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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nossa Senhora da Victoria; Nossa Senhora do Desterro; Nößel; Nossen; Nossi Be; Nossi Burah; Nossi Variu; Nossowka; Nostalgie; Nostitz

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Nossa Senhora da Victoria – Nostitz (Adelsgeschlecht)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Nossairier'

Ansarijeh oder Nossairijeh führende und als die nördl. Fortsetzung des Libanons zu betrachtende Küstengebirge von der Mündung des Nahr Kadischa bei der Stadt Tripolis bis zu derjenigen des Orontes. Die Höhen von Latakia sind als ihr nationaler Mittelpunkt anzusehen. Im ganzen werden sie auf ungefähr 75000 Seelen geschätzt. Schon im 10. Jahrh. n.Chr. sind sie vorhanden, im übrigen ist die Geschichte ihres Ursprungs unklar. Als ihren hervorragendsten Lehrer nennen sie Abu Abdallâh al-Husain ibn Hamdân al-Chussaibi, von dem eine Anzahl religiöser Werke erhalten ist, deren Inhalt auf die Überlieferung des elften Imams der Schiiten, Hassan Askari (gest. 873), zurückgeführt wird und welche die Dogmatik, den Ritus und die Liturgie der N. umfassen. Daher nennen sich die N. auch richtiger Al-Chußaibijja, während ihnen die Benennung N. (Diminutiv von Naßrâni, d. i. Christ) mit Bezug auf die vielen christl. Elemente ihres Glaubens und ihrer Religionsübung ursprünglich von den Gegnern beigelegt wurde. Ihre Religion unterscheidet sich nicht nur von der der gemäßigten Schiiten, sondern auch von der anderer aus dem Schiitismus hervorgegangenen übertreibenden Sekten, z.B. der Drusen (s. d.) im Libanon. Mit denselben teilen sie den Glauben an einen Mahdi (s. d.) und an die Pflicht der Geheimhaltung ihrer Lehre, die verschiedenen Grade der Initiation u.s.w., mit den Schiiten im allgemeinen die Verehrung für Ali ibn Abî Tâlib, den sie jedoch als Verkörperung Gottes anbeten und figürlich den «Herrn der Bienen» nennen, der sich in den Naturerscheinungen (Sonne und Wolken) offenbart. Die Naturerscheinungen und die geistige Welt werden bei den N. in verschiedene Hierarchien eingeteilt. Unter ihren Riten nimmt die Weihung der Speise und des Weins, also eine Art Abendmahl, eine hervorragende Stellung ein. Unter den N. haben sich unter der Hülle der Heiligenverehrung und des Kultus heiliger Orte ihres Gebietes viele Elemente des alten Heidentums in umgebildeter Gestaltung erhalten. Von ihren Gegnern werden den N. zuweilen unzüchtige Mysterien zur Last gelegt, sowie überhaupt die Geheimthuerei dieser Sekte die Ursache der Unkenntnis ist, in welcher man sich lange Zeit hinsichtlich ihres Glaubens befand. Auf die Preisgebung der Religionslehren sind große Strafen gesetzt. Erst 1847 ist es Joseph Catafago, Dragoman des preuß. Generalkonsulats in Beirut, geglückt, sich handschriftliche Katechismen und Gebetsformulare der N. im arab. Original zu verschaffen, aus welchem im «Journal of American Oriental Society», 1848 («Notices sur les Ansâriens») und in der «Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" (Bd. 2 u. 3, Lpz.1848–49) die Grundlehren der Sekte bekannt gemacht werden konnten. 1865 ließ ein zum Protestantismus übergetretener N., Sulaimân Efendi aus Adana, in Beirut eine Beschreibung der Riten, Gebete u.s.w. seiner frühern Glaubensgenossen in arab. Sprache im Druck erscheinen, woraus im «Journal of American Oriental Society» (1866) Auszüge und im «Journal asiatique», 1879, weitere Beiträge erschienen sind.

Zu den N. werden auch die Kadamisseh gerechnet, welche östlich von ihnen gegen die Orontesniederung hin einige Thäler des Kadmusgebirges bewohnen und von diesen den Namen führen.

Nossa Senhora da Victoria (spr. ßenjō), Stadt in Brasilien, s. Espirito-Santo.

