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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niris - Nisam (ind. Staat)
Niris, auch Vachtegan genannt, abflußloser
Salzsee in der pers. Provinz Farsistan, 60 Icm östlich
vom Guschnagangebirge, 7-22 km breit, 120 km
lang. Während des Sommers wird das den Boden
des Sees inkrustierende feine Salz gesammelt. Un-
weit des Nordwestendes die Ruinen von Persepolis.
Nirwana (im Sanskrit Nirväna, im Pali ^id-
däua, im Prakrit Mwäna; "das Verwehen", "das
Verlöschen"),im Buddhismus und Dschainismus das
Endziel der Lehre des Buddha und des Dschina. N.
ist für den Buddhisten und Dschain zunächst das Er-
loschen der Lust, das Aufhören aller Leidenschaften,
dann das Aufhören jeder Existenz, das Ende der
Wiedergeburten, das absolute Nichts. In diesem
Sinne haben die Neligionsstifter das N. selbst ver-
standen. Von Buddha aber ist es sicher, daß er
eine scharfe Formulierung des Begriffes N. dem
Volke gegenüber vermieden hat und es jedem über-
ließ, sich das Leben nach dem Tode zu denken, wie er
wollte. So dachten sich andere das N. als das Ein-
gehen der Seele zur Nuhe, das Erlöschen aller
Wünsche und Begierden, Gleichgültigkeit gegen
Freude und Schmerz, Freisein von der Wiederge-
burt, und im nördl. Buddhismus stellte man sich
unter N. ein seliges Leben in einer im Osten ge-
legenen prachtvollen Buddhawelt vor. - Vgl. Max
Müller, über den buddhistischen Nihilismus (Kiel
1869; wieder abgedruckt in Rogers' "Luääl^Iio-
8ka'8 ?3.i'Ädi68" ,"Lond. 1870); Ohilders, ^ victio
n^- ok tks ?ä1i I^nZul^6 (ebd. 1875), Artikel
Xiddmikm; Oldenberg, Buddha (2. Aufl., Verl.
Niö, serb. Stadt, s.^Nisch. 11890).
Nisäa (altpers. Nicaya), eine Gegend im
nördl. Medien, die schon'im Avesta vorkommt; hier
wurde 521 v. Chr. der falsche Smerdis (s. d.) er-
schlagen. Das Land war im Altertum berühmt
durch seine Pferdezucht.
Nisam (Nizäm), Reich des, größter ind. Va-
sallenstaat im Dekan, der nach der Hauptstadt auch
Haidarabad genannt wird. Das Land grenzt im
N. an den Distrikt Khandesch der Präsidentschaft
Bombay, im NO. an die Centralprovinzen, im SO.
an Madras, im W. an Bombay und hat 214183,
mit Berar (s. d.), das seit 1853 unter engl. Verwal-
tung steht, 260071 hkm. (S. auch Nizäm.)
Bodengestaltuug. Das Gebiet ist ein (besonders
nach N. und W.) bergig-waldiges, teils welliges, teils
ebenes Hochland von durchschnittlich 380 m Höhe.
Die Gebirgszüge zweigen aus der Gawalgarhkette in
Verar von oen^Westghat ab: von Khandesch bis in
den EW. von Berar "die Sahdschadrikette, nach dem
Orte Adschanta auch Adschantakette, die sich nach
O. hin, in Verar, abdacht; bei Dschalna im NW.
die Dschalnakette, und als deren Fortsetzung im NO.
die Nirmalkette (alle nördlich vom Godawariflusse);
die Valaghatkette in der Mitte des Landes, mit Fort-
setzungen südwestlich und östlich von Haidarabad.
In der Nähe des Zusammenflusses der Pen-Ganga
mit dem Wardha sowie im Thale des letztern sind bis
zu12m mächtige, aber noch wenig ausgebeutete Lager
von Kohle vorhanden; ebendort finden sich Eisenerz
und Kalkstein. Vorzüglicher Kalkstein wird im SW.
bei Schahabad längs der Eisenbahn gebrochen. Die
von den Westghat kommenden Flüsse gehen fast alle
ostwärts zum Meerbusen von Bengalen; Haupt-
^ ströme sind Godawari (s. d.) im N. und O., Kistna
(s. d.) im S. Nur im NW. gehen einige Wasserläufc
zur Tapti. Die kleinern Flüsse sind nur während der
Regenzeit schiffbar; viele sind durch Iuerdämme mit
Schleusen für die künstliche Bewässerung (besonders
der Reisfelder) nutzbar gemacht. Der größte dieser
Stauseen ist der von Pakhal (mit 50 km Umfang,
bis 11 m tief). Das Klima ist trotz der Hitze gut; in
den Sandsteingegenden kommen Augenkrankheiten,
vor. (S. Karte: Ostindien I. Vorderindien.)
