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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niederlande (Geschichte)

rung unmöglich zu machen. Die Eifersucht des Adels in den südlichen N. und die immer noch zahlreichen Anhänger der kath. Kirche störten jedoch die Eintracht, und der Nachfolger Johanns, Alexander Farnese, Prinz von Parma, wußte daraus Nutzen zu ziehen. Bereits 1579 sagten, sich einige der südl. Gebiete von der Verbindung mit den nördlichen los, und diesem Beispiele folgten andere. Dagegen schlossen sich die nördl. Provinzen durch die Union zu Utrecht fester aneinander, waren aber nicht im stande, dem Feinde erfolgreich zu widerstehen. Als Prinz Wilhelm von Oranien 1581 durch Mörderhand fiel, standen der span. Macht fast nur noch die vier Provinzen Holland, Seeland, Utrecht und Friesland entgegen. Um diese Zeit wurde die Aufmerksamkeit Philipps Ⅱ. von den niederländ. Angelegenheiten abgelenkt durch den franz. Thronfolgestreit zwischen Heinrich Ⅳ. und der Liga. Um der Liga beizustehen, mußte der Herzog von Parma wiederholt mit dem größten Teile seines Heers nach Frankreich ziehen, worauf sich die Niederländer unter dem Prinzen Moritz, dem Sohne Wilhelms von Oranien, einer Reihe wichtiger Plätze in Geldern, Oberyssel, Groningen und Brabant bemächtigten. Beim Tode Philipps Ⅱ. (1598) war das ganze Land nördlich von der Maas von den Spaniern befreit, 1600 fiel Moritz in Flandern ein und erfocht bei Nienport 2. Juli einen glänzenden Sieg, dagegen wurde Ostende nach dreijähriger Belagerung 20. Sept. 1604 von den Spaniern zur Ergebung gezwungen. 1609 schloß König Philipp Ⅲ. einen 12jährigen Waffenstillstand, in welchem die Unabhängigkeit der sieben Provinzen (Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Oberyssel, Friesland, Groningen) im Princip anerkannt wurde. Diese sieben Provinzen bildeten nunmehr die Republik der Vereinigten Niederlande, während die südl. Provinzen, etwa das jetzige Belgien (s. d.), dem Hause Habsburg und der kath. Konfession verblieben. Bereits 1581 hatten sich jene sieben nördl. Provinzen von dem König von Spanien losgesagt und, nachdem Frankreich und England die Herrschaft abgelehnt und der von den Generalstaaten als Generalstatthalter (1585‒87) mit großer Machtbefugnis bekleidete Befehlshaber der von der engl. Königin geschickten Hilfstruppe, der Graf Leicester, infolge vieler Konflikte mit den Staaten Hollands, hatte abdanken müssen,sich 1588 als Republik konstituiert. Doch genoß der Prinz von Oranien als Statthalter der fünf wichtigsten Provinzen und Befehlshaber des Heers fürstl. Ansehen. Während des Waffenstillstandes erhob sich jedoch ein Konflikt zwischen ihm und den Ständen oder Staaten von Holland (der größten und mächtigsten der sieben Provinzen, nach welcher auch die gesamten Lande als «Holland» bezeichnet wurden), deren Generalanwalt und Führer Jan van Oldenbarneveldt (s. d.) war. Der Zwiespalt entsprang aus den kirchlichen Zwisten zwischen den streng orthodoxen Gomaristen und Arminianern (s. d.) und endete 1619 mit der Hinrichtung Oldenbarneveldts. Im übrigen erfreuten sich die N. des besten Gedeihens; Industrie, Handel, Schiffahrt und Fischfang blühten wie nie zuvor. Dazu kam noch die Entwicklung des Verkehrs mit Ost- und Westindien. 1602 wurde die Ostindische Compagnie (s. d.) gestiftet, die den Grund zu der holländ.-ostind. Herrschaft legte, 1621 eine Westindische Compagnie, die auch eine Zeit lang Herr der Küste von Brasilien war, aber an Bedeutung zurückblieb. Nach Ablauf des Waffenstillstandes nahm Moritz und nach dessen Tode (1625) sein Bruder Friedrich Heinrich den Kampf gegen Spanien wieder auf. Wichtige Festungen (Herzogenbusch und Maastricht) wurden erobert. Erst 1648 machte der Westfälische Friede dem Krieg ein Ende.

