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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Organisches Nervensystem - Orgel
Organisches Nervensystem, s. Ganglien.
Organische Verbindungen, die chem. Ver-
bindungen des Kohlenstoffs (s. d.). Ihre unge-
heure Zahl wird bedingt durch die Eigenschaft der
vierwertigen Kohlenstoffatome, sich unter Aufwand
nur einiger Valenzen derselben zu Kohlenstoffketten
(s. d.) von geringer bis sehr großer Atomzahl zu
vereinigen und in dieser Form die Kohlenstoffkerne
(s. d.) zur Anlagerung der mannigfaltigsten ander-
weiten Elementaratome an die zur Verkettung nicht
beanspruchten Valenzen zu bilden. (S. auch Kohlen-
Organismus, s. Organ. ^toffbindung.)
Organist, Orgelspieler.
Organisten^up1wnina6),Unterfamiliedersüd-
amerik. Tanagras (s. d.), von geringer Größe, mit
dickem Kopf und derbem Schnabel. Die Männchen
sind unten gelb, oben schön stahlblau oder grün,
die Weibchen meist mattgrün. Sie leben von Früch- ^
ten und haben eine laute klangvolle Stimme.
Organistrum, Musikinstrument, s. Drehleier.
Organographie (grch.), s. Morphologie.
Organolögie (grch.), soviel wie Morphologie.
Organometalle, s. Metallorganische Verbin-
dungen.
Örganopäthie (grch.), Organerkrankung.
Organotherapie (grch.), die Behandlung von
Krankheiten durch innerlichen Gebrauch von bestimm-
ten Organen, z. B. Schilddrüse, Thymus u. s. w.,
eine der neuesten Zeit angehörende Errungenschaft
der wissenschaftlichen Heilkunst.
Organozoen (grch.), die innerhalb der Organe
lebenden tierischen Parasiten (Muskeltrichinen, Fin-
Organsinfeide, s. Seide. >nen u. a.).
Organum (grch. 01^11011), in der Musik ein
Instrument schlechthin, insbesondere aber die spätere
Orgel; dann auch die erste und unentwickeltste Art,
in der im Mittelalter (11. und 12. Jahrh.) die Mehr-
stimmigkeit auftrat, nämlich in der Form von durch-
geführter Parallelbewegung beider Stimmen, bei
der eine Bewegung in Quintenparallelen befonders
auffällig erscheint.
Orgäsmustgrch.),Wallung,Aufwallung,starker
Blut- und Säfteandrang; strotzende Fülle, heftiger
Trieb; orgästisch, strotzend, heftig wallend.
Orgeade (frz., spr. orschahoe) oder Oi-Z^t
(spr. orschab), eigentlich Graupenschleim, eine mit
Orangenblütenwasser gewürzte Mandelmilch.
Orgel (grch. 01^3.11011, "Werkzeug"; lat.oi'AHiium;
ital. olMno; frz. 01 ^U6; engl. or^an), das größte
musikalische Instrument. Durch die Kraft, Fülle
und Tiefe ibres Tons ist die O. besonders zur Er-
höhung der Feier des Gottesdienstes geeignet, dient
aber auch als Konzertinstrument in Kirchen und Kon-
zertsälen. Die O. hat für jeden Ton eine Menge ver-
schiedener Klänge, die sich durch Stärke und Klang-
farbe voneinander unterscheiden. Jede O. besteht
aus fünf Teilen: 1) den Blasebälgen, die die Luft
von außen einsangen und verdichten; 2) den Wind-
kanälen, die in die Bälge münden und die im Balg
verdichtete Luft zu der Windlade führen; 3) dem
Windkasten und der Windlade; der Windkasten
nimmt die aus dem Kanal strömende komprimierte
Luft auf; über dem Windkasten liegt die Lade; sie
ist, da die O. 54 Tasten auf der Manualklaviatur
hat, in 54 Einschnitte geteilt. Oben auf dem Ein-
schnitt (jeder ist für einen bestimmten Ton) befindet
sich der Pfeifenstock, auf dem die Pfeifen stehen.
