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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Eulysit; Olivingesteine; Olivotes; Oljgopolj; Ölkäfer; Ölkautschuk; Ölkreidestift; Ölkuchen; Olla potrīda; Öllampen

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Olivingesteine - Olla potrida

mel (Mg, Fe)<sub>2</sub> SiO<sub>4</sub>; vor dem Lötrohr ist er unschmelzbar; durch Salzsäure wird er unter Abscheidung von Kieselsäure zersetzt. Der O. bildet einen wesentlichen Gemengteil mehrerer Felsarten, wie namentlich der Basalte (auch der zugehörigen Laven) und Melaphyre, aus deren dichter dunkler Masse die Körnchen des Minerals manchmal deutlich hervortreten; auch findet er sich in gewissen Gabbros und Diabasen, als faustgroße Knollen in uralischen und nordamerik. Talkschiefern und norweg. Glimmerschiefern sowie in Meteoriten; das Pallas-Meteoreisen enthält Krystalle von O., welche die irdischen an Schönheit weit übertreffen, und der Meteorstein von Chassigny besteht fast gänzlich aus O. Ferner kommen Gesteine vor, die zum größten Teil aus O. bestehen (s. Olivingesteine). Das Mineral wandelt sich leicht um in Serpentin und in andere an Eisenocker reiche Substanzen; auch kann filzig-faserige Hornblende (Pilit) daraus hervorgehen. Eine sehr eisenreiche Abart des O. ist der braune Hyalosiderit von Sasbach am Kaiserstuhl, eine weitere der Chrysolith (s. d.). ^[Abb.]

Olivingesteine, Peridotite, Sammelname für Gesteine, in denen der Olivin (s. d.) die Hauptrolle spielt; es gehören dazu: 1) Dunit, bestehend fast lediglich aus Olivin, daneben nur etwas Chromit oder Picotit (Dun-Mount im südl. Neuseeland, Shiantsinseln in Schottland, Norwegen, Kentucky); 2) Pikrit, Olivin nebst monoklinem Augit, oft auch mit Hornblende, Biotit (Österreichisch-Schlesien, weitverbreitet im Fichtelgebirge und in Nassau, hier auch wegen seines Auftretens in paläozoischen Schichten Paläopikrit genannt); 3) Eulysit (s. d.); 4) Wehrlit, die Kombination von Olivin mit Diallag und Hornblende (Szarvaskö in Ungarn); 5) Schillerfels (Harzburgit), Olivin, größtenteils serpentinisiert, mit schillerndem, von Serpentinkörnchen mosaikartig durchspicktem Bastit, einem etwas umgewandelten Enstatit (Baste bei Harzburg, siebenbürg. Ostkarpaten); 6) Lherzolith (s. d.); 7) Amphibol-Olivingestein (Cortlandtit), ein Gemenge von Olivin mit Amphibol (Schriesheim im südl. Odenwald, Ehrsberg im Schwarzwald, Stony-Point am Hudson, Siloenkang in Westsumatra). Alle diese Gesteine sind teils eruptiv, teils bilden sie Glieder der krystallinischen Schieferreihe. Sämtlich besitzen sie große Neigung, sich in Serpentin umzuwandeln, und ein sehr großer, wenn nicht der größte Teil der Serpentine ist auf O. zurückzuführen.

Olivotes, s. Burgunderweine.

Oljgopolj, russ. Stadt, s. Olgopol.

Ölkäfer, s. Maiwurm.

Ölkautschuk, eine kautschukähnliche Masse, die dargestellt wird, indem lange gekochtes Leinöl mit Salpetersäure behandelt wird. Er ist in der Wärme elastisch und erhärtet beim Erkalten.

Ölkreidestift, s. Bleistift.

