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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Oribatidae – Orientalisches Seminar

Oribatĭdae, Familie der Milben (s. d.) mit sehr harter, hornartiger Haut (Hornmilben). Die etwa 70 Arten, die sich auf 12 Gattungen verteilen und von denen einige 30 auch in Deutschland vorkommen, nähren sich von Pflanzenstoffen und finden sich unter Moos, Steinen u. dgl. Sie bewegen sich sehr langsam und gebären lebendige Junge.

Orichalcum (lat.-grch.), Messing.

Orient (lat.), Morgen, im Gegensatze zu Occident (s. d.) die Himmelsgegend, wo die Sonne scheinbar aufgeht. Mit O. oder Morgenland bezeichnete man früher im allgemeinen die östlich von Italien gelegenen Länder. Jetzt versteht man darunter gewöhnlich Asien und den nordöstl. Teil Afrikas. Orientalische Christen sind die Anhänger der Griechischen (Orientalischen) Kirche. In der Freimaurerei bezeichnet O. die versammelte Loge, als von der das Licht ausgeht, und den nach Osten gerichteten Sitz des Meisters vom Stuhl.

Oriental, ein fünfbindiger Baumwollatlas, in der Art des Englischen Leders (s. d.) gewebt.

Orientalische Eisenbahnen, Betriebsgesellschaft der O. E. (Compagnie d’exploitation des chemins de fer orientaux), mit der Centralverwaltung in Wien und der Betriebsdirektion in Konstantinopel, besitzt die Genehmigung zum Betriebe folgender auf der Balkanhalbinsel liegenden Bahnen:

  • 1) Konstantinopel-Adrianopel (318 km),
  • 2) Adrianopel-Belova-Bulgar. Grenze (243 km),
  • 3) Saloniki-Üsküp-Serb. Grenze (328 km),
  • 4) Üsküp-Mitrovica (120 km),
  • 5) Dedeaghatsch-Demotika-Kuleli-Burgas (113 km),
  • 6) Tirnova-Jamboli (105 km),
  • 7) Saloniki-Monastir (219 km),
  • 8) Saloniki-Dedeaghatsch mit Zweigbahnen (508 km), zusammen 1954 km.

Die Linie 2 liegt bis auf eine kurze Strecke in Ostrumelien, Linie 6 ganz. Die Bahnen unter 1 und 2 bilden mit den bulgar. und serb. nordwestlichen Fortsetzungen eine direkte Verbindung zwischen Konstantinopel, Budapest und Wien. Ein großer Teil der Aktien der Betriebsgesellschaft der O. E. befindet sich im Besitze der 1890 gegründeten Bank für O. E. in Zürich. (S. Orientbahnen.)

Orientalische Frage, der Komplex von polit. Fragen, die während des Niederganges des türk. Reichs vom 18. Jahrh. an dessen Verhältnisse zu den Nachbarn in Europa, Asien und Afrika und zu seinen christl. Unterthanen oder Vasallen betreffen. Über die aus der O. F. hervorgegangenen kriegerischen Verwicklungen s. Osmanisches Reich, Geschichte, und die Artikel: Russisch-Türkischer Krieg von 1828 und 1829, Orientkrieg, Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878. Die Hauptrivalen um den Einfluß auf der Balkanhalbinsel sind gegenwärtig Rußland und Österreich; bei der größern Selbständigkeit der einzelnen Länder ist aber der früher sehr große russ. Einfluß bedeutend gesunken. Außerhalb der Balkanhalbinsel treten zur O. F. auch die Stellung des türk. Vasallenstaates Ägypten unter der engl. Occupation, die armenische Frage an der russ.-türk. Grenze in Asien und endlich in weiter Ferne die Verhältnisse zwischen Rußland und England in Afghanistan und im Pamir.

Orientalische Knoppern, s. Ackerdoppen.

