Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niederlausitz - Niederösterreich
lassung (s. Handelsniederlassung). Jede N. be-
gründet einen Gerichtsstand für die Klagen, welche
auf den Geschäftsbetrieb der N. Bezug haben (ß. 22
der Deutschen Civilprozeßordnung). In einem
andern, aber verwandten Sinn spricht man von N.
geistlicher Orden als den Orten, wo Mitglieder der-
selben einen dauernden Aufenthalt nehmen, um dort
oder von dort aus ihre Wirksamkeit auszuüben.
Für das deutsche Reichsgebiet ist für die Ange-
börigen aller deutschen Bundesstaaten die Nieder-
lassungsfreiheit durch das Freizügigkeitsgesetz
vom 1. Nov. 1867, §.1, anerkannt. (S. Freizügigkeit.)
Mit zahlreichen auswärtigen Staaten ist durch
Staatsverträge für die Angehörigen dieser Staaten
im Reichsgebiet und für die Reichsangehörigen im
Gebiete dieser Staaten die Niederlassungsfreiheit
begründet worden; gewöhnlich finden sich Bestim-
mungen dieser Art in den Handels- und Schisfahrts-
uerträgen; ein besonderer Niederlassungsvertrag
ist zwWen dem Deutschen Reich und der Schweiz
27. April 1876 abgeschlossen worden, erneuert und
revidiert durch Staatsvertrag vom 31. Mai 1890.
Niederlausitz, s. Lausitz.
Mederlausitzer Eisenbahn, s. Halle-Sorau-
Gubener Eisenbahn. j^srieure.
Niederloire, franz. Departement, s. Loire-In-
Niederlothringen, s. Lothringen (Herzogtum).
Niedermarsberg, Stadt, s. Marsberg.
Niedernau, Dorf im Oberamt Nottenburg des
württemb. Schwarzwaldkreises, am Neckar und an
der Linie Stuttgart-Horb der Württemb. Staats-
dahnen, hatte 1890: 407, 1895: 403 E., darunter
19 Evangelische, Post, Telegraph, eine Badeanstalt
im Katzenbachthal mit vier Mineralquellen sowie die
Römer- und die Karlsquelle bei der Ruine der Stamm-
bura der Herren von Ehingen. Ascher Hauptkanal.
Nieder-Neuendorfer Graben, s. Havelländi
Niedernhall, Stadt im Oberamt Künzelsau des
württemb.Iagstkreises, links am Kocker, hatte 1890:
1372,1895: 1295 meist cvang. E., Post, Telegraph,
eine Salzquelle und Iacquardweberei.
Niederoderwitz, Dorf inderAmtshauptmann-
nahe bei Oberoderwitz (s.d.), hatte 1890: 2534,1895:
2513 E., darunter 29 Katholiken, Post, Telegraph,
bedeutende Lcinwandweberei und -Bleicherei.
Niederolm, Dorf im Kreis Mainz der Hess.
Provinz Rheinhessen, an der Eelz und der Linie
Mainz-Alzey der Hess. Ludwigsbahn, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Mainz), hatte 1890:
1800, 1895: 1763 E., darunter 90 Evangelische und
36 Israeliten, Post, Telegraph; Ziegeleien, Dünger-
fabrikation und Weinbau.
Niederösterreich, meist gebräuchlicher Name
fürdas ErzherzogtumO st erreich unt erd er Enns,
welches mit dem durch die Enns geschiedenen Ober-
osterreich ls. d.) die Wiege der Österreichisch-Ungari-
schen Monarchie, zu deren cisleithanischem Teile es
gehört, bildete. Es grenzt im N. an Böhmen und
Mähren, im O. an Ungarn, von diesem durch die
March und die Leitha geschieden, im S. an Steier-
mark und im W. an Oberösterreich und Böhmen, und
hat einen Flächeninhalt von 19825,08 hkm. (Hierzu
eine Karte: Nieder- und Oberöfterreich.)
Oberflächengcstllltung. Das Land wird durch die
Donau in zwei Teile geschieden, von denen der süd-
liche dem Alpen-, der nördliche, das sog. Wald-
uiertel, dem böhm.-mähr. Gebirgssystem angehört.