Ölkuchen, die Rückstände bei der Gewinnung der fetten Öle durch Pressen aus den ölhaltigen Samen und Früchten (s. Ölpressung) oder durch Ausziehen mit Schwefelkohlenstoff oder Äther. Die in beiden Fällen hinterbleibenden Rückstände, die Ö., dienen als Viehfutter; sie enthalten neben 8‒14 Proz. Öl als Nährstoff noch 30‒40 Proz. Proteïn und 20‒30 Proz. Kohlehydrate. Benutzt werden namentlich: Baumwollsamenkuchen (s. d.), Erdnußkuchen (s. d.), Candlenußkuchen (Bankulnußkuchen), Kokosnußkuchen (s. d.), Leinkuchen (s. d.), Mohnkuchen, Palmkernkuchen (s. d.), Rapskuchen (s. d.), Sesamkuchen (s. d.), Sonnenblumenkuchen (s. d.), Hanfkuchen. Bucheckernkuchen (s. Bucheckern) wirken oft nicht günstig für den Gesundheitszustand der Tiere, Ricinussamenkuchen sind giftig, und damit verfälschte andere Ö. haben schon schwere Erkrankungen hervorgerufen. Vor der Verfütterung müssen die Ö. gemahlen oder in Wasser aufgeweicht werden. Die extrahierten Ölsamen werden meist direkt als Mehl in den Handel gebracht, auch die andern Ö. gemahlen, um darin enthaltene, schädlich wirkende Stoffe (Haare von den Preßtüchern, Eisenteile, Nägel u. dgl.), welche besonders bei ausländischen Ö. vorkommen, entfernen zu können.

Öllampen, die mit fetten Ölen (Rüböl, Baumöl, Kokosnußöl, Thran, Walratöl) gespeisten Lampen (s. d.). Die Ö. sind älter als die Kerzen. Aus Andeutungen, die sich in den biblischen Überlieferungen finden, geht hervor, daß dem jüd. Volke der Gebrauch von Ö. bekannt war, doch bestanden selbst bei den Griechen und Römern die Ö. nur in einem mit Öl gefüllten Gefäß, in das ein Docht aus Hanf oder Flachs eingelegt war. Diese Lampen, bei denen infolge der mangelhaften Verbrennung ein von üblem Geruch begleitetes Rauchen und Rußen nicht zu vermeiden war, blieben bis ins Mittelalter hinein das allgemeine Beleuchtungsmittel. Um 1550 konstruierte Hieronymus Cardanus eine Öllampe mit seitlichem Ölbehälter, ähnlich der noch jetzt hier und da gebräuchlichen Sturz- oder Flaschenlampe; dabei wandte er zum erstenmal das für Ö. notwendige Princip an, daß das Öl nahe dem Dochtende erhalten bleiben muß, wenn ein selbstthätiges ruhiges Brennen erzielt werden soll. In die zweite Hälfte des 18. Jahrh. fällt die dem Franzosen Léger zugeschriebene Erfindung der Flachdochte, wodurch eine Flamme mit größerer Oberfläche erzielt wurde, namentlich aber durch die Erfindung Argands (s. Argandsche Lampen). Quinqué verstärkte die Luftzuführung zur Außenseite der Flamme durch Aufsetzen eines Glascylinders, wodurch er zugleich ein Flackern des Lichts verhinderte. Von Carcel wurde 1800 die Uhr- oder Pumplampe konstruiert, bei der ein Uhrwerk die Bewegung einer kleinen Pumpe bewirkt, wodurch das Öl aus dem Behälter im Fuß der Lampe gehoben wird und so ein stetiges Überfließen desselben aus der Brenneröffnung stattfindet. Als wesentlicher Fortschritt galt die 1809 erfundene Astrallampe mit kranzförmigem Ölbehälter, die unter dem Namen Sinumbralampe dadurch verbessert wurde, daß der keilförmige Querschnitt des Ölbehälters den Schatten desselben fast vollständig beseitigte. Eine wichtige Vervollkommnung war die 1836 bekannt gewordene Moderateurlampe von Franchot, bei der das Öl durch eine Schraubenfeder, die einen Kolben auf die Ölschicht drückt, zum Brenner emporgehoben wird, wobei ein im Steigrohr befindlicher Stift die Öffnung desselben verengt, je nachdem der Federdruck stärker oder schwächer ist, und so als Regulator (modérateur) wirkt. Diese Lampe ist bis über die Mitte des 19. Jahrh. verbreitet gewesen. Von den Ö. sind nur noch die Küchen- und die Grubenlampe in häufigerer Anwendung, während man sich sonst der Petroleumlampen (s. d.) bedient.

Olla potrīda (podrida, span., spr. ollja, d. i. fauliger Topf), ein span. Nationalgericht, das aus einem Gemisch von verschiedenen Fleisch- und Ge- ^[folgende Seite]