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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paphos - Papier
zen Meer (Pontus Euxinus) begrenzt, im O. durch den Fluß Halys von Pontus, im W. durch den Fluß Billäos von Bithynien, im S. durch das Gebirge Olgassys (jetzt Ilkas-Dagh) von Galatien (Phrygien) geschieden wird. Diese Begrenzung ist sehr alt, hat aber durch die wechselnden Oberherren des Landes manche Veränderung erfahren. Nach Alexanders Tode kam P. nebst Kappadocien an Eumenes, wurde dann, als das neue Königreich Pontus entstand, zum großen Teil mit demselben vereinigt und im 1. Jahrh. v. Chr. von den Römern teils zur Provinz Bithynia-Pontus, teils zur Provinz Galatia geschlagen, gegen Ende des 3. Jahrh. n. Chr. als eigene Provinz konstituiert. Die den Phrygiern und Thrakern verwandte Bevölkerung trieb Viehzucht, Jagd und Fischerei und galt als grob und einfältig; berühmt waren die paphlagonischen Reiter. Die Gebirge lieferten Metalle und treffliche Schiffbauhölzer, doch fiel die Ausbeutung wesentlich der hier im 7. Jahrh. v. Chr. gegründeten milesischen Kolonie Einope (s. d.) zu. P. stand seit dem 6. Jahrh. v. Chr. nominell unter lydischer, dann unter pers., später unter macedon. Herrschaft, blieb aber ziemlich unabhängig unter eigenen Fürsten.
Paphos, im Altertum Name zweier Städte auf der Insel Cypern. Das alte P. (Palaipaphos), eine Gründung der Phönizier, lag aus einem Hügel nahe der Südwestküste der Insel, nicht weit von der Mündung des Flusses Bokaros; es war berühmt durch seinen Tempel der Aphrodite, die hier zuerst aus dem Meere ans Land gestiegen sein sollte und nach dieser ihrer angesehensten Kultstätte häufig die paphische Göttin genannt wurde. Ein Stück von der cyklopischen Umfassungsmauer des Heiligtums ist noch jetzt in dem Dorfe Kuklia erhalten. - Das neue P. (Neapaphos), 15 km nordwestlich von der alten Stadt an der Westküste gelegen, blühte durch Schiffahrt und Handel und wurde zur Zeit der röm. Herrschaft als Sitz des Prätors die Hauptstadt der ganzen Insel. Auf seinen Trümmern entstand in neuerer Zeit das Städtchen Baffo. - Vgl. Engel, Kypros (2 Bde., Berl. 1841); Ohnefalsch-Richter Kypros. Die Bibel und Homer (2 Bde., ebd. 1893).
Papias von Hierapolis in Phrygien, Bischof dieser Stadt, wird zu den Apostolischen Vätern (s. d.) gerechnet, weil er ein Buch, "Erklärungen der Sprüche des Herrn", hinterlassen hat und nach alter, aber schon von Eusebius mit Recht bezweifelter Überlieferung ein Schüler des Apostels Johannes gewesen sein soll. Von seiner echten Schrift sind nur Fragmente erhalten, die namentlich für die Entstehungsgeschichte der Evangelien (s. d.) wichtig sind. Sie enthielt neben den Erklärungen auch vielerlei Mitteilungen aus der mündlichen Überlieferung von Thaten und Worten Jesu und seiner Jünger, die P. bei Apostelschülern gesammelt haben will. Doch tadelt Eusebius den P. wegen seiner Kritiklosigkeit und seines Glaubens an das baldige Kommen des Messiasreichs. Um 163 soll P. als Märtyrer zu Pergamon gestorben sein. - Vgl. Weiffenbach, Das Papiasfragment bei Eusebius exegetisch untersucht (Gieß. 1874); Leimbach, Das Papiasfragment (Gotha 1875); Weiffenbach, Die Papiasfragmente über Markus und Matthäus (Berl. 1878); Lüdemann, Zur Erklärung des Papiasfragments (in den "Jahrbüchern für prot. Theologie", 1879).
