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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Page (Marie Anne Le) - Pahlen

zeitig den Pagendienst am Hofe versahen, was in einzelnen Ländern noch jetzt der Fall ist, werden in der Neuzeit an einigen Höfen die ältern Zöglinge der Kadettenhäuser als P. verwendet, so am preuß. Hofe die der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde.

Page, Le (spr. lĕpahsch), Marie Anne, franz. Dichterin, s. Duboccage.

Pagenkorps, s. Kadettenkorps.

Pagenschulen, s. Page.

Pagenst., hinter Tierbenennungen Abkürzung für Heinr. Alexander Pagenstecher (s. d.).

Pagenstecher, Alexander, Augenarzt, geb. 21. April 1828 zu Idstein, studierte Medizin in Gießen, Heidelberg und Würzburg und bildete sich dann noch in Paris, London und Berlin (unter von Graefe) zum Augenarzt aus. Hierauf ließ er sich in Wiesbaden nieder, wo er 1857 eine Augenheilanstalt gründete. Im Verein mit Arnold und Sämisch gab er die «Klinischen Beobachtungen aus der Augenheilanstalt zu Wiesbaden» (Wiesb. 1861–67) heraus. Er starb 31. Dez. 1879.

Pagenstecher, Heinr. Alexander, Zoolog, geb. 18. März 1825 zu Elberfeld, studierte Medizin in Göttingen, Heidelberg und Berlin und praktizierte zuerst in Obersalzbrunn und Barmen, habilitierte sich 1856 in Heidelberg zunächst für Geburtshilfe, widmete sich aber bald der Zoologie und wurde 1863 außerord., 1865 ord. Professor in diesem Fache an der Heidelberger Universität und Direktor des dortigen Zoologischen Museums. 1870 nahm er als Arzt am Feldzug gegen Frankreich teil, legte 1878 seine Professur nieder und folgte 1882 einem Ruf als Direktor des Naturhistorischen Museums zu Hamburg. Er starb 4. Jan. 1889. Seine Verdienste als Zoolog beruhen besonders auf Untersuchungen der Milben und Eingeweidewürmer. P.s Hauptwerk ist seine «Allgemeine Zoologie» (4 Bde., Berl. 1875–81; 2. Ausg. 1884).

Paget (spr. päddschĕt), Henry William, Marquis von Anglesey (s. d.).

Pagĭna (lat.), Seite (eines Buches); pagina mea, bei Citaten: auf der so und so vielten Seite meiner, d. h. der mir vorliegenden Ausgabe; paginieren, die Seiten eines Buches der Reihenfolge nach mit Ziffern versehen; P. honōrum, am Piedestal der Statuen von Triumphatoren angebrachte Platte mit Angabe der Titel, Würden und Thaten des Gefeierten.

Paginiermaschine, soviel wie Numeriermaschine (s. d.).

Pägnĭon (grch. paignion), kleines Gedicht scherzhaften, tändelnden Inhalts, wie die fälschlich dem Homer zugeschriebenen poet. Kleinigkeiten, die den Homerischen Hymnen angehängt zu werden pflegen.

Pago, eine Insel im Quarnero, zur österr. Bezirkshauptmannschaft Zara in Dalmatien gehörig, vom kroat. Festlande durch den Canale della Morlacca geschieden, ist 275 qkm groß und bildet einen eigenen Gerichtsbezirk mit (1890) 6203 meist kroat. E. Der Hauptort P. in einer tiefen Bucht (Vallone di P.), welche durch ein schmales Seethor (Bocca di P.) erreicht wird, ist Sitz eines Bezirksgerichts und hat (1890) 3554 E.