1) Das Alpen- und Voralpen land wird gebil-
det von den Gebirgsgruppcn der nördl. Kalkalpen:
Voralpe (1769 m>, Dürenstein (1877 m), Ötscher
(1892 m), Große Göller (1761 m), Raxalpe (2009 m)
und Schneeberg' (2075 m), sowie von der den
Centralalpen zugehörigen Gruppe des Wechsel
(1738 m) und den Voralpen, wornnter die Reis-
alpe (1398 ni) und der Unterberg (1341 m) als Kul-
minationspunkte hervorragen. Zwischen Schnee-
berg und der Raxalpe einer- und dem Wechsel
andererseits liegt der Semmering (s. d.). 2) Der
Wiener Wald, von den Voralpen durch die Thal-
senken der Triesting und Gölsen geschieden, kul-
miniert im Schöpft (893 m) und endet nordwestlich
von Wien im Kahlenberge (483 ni) und Leopolds-
berge (423 m) an der Donau. 3) An das Wecksel-
gebirge schließt sich die Bucklige Welt mit dem
Rosaliengebirge (744 m), der Kaiserwald, und weiter
das Leithage birg e (480 m), die Ostgrenze gegell
Ungarn. 4) In den Waldvierteln nördlich von
der Donau zieht von der südl. Terrasse des böhm.-
mähr. Zügellandes der Rücken des Greiner Waldes
nach SO. und sällt in mchrern Stufen (Paulstein
1060 in; Iauerling 959 m) bis zur Donau. Seine
Fortsetzung bildet der Weinsberger Wald (1039 m),
ferner der Gföhler Wald (Sandl 722 m). Östlich vom
Kampthal zieht das Mannhartsgebirge (536 m);
der östl. Ausläufer ist der Bisamberg (360 m),
gegenüber dem Leopoldsberge an der Donau.
Die Donau durchzieht in einer Länge von 255 km
von W. nach O. das Land und empfängt rechts die
Enns, Ybbs, Erlas, Pielach, Traisen, Wien, Schwe-
chat, Fischa, links die Isper, Krems, den Kamp, die
Schmida, Göllersau und die March mit der Thaya
und Zaya als bedeutendere Zuflüsse. Die südl. Thä-
ler sind wegen ihrer Naturreize bekannt und besucht.
Unter den nördl. Thälern gelten das Isper- und das
Kampthal als die schönsten. Die Ebenen liegen zu
beiden Seiten der Donau und zeigen verschiedenen
Charakter. Sie heißen: das Mbsfeld, das Tullner
Feld, das Wiener Becken, das Steinfeld zwischen
den Vorbergen des Wiener Waldes und dem Leitha-
gebirge,unddasMarchfeld(s.d.).DerfruchtbarsteTeil
tiegt in der Mitte des Landes, längs der Donau,
dann längs der March oberhalb des Marchfeldes.
Weniger zur Landwirtschaft geeignet ist der südl. und
nordwestl. Teil. Die unfruchtbarsten Strecken sind
außer den rauhen Alpengegenden die Neustädter
Heide, das Steinfeld, ein kleinerTeil des Marchfeldes
und die rauhern Striche des Waldviertels. Unter den
wenigen kleinen Alpcnseen sind der Erlafsee (835 m)
an der steiermärk. Grenze und der Lunzer See (617 m)
in der Nähe des Otschers bemerkenswert. Von den
zahlreichen Mineralquellen sind die von Baden (s. d.)
und von Deutsch-Altenburg sowie die Eisenquellen
von Pyrawarth, nordöstlich von Wien, zu nennen.
Das Klima ist gemäßigt und gesund.
Bevölkerung. N. hatte 1830: 1291858, 1840:
1377 607,1850: 1538047, 1857:1681697, 1869:
1954251, 1880: 2330621, 1890: 2661799
(1307913 männl., 1353886 weibl.) E., d. i. 134
(oder 66 ohne Stadt Wien) E. auf 1 ykin, dar-
unter 31363 Militärpersonen; auf Wien entfallen
1364548 E. Dem Religionsbekenntnis nach waren
2473357 Römisch-, 2225 Griechischkatholische, 1356
Altkatholische, 2654 Griechischorientalische, 42370
Evangelische, 7632 Reformierte, 589 Anglikaner,
128784 Israeliten und 2258 Konfessionslose. Die
Bewohner sind größtenteils Deutsche, nur an der
Grenze gegen Mähren und Ungarn wohnen Czechcn