Papier (von Papyrus, grch. papyros, dem im alten Ägypten aus den Stengeln der Papyrusstaude [s. Papyrus antiquorum] gewonnenen, zum Schreiben benutzten Material), ein aus Wasser niedergeschlagener und getrockneter Stoff in Blattform, der zum Beschreiben, Bedrucken, Bemalen, Verpacken sowie zur Herstellung mancher Fabrikate verwendet wird; dickere Platten dieser Art heißen Karton, die dicksten Pappe.
Geschichtliches. Die Erfindung des eigentlichen P., deren Ursprung bis in das 2. Jahrh. v. Chr. zurückreicht, wird den Chinesen zugeschrieben, welche hierzu den Bast verschiedener Bäume verarbeiteten; noch heute wird das P. in China in ziemlich primitiver Weise aus den verschiedensten derartigen Stoffen hergestellt. Im 7. und 8. Jahrh. erlernten die Japaner und andere Nachbarvölker die Papierbereitung. Von den Tataren gelangte diese Kenntnis zu den Arabern, welche in Synen, Palästina, Nordafrika, Sicilien und Spanien sog. Papierhäuser anlegten. Die maur. Papiermacher waren fast ausschließlich Gelehrte, die zunächst für ihren eigenen Bedarf arbeiteten. Erst durch die Kreuzzüge wurde die bis dahin sorgfältig geheim gehaltene Kunst des Papiermachens im Abendlande verbreitet. In Deutschland finden sich die Anfänge des neuen Gewerbes um 1190, in Frankreich um 1250, in Italien
um 1275, in der Schweiz um 1430.
Bis zum Ende des 13. Jahrh. bediente man sich zur Herstellung des P. der einfachsten Geräte. Als Rohmaterial wurden schon im Orient leinene und baumwollene Hadern verwendet, die man in Mörsern zerfaserte; später sah man sich genötigt, maschinelle Vorrichtungen (Stampfen) zu Hilfe zu nehmen. Die erste Papiermühle war die der Holbayn (Hollbein) in Ravensburg (1290). In der Folge entstand eine große Anzahl derselben; so m Kaufbeuren (1312), in Au bei München (1347), in Leesdorf in Österreich (1356), in Nürnberg (1390) u. a. In Italien entstand 1320 in Fabriano, in Spanien 1340 in Valencia, in England 1460 bei Dartfort, in Frankreich 1560 in Troyes die erste Papiermühle. In Deutschland nahm die Papierfabrikation einen mächtigen Aufschwung durch die Erfindung der Buchdruckerkunst und, infolge der erhöhten geistigen Thätigkeit, durch die Reformation. In Belgien und Holland wurde dieselbe 1686 durch franz. Emigranten, in den meisten andern europ. Staaten erst zu Anfang des 18. Jahrh. eingeführt. Um die Mitte des 18. Jahrh. fand an Stelle der Stampfen das holländ. Geschirr, der sog. Holländer, ursprünglich eine deutsche Erfindung, von Holland aus in Deutschland Eingang. Gegen das Ende des 18. Jahrh. war man bemüht, dem sich steigernden Bedarf an großen Formaten entsprechend, Maschinen zur Herstellung fortlaufenden (endlosen) P. zu konstruieren. Die Erfindung der Cylindermaschine, d. h. derjenigen Maschine, bei welcher der Niederschlag der Faserschicht auf einem mit Metallgewebe überzogenen Cylinder erfolgt, wurde von Leistenschneider in Poncey, die der Maschine mit horizontal laufendem endlosem Siebtuch von Roberts in Essonnes gemacht. Die erstere, welche besonders durch Dickenson, Bramah und Denison verbessert wurde, findet jetzt hauptsächlich zur Pappenfabrikation Anwendung. Die Robertssche Papiermaschine erhielt ihre wichtigsten Vervollkommnungen durch Léger-Didot (1819), Fourdrinier (1830), Donkin (1835) und ist, mannigfach abgeändert, noch jetzt für die eigentliche Papierfabrikation in Gebrauch. Die wichtigsten Neuerungen der letzten Jahrzehnte sind