Orientalische Litteratur und Sprachen, gemeinsame Bezeichnung für die Sprachen und Litteraturen aller Völker Asiens, des mohammed. Europas und Afrikas. Schon um die Mitte des 13. Jahrh. befahl Papst Innocenz IV., in Paris Lehrstühle für das Arabische zu errichten, für die sich auch ↔ Clemens IV. und Honorius IV. interessierten. Unter Clemens V. wurde 1311 auf der Synode zu Vienne beschlossen, daß zu Rom, Paris, Oxford, Bologna und Salamanca Lehrer des Arabischen und Chaldäischen, in das man damals auch das Rabbinische einbezog, angestellt würden. Namentlich schärfte auch Johann XXII. dem Bischof von Paris ein, daß er bei der Sorbonne auf die Erlernung dieser Sprachen sehe. Der zweite Beweggrund zur Beschäftigung mit der orient. Litteratur war wissenschaftlicher Eifer, welcher die mediz., astron. und philos. Schriften der Araber und die in arab. Übersetzungen erhaltenen Werke des Aristoteles dem Abendlande zugänglich machen wollte. Schon in der letzten Hälfte des 12. Jahrh. erschienen lat. Übersetzungen, namentlich aus dem Arabischen, die sich im Mittelalter sehr mehrten und seit dem 15. Jahrh. auch im Druck erschienen. Die Reformation belebte das Studium der orient. Sprachen durch die Anwendung desselben auf die biblische Exegese. Bei den Katholiken kam auch noch die Sorge für ihre morgenländ. Missionen hinzu. Papst Urban VIII. stiftete 1627 für die kath. Missionen zu Rom das Collegium pro fide propaganda, in welchem die morgenländ. Sprachen gelehrt wurden. Die Jesuitenmissionare in China und Japan machten Europa auch mit den östl. Sprachen Asiens und ihrer Litteratur bekannt. Eine mehr wissenschaftliche Richtung erhielt das orient. Sprachstudium seit der Mitte des 18. Jahrh. Der Engländer William Jones in Ostindien machte 1780–90 auf den Reichtum der ind. Litteratur aufmerksam und stiftete zu Kalkutta 1784 die Asiatische Gesellschaft. In Paris veranlaßte seit 1790 besonders Silvestre de Sacy eine umfassendere Benutzung der arab. Schriftsteller. Während bis dahin die orient. Studien den übrigen Wissenschaften gegenüber nur eine untergeordnete Stellung eingenommen hatten, erhoben sie sich gegen Ende des 18. Jahrh. zu einem ganz eigenen selbständigen Gebiet, schufen sich in den verschiedenen Asiatischen Gesellschaften (s. d.) einflußreiche Organe und sind seit einigen Jahrzehnten als ein Moment in den modernen Bildungsgang eingetreten. In Deutschland besteht seit 1845 die Deutsche Morgenländische Gesellschaft mit dem Sitz in Halle und Leipzig. In Berlin wurde 1887 von der Regierung das Seminar für orientalische Sprachen (s. d.) begründet, wie solche schon früher in Wien (Orientalische Akademie), Paris (École spéciale des langues orientales vivantes) und Petersburg (in Verbindung mit der Universität) bestanden. (Über die verschiedenen Zweige der orient. Litteratur s. die Einzelartikel.) Zur Förderung der orient. Studien dienen auch die internationalen Orientalistenkongresse, deren zehnter 1894 in Genf stattfand. – Vgl. Zenker, Bibliotheca orientalis (2 Bde., Lpz. 1846–61); Benfey, Geschichte der Sprachwissenschaft und orient. Philologie in Deutschland seit Anfang des 19. Jahrh. (Münch. 1869); Friederici, Bibliotheca orientalis (1. bis 8. Jahrg., ebd. 1877–84); und für die neuesten Erscheinungen Trübners Oriental Literary Record (seit 1865) sowie die von A. Müller begründete, seit 1892 von E. Kühn weiter geführte «Orientalische Bibliographie» (Berlin, seit 1887).

Orientalische Pest, s. Pest.

Orientalisches Kaisertum, soviel wie Byzantinisches Reich (s. d.).

Orientalisches Seminar, das Seminar für orientalische Sprachen (s. d.).