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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Petersberg; Petersberger Zahnradbahn; Petersburg

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Petersberg - Petersburg (in Rußland)

tituren und 250 Klavierauszüge. 1894 errichtete die Firma die "Musikbibliothek Peters" mit etwa 10000 Werken zu unentgeltlicher Benutzung.

Petersberg, in älterer Zeit auch Lauterberg (Mons serenus) genannt, eine isolierte Porphyrkuppe (248 m), 13 km nördlich von Halle a. d. S. Auf demselben befand sich vormals ein dem heil. Petrus gewidmetes Kloster der regulierten Chorherren des Augustinerordens, das vom Grafen Dedo von Wettin 1124 gestiftet, aber erst gegen 1151 eingeweiht wurde. Nach der Säkularisation von 1540 wurden die Gebäude 31. Aug. 1565 durch Blitzschlag zerstört. Die Kirche wurde unter König Friedrich Wilhelm IV. seit 1853 restauriert und 8. Sept. 1857 eingeweiht. Eine Quelle für die Geschichte des Klosters bietet das "Chronicon Montis sereni", das von 1124 bis 1225 reicht und einen Presbyter des Klosters, Konrad, zum Verfasser haben soll. - Vgl. Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Sachsen, hg. von Puttrich, Abteil. 2, Bd. 2 (Lpz. 1845); Knauth, Der St. P. bei Halle a. d. Saale (Halle 1873); Müldener, Der P. (ebd. 1874).

Petersberg, s. Heisterbach und Siebengebirge.

Petersberg, ehemalige Citadelle der Festung Erfurt (s. d.).

Petersberger Zahnradbahn, von Königswinter nach dem Petersberg (1,5 km), gehört der gleichnamigen Gesellschaft in Königswinter.