Die Offnungen zu dem Pfeifenstock werden durch
die Registerzüge auf- und abgesperrt (s. Windlade);
4) der Mechanik (Tastatur, Registerzüge und Traktur).
Durch das Niederdrücken der Tasten am Manual
oder Pedal bewirkt der Spieler, daß die im Wind-
kasten befindliche Luft in die Lade einströmt und
jeder Ton einer Orgelstimme, sobald der betreffende
Registerzug vom Spieler gezogen ist, erklingen muß;
der Spieler kann ferner durch die Registratur eine
willkürliche Absonderung ganzer Reihen homogener
Pfeifen vornehmen. Die Anzahl folcher Register-
züge richtet sich nach der Größe der O.; 5) dem
Pfeifwerk. Dieses nimmt, sobald die Ventile zu den
Öffnungen des Pfeifenstocks vermittelst oes Negister-
zugs geöffnet sind, die aus der Windlade strömende
Luftmenge auf und giebt, je nach der Größe und
Befchaffenheit der Pfeifen, verschiedene Klänge.
Das gesamte Pfeifwerk zerfällt in Labial- oder Lip-
penpfeifen und Zungenpfeifen. Bei den Labial-
pfeifen ist der sich an der scharfen Kante der Lippen
(Labien) brechende Luftstrom allein der schwingende
und Schwingungen erregende Körper. Die Pfeife ist
der Raum, in dem der Ton sich bildet (s. auch Pfeife).
Labialstimmen find: Prinzipal, Oktav, Gedackt,
Salicional, Flöte, Violoncello, Gambe, Gemshorn.
Mixtur, Quinte, Nasard, Cimbel, Kornett. Die
Labialpfcifen zerfallen wieder in offene und gedeckte.
Letztere entstehen, wenn die obere Öffnung des Pfei-
fentörpers mit einem Deckel versehen wird und
heißen gedackt (s. d.). Zungenstimmen sind: Aoline,
Vox Kumana, Vox HiiFklioH, Posaune, Klarinette,
Accordion, Konzertino; auch Mixtur und Cymbel
kommen als Zungenstimmen vor; zum Unterschiede
von den Labialstunmen nennt man sie auch Rohr-
werke. Jede Orgelstimme hat den Tonumfang der
Klaviatur, also 4^ Oktave als Manual-, 2^ Ok-
tave als Pedalstimme. Der tiefste Ton der O. (Sub-
kontra 0) wird durch eine Pfeife, deren Korpus
32 Fuß Länge hat, erzeugt.
Ein Instrument, welches die genannten fünf Teile
nicht enthält, ist keine O. Der zur Zeit des Präto-
rius allgemeine und noch jetzt gebrauchte Ausdruck:
Ganze, Halbe und Viertel-Orgel ist daher ungenau.
Die Größe der O. ist nur in Stimmenzahl und Ma-
nuale verschieden; die größten O. besitzen bis zu
100 Stimmen, vier Manuale und zwei Pedale.
Die Größe einer O. bestimmt sich nach der Zahl
der Sitzplätze her Kirche, wie folgt:
Sitzplätze
Orgelregister
Sitzplätze
Orgelregister
200 200-300 300-500 500-800
5- 6 8-10 10-12 12-16
800-1000 1000-1500 1500-2000 2000-2500
16-20 20-36 36-42
42-48
Man kann die Kosten kleiner Werke mit 360 M.,
größerer mit 450-600 M. pro Stimme in Rech-
nung setzen. (S. auch Orgelspiel.)
Den Ursprung der O. hat man in den Vlasinstru-
menten, besonders in der Pansflöte (s. d.), zu suchen.
Doch kann als Vorläufer der O. auch die Sackpfeife
betrachtet werden, die schon im Altertum bekannt
war. Den ledernen Schlauch der Sackpfeife ver-
wandelte man später in einen Kasten und setzte auf
diesen mehrere Pfeifen in oben auf dem Kasten an-
gebrachte Löcher. Nnter diesen befestigte man kleine
Schieber, die den Eingang zu den Pfeifen verschlossen
oder öffneten. Wasserleitungen und Pumpen, Blase-
bälge jeder Art wurden angewendet, um Wind
hervorzubringen. Zuletzt blieb man bei den Blase-