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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Otto

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Otto III. (Markgraf von Brandenburg) - Otto (Graf von Paris)

Geistlichkeit nachgiebiger Fürst, der seine Eigengüter in der Mark vom Erzstift Magdeburg zu Lehn nahm, allerdings unter der Bedingung, daß sie bei dem Aussterben des brandenb. Mannsstammes auf dessen weibliche Nachkommenschaft übergehen sollten. Erst 1244 hörte diese Lehnshoheit ans.

Otto III., Markgraf von Brandenburg (1220-67), jüngerer Sohn Albrechts II., regierte gemeinsam mit seinem ältern Bruder Johann I. von 1220 bis 1258 und wurde durch die Teilung 1258 der Stifter der jüngern brandenb.-askanischen Linie zu Salzwedel. Später nahm er an dem Kampfe seines Schwagers Ottokar von Böhmen gegen König Bela IV. von Ungarn teil und 1260 kämpfte er in der Schlacht an der March mit. Den Herzog Waldemar von Schleswig unterstützte er gegen König Christoph von Dänemark. O. starb 9. Okt. 1267. - Vgl. A. Bauch, Die Markgrafen Johann I. und O. III. von Brandenburg in ihren Beziehungen zum Reich (Bresl. 1886).

Otto IV. mit dem Pfeil, Markgraf von Brandenburg (1281-1309), zweiter Sohn Johanns I. von der Stendaler Linie, eine der ritterlichsten Erscheinungen seiner Zeit, kämpfte 1266 auf der Seite Ottokars von Böhmen. Der Versuch, seinen Bruder Erich gegen den Willen des Domkapitels zum Erzbischof von Magdeburg zu erheben, gelang erst 1283, nachdem O. trotz persönlicher Tapferkeit im Felde schwere Niederlagen erlitten hatte und vorübergehend in Gefangenschaft geraten war. Mit Brandenburg-Salzwedel haderte er wegen der Kur und auch sonst war seine Regierung mit Fehden angefüllt (gegen Polen, Braunschweig, die Bischöfe von Brandenburg und Havelberg), aber sein Ansehen im Reiche war bedeutend, und König Adolf ernannte ihn 1295 zum obersten Friedensrichter in Sachsen. Später war O. bei Adolfs Absetzung beteiligt, schloß sich aber dem Feldzuge gegen ihn nicht an. Er starb 27. Nov. 1309. Bekannt ist O. auch durch Minnelieder.

Otto, Markgraf von Brandenburg (1351-73), jüngster, 1341 geborener Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern, erhielt 1351 von seinem Bruder Ludwig dem Ältern als Abfindung auf Bayern zusammen mit dem mittlern Bruder, Ludwig dem Römer, die Mark Brandenburg, die unter ihrer kraftlosen Regierung vollkommen zerrüttet ward. 1363 schlossen die Brüder einen Erbvertrag mit Kaiser Karl IV., dessen Tochter O. 1366 heiratete. Als Ludwig der Römer 1366 starb, übernahm O. allein die Regierung. Als er später Brandenburg doch seinem Bruder Stephan von Bayern zuwenden wollte, zwang ihn Karl IV., ihm im Vertrage zu Fürstenwalde 1373 die Mark für 500000 Goldgulden abzutreten. O. wurde vertrieben und starb 1379 in Bayern. - Vgl. Scholz, Erwerbung der Mark Brandenburg durch Karl IV. (Bresl. 1874); Theuner, Der Übergang der Mark Brandenburg vom Wittelsbacher an das Luxemburger Haus (Dissertation, Berl. 1887).

Otto das Kind, erster Herzog von Braunschweig, geb. 1204, Enkel Heinrichs des Löwen, fiel mit seinem Oheim, König Waldemar von Dänemark, 1226 in Holstein ein, wurde aber in der Schlacht bei Bornhövede 1227 gefangen. (Über den Streit um sein Erbe s. Braunschweig, Bd. 3, S. 464 a.) 1235 übertrug er seinen gesamten Besitz dem Kaiser Friedrich II. und empfing ihn als ein zum Herzogtum Braunschweig erhobenes Reichslehn wieder. O. starb 9. Juni 1252 und ist der Ahnherr aller spätern Linien des welfischen Hauses. - Vgl. Michels, Leben O.s des Kindes (Einbeck 1891).

