. Aufl., Berl. 1894).
Naturforfcherversammlungen, die alljähr-
lich stattfindenden Wanderversammlungen der Ge-
sellschaft deutscher Naturforscher und
Ärzte, einer Gesellschaft, die zunächst auf Okens
Anregung 18. Sept. 1822 aus einem kleinern Kreise
von Freunden hervorging und im Laufe der Zeit
zum Mittelpunkte naturwissenschaftlicher Bestrebun-
gen in Deutschland wurde. Auf der 7. Versamm-
lung 1827 zu Berlin wurden neben den allgemeinen
Sitzungen noch Sektionen für die einzelnen natur-
wissenschaftlichen Disciplinen unter besondcrm Vor-
sitz eingerichtet. Von der 10. Versammlung an (1832
in Wien) erschien jährlich ein amtlicher Bericht über
die Versammlung deutscher Naturforscher und 3trzte;
auch diente Okens Zeitschrift "Isis" der Gesellschaft
als Organ. Während der Zusammenkunft zu Frei-
burg 1838 wurde zum erstenmal ein täglich erschei-
nendes Tageblatt über die Verhandlungen der Ge-
sellschaft herausgegeben. Der 1834 zu Stuttgart
eingereichte Antrag auf Erweiterung der sebr wenig
bindenden Statuten und festere Organisation der
Gesellschaft wurde, besonders durch Okens Entgeg-
nungen, zurückgewiesen, da man gerade in den die
Freiheit der Mitglieder wenig beschränkenden Ge-
setzen eine Gewähr für die Existenz der Gesellschaft
sah. Erst 1891 zu Halle wurde ihr eine festere äußere
Gestaltung gegeben auf Grund neuer Statuten, die
seit 1. Jan. 1892 gelten. Danach hat die Gesellschaft,
welche die Förderung der Naturwissenschaft und Me-
dizin sowie die Pflege persönlicher Beziehungen ihrer
Mitglieder bezweckt, die Rechte einer jurist. Person;
ihr Sitz ist Leipzig. Die Leitung ist in den Händen
des Vorstandes, des wissenschaftlichen Ausschusses
und der Geschäftsführer. Das Eintrittsgeld beträgt
seit 1894 10 M., der Jahresbeitrag 5 M., für die
gedruckten Verhandlungen noch außerdem 6 M.
Das Vermögen der Gesellschaft besteht aus dem 1886
von den Geschäftsführern der Berliner Versamm-
lung ihr überwiesenen Kapital von 27 956 M., aus
den Überschüssen der Jahresversammlung, aus den
Beiträgen der Mitglieder sowie aus etwaigen Stif-
tungen. Der Rechnungsabschluß 31. Dez. 1895
fand mit einem Vermögensbestand von 79 055,84 M.