Nossa Senhora do Desterro (spr. ßenjō), Stadt in Brasilien, s. Desterro. ↔

Nößel, Flüssigkeitsmaß, die halbe Kanne (s. d.).

Nossen, Stadt in der Amtshauptmannschaft Meißen der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, links an der Freiberger Mulde, den Linien Leipzig-Döbeln-Dresden und N.-Bienenmühle (50,1 km) und der Nebenlinie Elsterwerda-N. (58,6 km) der Sächs. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Freiberg), hatte 1890: 4046 E., darunter 70 Katholiken, 1895: 4351 E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, ein Schloß mit Versorgungsanstalt für blödsinnige Kinder, Lehrerseminar; Maschinen-, Papier-, Pappen- und Kartonnagen- und Kidlederfabriken, Leimsiederei, Sämischgerberei, Wagen- und Mühlenbauanstalt, Bindfaden- und Hanfspinnerei, Schuh- und Holzpantoffelmacherei. Unweit das ehemalige Kloster Altenzelle (s. d.).

Nossi Bé oder Nossi Varīu, Eiland an der Nordwestküste Madagaskars, im Besitz der Franzosen, 65 qkm mit 7803 E., ist meist kahl, teils vulkanisch; die vielen erloschenen Krater sind jetzt mit Wasser ausgefüllt. Im Süden erhebt sich der Niorné Lukubé zu 600 m Höhe. Der sehr fruchtbare Boden liefert reiche Ernten an Reis, Zuckerrohr, Maniok, Bananen, Mais und Kaffee. N. hat eigene Verwaltung unter dem Gouverneur von Diego Suarez. Die Reede des Hauptdorfes Hellville ist gegen Nord- und Ostwinde geschützt.

Nossi Burah, Insel, s. Sainte Marie.

Nossi Variu, Insel, s. Nossi Bé.

Nossowka, Flecken im Kreis Njeshin des russ. Gouvernements Tschernigow, an der N. und an der Eisenbahn Kiew-Woronesch, hat (1885) 12119 E.; Branntweinbrennereien, Gerbereien, Zuckerfabrik und Viehhandel.

Nostălgie (grch.), Heimweh.

Nostitz, altes Adelsgeschlecht der Oberlausitz, das sich schon sehr früh nach Schlesien, Böhmen, Polen und weiter verbreitete. Die ordentliche Stammreihe der Familie beginnt in der Lausitz mit Kaspar von N., gest. 1484, dessen drei Söhne, Otto, Georg und Hartwig, die drei Linien zu Rothenburg, Gotta und Zschochau stifteten, die wiederum in mehrere Äste zerfielen.

A. Der böhmische gräfl. Zweig des Hauses N. stammt aus der von Hartwig von N. gestifteten Zschochauer Linie. Sein Urenkel Johann von N., gest. 1619 als Landeshauptmann des Fürstentums Wohlau, hinterließ zwei Söhne, Otto und Johann Hartwig, von denen ersterer Ahnherr der Linie zu Rokitnitz wurde, die 1631 den Freiherrenstand, 1675 den böhmischen und 1692 den Reichsgrafenstand erlangte und 16. Okt. 1890 mit dem Grafen Joseph von N. (geb. 5. Dez. 1821) erloschen ist.

Des letztgenannten Vatersbruder, Graf Joseph Dittmar von N., geb. 2. Mai 1794, gest. 15. Dez. 1871, hinterließ als Witwe Mathilde Pauline Gräfin von N., geborene Des Granges (gest. 12. Juli 1881); diese war in erster Ehe vermählt mit Joh. Wilh. Helfer, bekanntem Naturforscher und Reisenden (gest. 30. Jan. 1840 auf den Andamaneninseln), den sie nach dem Orient begleitete und dessen Reisen sie als «Joh. Wilh. Helfers Reisen in Vorderasien und Indien» (2 Bde., Lpz. 1873; Anhang dazu 1877) beschrieb.

Der Stifter der Linie Rieneck war des oben genannten Johannn von N. zweiter Sohn, Johann Hartwig von N., geb. 1610, gest. 1683 als Wirkl. Geheimrat und oberster Kanzler von Böhmen. Er erhielt als testamentarischer Erbe

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 455.