Petersburg. 1) Russ. Militärbezirk, umfaßt die Gouvernements Archangelsk, Nowgorod, Olonez, P., Pskow und Esthland und hat 1248258,5 qkm mit 5309923 E., d. i. 4,3 auf 1 qkm. - 2) Gouvernement im nordwestl. Teil des europ. Rußlands, grenzt im N. an das russ.-finn. Gouvernement Wiborg und an das russ. Gouvernement Olonez, im SO. an Nowgorod, im SW. an Pskow, im W. an Livland und Esthland, im NW. an den Finnischen Meerbusen und hat 53768,2 qkm, darunter 15,6 qkm Inseln im Meere und 9153 qkm Landseen, mit 1745275 E., d. i. 32,5 auf 1 qkm. Die Oberfläche ist meist niedrig und sumpfig; nur von Zarskoje-Selo nach Jamburg zieht sich eine wasserlose erhöhte Ebene, deren höchste Punkte die Duderhofschen Berge sind, ferner sind Hügel im SW., und im N. zwischen dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee ragen Ausläufer der finn. Höhen hinein. Geologisch ist im N. Alluvium, in der Mitte die silurische und südlicher die devonische Formation. An Mineralien giebt es hauptsächlich Sandstein, dann verschiedene Lehm- und Thonarten zu Ziegelei und Töpferei u. a.; nördlich von der Newa einzelne Granitmassen sowie stellenweise Eisen- und Kupfererz. Die Gewässer gehen zum Finnischen Meerbusen entweder unmittelbar (Newa, Luga, Narowa mit der Pljussa) oder mittelbar durch den Ladogasee (Wolchow, Sjaß, Pascha) an der Nord- und durch den Peipussee an der Südwestgrenze. Das Klima ist feucht und veränderlich. Die Bevölkerung besteht ans Russen, Finnen und zwar Sawakoten, Ewremaiset, Woten, Ishoren, ferner aus Esthen und deutschen Kolonisten. Der Religion nach gehören 1350000 der russ., 234000 der evang., 30000 der kath. Kirche an. Den Rest bilden Raskolniken (16000), Mohammedaner (15000), Juden (9000), Armenier u. a. Ackerbau und Viehzucht sind schwach entwickelt. Bedeutend ist die Waldindustrie, Schiffbau, Fischerei. P. hat 610 Fabriken mit 173 Mill. Rubel Produktion, darunter 37 Maschinenfabriken (20 Mill. Rubel Produktion), Glas-, Porzellan-, Tuch-, Baumwollfabriken, Flachsspinnereien; 596 km Eisenbahnen; 1255 Schulen mit 85017 Lernenden. Das Gouvernement, aus der frühern Landschaft Ingermanland gebildet, besteht aus acht Kreisen: P., Gdow, Jamburg, Luga, Nowaja Ladoga, Peterhof, Schlüsselburg, Zarskoje-Selo, sowie aus der Stadthauptmannschaft P. und aus dem Militärgouvernement Kronstadt. - 3) Kreis im nördl. Teil des Gouvernements P., am Finnischen Meerbusen, hat 1702,5 qkm, außer der Hauptstadt etwa 78060 E., zum Teil Finnen und deutsche Kolonisten, eine Porzellanfabrik an der Ochta, die Alexandrowsche Manufaktur, Glas-, Papier-, Gewehr- und andere Fabriken, Schiffbau, Viehzucht und stellenweise Ackerbau. - 4) Stadthauptmannschaft (gradonatschalstwo) P., hat 290,3 qkm und umfaßt die Stadt P. mit ihrer nächsten Umgebung. - 5) P., richtiger Sankt P., russ. Sanktpeterburg, im Volksmund Piter (das niederländ. Pieter, d. i. Peter), bei den nichtruss. Slawen häufig Petrograd, neben Moskau die Hauptstadt des Russischen Reichs und die Residenz der russ. Kaiser, unter 59° 57' nördl. Br., 30° 20' östl. L. von Greenwich, in niedriger Ebene (2-8, auf den Inseln 0-3 m Höhe), an der Mündung der Newa in den Finnischen Meerbusen. Diese teilt sich hier in die nördlich abgehende Newka, welche sich später in die mittlere und kleine Newka teilt, und die Große und Kleine Newa, welche beide die Insel Wassiljewskij-Ostrow (Basiliusinsel, 99,66 ha) umschließen. Durch diese Spaltungen des Stroms und verschiedene Nebenarme und Kanäle entstehen größere und kleinere Inseln, von denen 17 mehr oder minder bebaut sind. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt +3,6°, im Januar -9,4°, im Juli +17,7° C., die Höhe der Niederschläge 464,5 mm. Es sind 72,7 Schneetage im Jahre. Bei Hochwasser sind die tiefer liegenden Stadtteile Überschwemmungen ausgesetzt. Hierzu ein Stadtplan mit Verzeichnis der Straßen u. s. w., sowie ein Situationsplan: St. Petersburg und Umgebung.

Größe und Bevölkerung. P. (ohne Vorstädte) nimmt einen Flächenraum von 85 qkm ein, hat einen Umfang von 47 und einen Durchmesser von 13 km. Die Bevölkerung betrug 1780: 174778, 1812: 308474, 1837: 468625, 1856: 490808, 1869: 667963, 1885: 861303, 1889: ohne Vorstädte 954400, mit den Vorstädten 1033615 Seelen. 1890 waren männlichen Geschlechts 54, weiblichen 46 Proz. Der Religion nach waren: russisch-orthodox 84¾ Proz., Raskolniken ¼, evangelisch 9, katholisch 3¾, Israeliten über 1¾, Mohammedaner ¼, anderer Bekenntnisse ¼ Proz.; den Ständen nach 97755 Adlige, 902 Geistliche, 33416 sog. Ehrenbürger, 16216 Kaufleute, 224426 Städter, 501746 Bauern; der Muttersprache nach: Russen 87 Proz., Deutsche 4,6, Polen 2,3, Finnen 1,8, Juden 1,1, diese zusammen gegen 97 Proz., dann noch Esthen, Schweden, Letten, Franzosen, Engländer, Litauer u. a., zusammen 3 Proz. 1892 wurden geboren 30276 (31,3 Promille), es starben 25191 (26,1 Promille), Ehen schlossen 5974 (6,2 Promille) Personen. Analphabeten im Alter von 6 bis 70 J. sind bei den Männern 26, bei den Frauen 49 Proz. In Garnison liegt neben andern Truppengattungen besonders Leibgarde-Infanterie, -Kavallerie und -Artillerie.