Pagōde, in Europa gebräuchliche, wahrscheinlich aus dem sanskrit. Bhagavatī, in dravidischen Dialekten Pogŏdi, einem häufigen Namen der Durgā (s. d.), entstandene Benennung der freistehenden Tempel in Indien und China im Gegensatz zu den Grottentempeln. Die P. gehören insgesamt den jüngsten Epochen der ind. Architektur (s. Indische Kunst und Tafel: Chinesische Kunst Ⅲ, Fig. 1) an. Sie stehen auf freien, mit Obelisken, Säulen u. s. w. geschmückten Plätzen und zeigen in Bezug auf Material u. s. w. die größte Verschiedenheit. Sie haben gewöhnlich die Gestalt eines Kreuzes und ein hohes turmähnliches Dach mit mehrern Absätzen. Die großartigsten und am reichsten geschmückten sind die dem Buddhismus angehörenden in Hinterindien, namentlich in Siam. Die in den P. der brahman. Inder in großer Zahl vorhandenen Götterstatuen sind meist von gebrannter Erde und oft sehr groß. Nach diesen Götterbildern hat man auch kleine, ungestaltete, zum Teil aus China stammende Figuren mit beweglichem Kopf und Händen, mit denen man zur Zeit des Rokokogeschmacks Schränke, Kamine u. s. w. verzierte, P. genannt.

P. heißen auch ältere ostind. Goldmünzen, deren wichtigste die Stern- und die Mondpagode (beide nach dem Prägebild so benannt) sind. Erstere (engl. Star pagoda), eine Handelsmünze, von den Eingeborenen Hun genannt, bis etwa 1800 in Madras geprägt, galt in der gleichnamigen brit.-ostind. Präsidentschaft seit 1818 etwa 3½ bis 3¾ dortige Silberrupien oder Compagnierupien = 6¾ bis 7½ M. In den franz.-ostind. Besitzungen Pondichéry und Karikal bildet teilweise noch jetzt die Sternpagode (frz. Pagode à l'étoile) von 3½ Pondichéryrupien Silbergeld die Geldeinheit; sie ist aber dort eine bloße Rechnungsgröße. (S. Rupie.) Eine dort noch umlaufende goldene Handelsmünze ist die früher in Frankreich geprägte Mondpagode (P. au croissant) oder Pondichérypagode, in Silbergeld etwas mehr als 3 Pondichéryrupien geltend, an Goldinhalt = etwa 6,7 M. – P. heißt auch das kleinste Gewicht in der Präsidentschaft Madras, als Handelsgewicht = 1/3200 Maund (s. d.) = 3,54 g, als Gold- und Silbergewicht (der Eingeborenen) aber = 3,41 g.

Pagodīt, Mineral, s. Agalmatolith.

Pago-Pago, Hafen, s. Tutuila.

Pagurĭdae, s. Einsiedlerkrebse.

Pagus (lat., «Gau», «Dorf»), beiden alten Römern gewöhnlich der zu einer Stadt gehörige ländliche Kreis; nur in einzelnen Gegenden, wo Städte fehlten, hatten die pagi eine selbständigere Stellung. Von pagus kommt das Wort paganus (s. Paganismus) her.

Pahang, mohammed. Malaienstaat an der Ostküste von Malaka, s. Straits Settlements.

Pahlanpur, s. Palanpur.

Pahlavi, s. Pehlevi.

Pahlen, Peter Ludwig (bei den Russen Peter Alexejewitsch), Graf von der, russ. Staatsmann, geb. 28. (17.) April 1745 auf seinem Erbgut Palms in Esthland, nahm an den Kriegen gegen Preußen (1761–62), gegen die Türken und Schweden teil und ging 1791 als Gesandter nach Stockholm. Darauf war er Gouverneur, später Generalgouverneur erst in den Ostseeprovinzen, dann in Ingermanland und im damaligen russ. Finland. Kaiser Paul überschüttete ihn mit Gunstbezeigungen, verlieh ihm, der Baron war, 1799 den erblichen Titel eines russ. Reichsgrafen, ernannte ihn 1800 zum Minister des Äußern und zum Ministerpräsidenten und machte ihn auch zum Oberpolizeiminister und Militärgouverneur von Petersburg. Gleichwohl stellte sich P. an die Spitze der Palastrevolution vom 4. April (23. März) 1801, die die Ermordung Pauls und die Thronbesteigung Alexanders Ⅰ. zur Folge hatte. Aber, unbeliebt bei diesem, zog sich P. bald auf