Otto I., Friedrich Ludwig, König von Griechenland (1832-62), geb. 1. Juni 1815 zu Salzburg als der zweite Sohn König Ludwigs I. von Bayern, wurde infolge des Londoner Konferenzbeschlusses vom 7. Mai 1832 am 8. Aug. von der griech. Nationalversammlung zum König von Griechenland erwählt. Am 5. Okt. nahm er die königl. Würde an und langte 6. Febr. 1833 in Griechenland an. Bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres wurde ihm eine Regentschaft beigeordnet; 1. Juni 1835 übernahm er selbst die Regierung. Am 22. Nov. 1836 vermählte er sich mit der Prinzessin Amalie (s. d.) von Oldenburg. Trotz des besten Willens vermochte O. weder die Unordnung im Innern und die anhaltende Finanznot zu beseitigen, noch gegen die Eingriffe und die Umtriebe der Schutzmächte England, Frankreich und Rußland mit Erfolg anzukämpfen. Die Annahme der aus der Revolution von 1843 hervorgegangenen konstitutionellen Verfassung, die O. 30. März 1844 beschwor, genügte nicht, dem Übel zu steuern. 1854 suchte er im russ. Interesse in den Orientkrieg einzugreifen; doch zwang ihn eine engl.-franz. Flotte zur Neutralität. Das klägliche Mißlingen dieses Versuchs, die noch unter türk. Herrschaft befindlichen Griechen zu befreien und für Griechenland zu gewinnen, raubte ihm seine Popularität. Dazu kam, daß der Gegensatz zwischen dem König und den Parteiführern der Opposition von Tag zu Tag schärfer wurde, weil O. den liberalen Ansprüchen nicht willfahren wollte. So kam es im Okt. 1862 zur Revolution, durch die O. gestürzt wurde. (S. Griechenland, Bd. 8, S. 336 fg.) Das Königspaar kehrte nach Deutschland zurück und lebte von da an in Bamberg. Obschon kinderlos, verstand sich O. doch nicht zu einer förmlichen Abdankung. Er starb 26. Juli 1867 zu Bamberg.

Otto der Reiche, Markgraf zu Meißen (1156-90), aus dem Hause Wettin (s. d.), geb. 1125 als ältester Sohn des Markgrafen Konrad (s. d.) des Großen. Er stiftete 1162 das Kloster Altenzelle. Der Ausbeute des unter ihm beginnenden Bergbaues (s. Freiberg), mit dessen Regal ihn der Kaiser belehnte, verdankte er den Beinamen des Reichen. O. brachte durch Kauf Weißenfels und andere Güter in Thüringen an sich, geriet darüber in eine Fehde mit dem Landgrafen Ludwig III., wurde 1182 gefangen genommen und auf die Wartburg gebracht, 1183 aber durch kaiserl. Vermittelung wieder in Freiheit gesetzt, worauf er die erkauften Schlösser gegen Erstattung des Preises zurückgab. Durch seine Gemahlin Hedwig, eine Tochter Albrechts des Bären von Brandenburg, ließ er sich bewegen, die Erbfolge dahin abzuändern, daß die Mark der jüngere seiner Söhne, Dietrich, erhalten, der ältere, Albrecht, mit Weißenfels abgefunden werden sollte. Albrecht empörte sich deshalb gegen den Vater, nahm ihn 1188 gefangen und ließ ihn auf dem Schlosse Döben bei Grimma verwahren, bis er ihn auf Befehl Kaiser Friedrichs I. in Freiheit setzen mußte. O. warb hierauf böhm. Völker gegen den Sohn, und von neuem kam es zwischen beiden zum Kampfe, bis König Heinrich VI. Vater und Sohn auf einem Hoftage zu Würzburg 10. Aug. 1189 versöhnte. Bald darauf starb O. 18. Febr. 1190 und wurde in der Familiengruft zu Altenzelle begraben. Ihm folgte Albrecht der Stolze in Meißen, Dietrich der Bedrängte erhielt Weißenfels.

Otto, Graf von Paris und Herzog von Francien, s. Odo.