Die Republik erlangte dabei Anerkennung ihrer Unabhängigkeit und den Besitz alles dessen, was sie in Brabant und Flandern, Ost- und Westindien erobert hatte. Sie hatte somit den Gipfel ihrer Größe erreicht. Das Land war der Sitz und Zufluchtsort religiöser und polit. Freiheit in Europa. Eine ungewöhnliche Wohlfahrt herrschte überall. Zugleich blühten Künste und Wissenschaften, besonders die Malerei. (S. Niederländische Kunst.) Nachdem Prinz Wilhelm Ⅱ. (der Sohn Friedrich Heinrichs) ohne Hinterlassung eines volljährigen Erben gestorben und deshalb die Statthalterwürde von Holland erledigt geblieben, trat Jan de Witt (s. d.) 1652 als Ratspensionär an die Spitze Hollands und dadurch an die der Union. Unter ihm war die Republik der N. eine Macht ersten Ranges. Ihre Flotten, unter Tromp und de Ruyter, erwarben sich in den Kriegen gegen Cromwell (1652‒54) sowie gegen Karl Ⅱ. von England (1665‒67) Ruhm. Nicht weniger Kraft und Mut bewies die Republik, als sie 1668 die Tripelallianz mit England und Schweden schloß und so Ludwig ⅩⅣ. zum Aachener Frieden (s. d.) zwang. Aber nachdem Ludwig ⅩⅣ. durch seine gewandte Staatskunst die Republik völlig isoliert und sogar den König von England für sich gewonnen hatte, erklärte er ihr 1672 den Krieg und eroberte Geldern und Utrecht; Holland setzte seine Grenzgebiete unter Wasser und that so dem weitern Vordringen der Franzosen Einhalt. Unterdessen zwang eine Volksbewegung in Seeland und Holland die Staaten, den jungen Prinzen von Oranien, Wilhelm Ⅲ., zum Statthalter und Generalkapitän (Oberbefehlshaber des Heers der Union) zu ernennen. Unter dessen geschickter und glücklicher Führung nahm der Krieg bald eine andere Wendung, besonders als Spanien und Deutschland den N. zu Hilfe kamen. Bereits 1674 stand auf dem Gebiete der Republik kein Feind mehr, und im Frieden zu Nimwegen 1678 verlor sie keinen Zoll breit Landes. Die Republik setzte ihren Statthalter 1688 in den Stand, die Revolution in England durchzusetzen und den Thron Jakobs Ⅱ. einzunehmen. Auch nach dem Tode Wilhelms Ⅲ. blieb sie die Bundesgenossin Englands im Spanischen Erbfolgekriege (s. d.).

Dies war jedoch die letzte Machtäußerung der Republik. Wider Willen wurde die statthalterlose Regierung, die seit dem Tode Wilhelms Ⅲ. (1702) das Staatsruder führte, in den Österreichischen Erbfolgekrieg hineingerissen (1741), der ihr nur Niederlagen bereitete. Das Volk zwang die Staaten, 1747 den nächsten Verwandten Wilhelms Ⅲ. Wilhelm Ⅳ., zum Erbstatthalter auszurufen und an die Spitze des Heers zu stellen. Dieser starb jedoch schon 1751. Hierauf übernahm die Regentschaft die Witwe Wilhelms Ⅳ. (eine Tochter Georgs Ⅱ. von England) und nach deren Tode (1759) der Vormund des minderjährigen Prinzen Wilhelm Ⅴ., der Herzog von Braunschweig. Einbuße erlitten die N. hauptsächlich infolge ihrer Beteiligung an dem großen Seekriege gegen England zur Zeit des Befreiungskrieges in Nordamerika (1781‒83), und im Frieden zu Paris mußten sie einige Gebietsteile in Ostindien abtreten. Das Volk schrieb alles der schlechten Lei-^[folgende Seite]