Bevölkerung und Erwerbszweige. Das Neich
zählt (1891) 11537040 (mit Verar 14434531) E.,
darunter 10315249 Hindu, 1138666 Mohamme-
daner als herrschende Klasse, da der N. Mohamme-
daner ist, 27845 Dschain, 20429 Christen, 4637
Sikh, 1058 Parßi und 29156 andere (darunter die
Angehörigen der unkultivierten Stämme, wie die
Gond). Unter den Mohammedanern sind etwa
6000 Araber. Die Hindu sind meist Ackerbauer, die
Mohammedaner meist Beamte oder Soldaten. Die
350000 Telinga bewohnen Häuser aus Lehm, Hüt-
ten aus Palmblättern oder Schuppen aus Bambus-
rohr und Flechtwcrk. - Die wichtigsten Städte sind:
die Haupt- und Residenzstadt Haidarabad, Gol-
konda, Sikandarabad, die Station der engl. "Hilfs-
truppenv, Aurangabad, die Festung Daulatabad
und das durch die nahen Felsentempel berühmte
Adschanta; endlich die ehemaligen Hauptstädte fUche-
rer Reiche: Warangal im O., Bidar und Gulbarga
im W. Das Land ist in 5 Divisionen eingeteilt.
Infolge des cngl. Einflusses wurde 1867 das Ver-
waltungswescn, unter Aufräumung mit den alten,
aus dem Mogulreiche stammenden Einrichtungen,
besonders im Stcuerfache, neu geordnet. Man ge-
winnt vorzügliche Baumwolle, besonders in der
Gegend von Idlabad, Indigo, Zuckerrohr, Reis
(8 Arten), Weizen, Mais, Mohrhirse, Fcnnichhirse
und krummähriges Kammgras, weiften Sesam,
Wunderbaum oder Ricinuspflanze, Schwertbohnen,
Mungobobncn und Kichererbsen, ferner Melonen,
Gurken, Bataten, Koriander, Ingwer, Gelbwurz
u. s. w. Der Mangobaum und Tamarinde findet sich
in großer Anzahl bei jedem Dorfe; man zieht Dattel-
palmen, Ananas, Palmyra-, Wein-, Toddy- oder
Fächerpalmen, die den eigentlichen Palmwein oder
tln-i, cngl. korrumpiert toäcl^, liefern. Mit Gold oder
Silber eingelegte Lurusmctallarbeiten kommen aus
der Stadt Bidar, feiner Goldbrokat aus Aurangabad,
Gulbarga und andern Städten, ausgezeichnetes Pa-
pier aus dem Weiler Kaghaspur (d. h. Papierstadt)
beiDaulatabad. Ausfuhrartikel sind besondersVaum-
wolle,Olsamen, Goldstickereien, gröbere Kleiderstoffe,
Häute und Metallarbeilcn; daneben Waldprodukte,
wie Gummi, Katechu, Farbstoffe und Teakholz. -
Die Eisenbahn Bombay-Madras geht durch den Süd-
westen des Gebietes über Gulbarga und Raitschur.
Bei Wadi zweigt sich die Staatseisenbahn des N.
ostwärts ab nach Haidarabad und Sikandarabad
sowie weiter nach Warangal.
Geschichte. Aus dem zerfallenden Vahmaniden-
reiche, das sich auf dem Gipfelpunkte feiner Macht
(um 1437) über den halben Dekan erstreckte, bildeten
sich fünf unabhängige Mohammed. Herrschaften, die
von dem Großmogul Aurangseb (s. d.) 1686 - 88
unterworfen wurden. Während der innern Wirren
des Mogulreichs machte sich der Statthalter des
Dekan, Tschin Chilitsch Chan, 1717-24 von Dehli
unabhängig; er starb 1748 als selbständiger Herr-
scher. Die seinem Tode folgenden Thronstreitigkeiten
benutzten die Engländer, um von dem mit ihrer
Unterstützung zur Herrschaft gelangten Ali die sog.
"Nördlichen Sarkars" (Herrschaften) in Besitz zu be-
kommen; 1766 wurde zu diesem Zwecke ein Vertrag