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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Philippsorden - Phillipsit
Geschichtswissenschaft, wurde 1871 Privatdoccnt,
1875 anherord. Professor der Gesebichte in Bonn,
1878 ord. Professor an der Universität zu Brüssel.
Ende 1890 legte er seine Professur nieder und
siedelte nach Berlin über. P. schrieb: "Geschickte
Heinrichs des Löwen" (2 Bde., Lpz. 1867 - 65),
"Heinrich IV. und Philipp III. Die Begründung
des franz. Übergewichts in Europa 1598 - 1610"
(3 Bde., Verl. 1870-76), "Gesckichte des preuft.
Staatswesens vom Tode Friedrichs d. Gr. bis zu
den Freiheitskriegen" (Bd. 1 u. 2, Lpz. 1880-
82); für die Onckensche "Allgemeine Geschichte in
Einzeldarstellungen": "Das Zeitalter Ludwigs XIV."
(2. Aufl., Verl. 1888) sowie "Westeuropa im Zeitalter
von Philipp II., Elisabeth und Heinrich IV." (ebd.
1882); ferner "1^ conti-orLvolution i-sIiMULL nn
XVI° 8iecl6" (Brüsf. 1884), "Geschichte der neuern
Zeit" (3 Bde., für die "Allgemeine Weltgeschichte",
Verl. 1887 - 89), "Iliäwii-L än rö^i^ ä6 ^laiis
8tuai-t" (3 Bde., Par. 1891 fg.), "Friedrich III. als
Kronprinz und Kaiser" (Berl. 1893), "Ein Ministe-
rium nnter Philipp II. Kardinal Granvella am
span. Hofe. 1579-86" (ebd. 1894).
Philippsorden, Verdienstorden Phi-
lipps des Großmütigen, Hess. Orden, von
Ludwig II. 1. Mai 1840 gestiftet, zerfällt in Groß-
kreuze, Komture erster und zweiter Klasse und Ritter
erster und zweiter Klasse. Das Ordenszeichen ist
ein achtspitziges, einwärts ansgeschweiftes weih
emailliertes Krcnz mit goldener Einfassung, dessen
blaues Mittelschild innerhalb weißen Randes mit
der Umschrift: 8i cleiiZ nodiäcnin, huig conti'Ä nc"3
das goldene Brustbild Philipps des Großmütigen
zeigt. Das Band ist hochrot mit blauer Einfassung.
(S. Tafel: Die wichtigsten Orden I, Fig. 1.)
Philippsruhe, Schloß bei Hanan (s. d.).
Philippsthal, s. Hessen-Philippsthal.
Philippus (Philippos), Könige von Mace-
donicn, s. Philipp (S. 84).
Philippus, M. Julius, mit dem Beinamen
Arabs, röm. Kaiser, geb. 204 n. Chr. in der röm.
Kolonie Vostra als Sohn eines Scheichs, machte
seine Laufbabn als röm. Offizier. Im Perferkriege
des Kaifers Gordian III. befeitigte er dessen Gardc-
präfekten Timesitheus (243) und machte sich zum
Nachfolger: 244 stürzte er auch den Kaiser. Glück-
liche Kampfe gegen die Karpen an der untern Donau
245-247, dann die Feier (248) des tausendjährigen
Bestehens der Stadt Rom hinderten nicht, daß die
mösischcn und german. Legionen 249 den Decius
als Gegenkaiser aufstellten. In einer Schlacht bei
Verona (Herbst 249) verlor P. Sieg und Leben.
Philippus, Apostel und Schüler Jesu, stammte
aus Bethsaida in Galiläa (Joh. 1, 44 fg.). Die
kleinasiat. Überlieferung läßt ihn nach Jesu Tode
nach Phrygien übersiedeln und in Hierapolis den
Märtyrertod sterben, doch beruht dies wohl auf
Verwechselung mit dem gleichnamigen Diakonus
oder Evangelisten P.(Apostelg. 6,5; 8,5fg.; 21,8),
der zuerst in Samaria das Christentum predigte.
Ihm oder dem Apostel P. wird auch ein Evangelium
zugeschrieben, das bei den Gnostikern im Gebrauch
war. Auch die noch im griech. und syr. Tert teil-
weise erhaltenen "Akten des P." sind ein gn ostisch es
Machwerk. Die röm. Kirche hat ihm, zngleich mit
Iakobus dem Jüngern, den 1. Mai geweiht; die
gricch. Kirche feiert für ihn den 14. (26.) Nov. und
für jenen Iakobus den 23. Okt. (4. Nov.). Außer-
dem kcnnl das Neue Testament noch einen P. als
Bruder des Herodes Antipas. - Vgl. Lipsius, Die
apokryphen Apostelgeschichten und Äpostellegendcn,
Bd. 2, 1. Hälfte (Vraunschw. 1884).
Philipsdorf (Filippsdorf), Wallfahrtsort
in der österr. Vczirkshauptmannschaft und dem Ge-
richtsbezirk Schluckenan in Böhmen, zur Gemeinde
Georgswalde gehörig, an der sächs. Grenze, gegen-
über von Nen-Gersdorf, an der Linie Prag-Georgs-
walde-Ebcrsbach (Station Georgswaldc-P.) der
Vöhm. Nordbabn, hat (1890) 1395 E., roman. Kirche
(1835) mit Vildhauerarbeiten Dresdener, Wiener
und Münchener Künstler, Kollegium derRedempto-
risten und ein Kloster des Ordens des heil. Borro-
mäus. P., ursprünglich ein armes Weberdorf, ge-
langte 1866 durch die angebliche Heilung der Magda-
leneKade in denNnf eines wunderthätigen Gnaden-
ortcs, der seitdem zadlreiche Hilfefnchende herbeizieht.
Philipshof (Filipshof), s. 6aslau.
Philister oder Pbilistäer (hebr. ?6li3c1itiui),
ein in den südwestl. Ebenen Palästinas wohnender,
wahrscheinlich von Westen her eingewandcrter semit.
Volksstamm, von dem das ganze Land den Namen
Palästina erhalten hat. (Palästina ist die griech.
Form des hebr. Namens Peleschet, der ursprünglich
nur das Land derP., Philiftäa, bezeichnete.) Die
Nachrichten über die P. lassen sie als ein tapferes,
gewerbfleißiges und kultiviertes Volk erscheinen.
Ihr Land zerfiel in die Gebiete der fünf festen Städte
Gaza, Asdod, Askalon, Gath und Ekron, die, von
eigenen Fürsten regiert, untereinander durch eine
gemeinsame Bundesverfassung verbunden waren
(Philistäische Pentapoli's). Ihr Hauptgott
war Dagon (s. d.). Sie lebten in ununterbrochenen
Kämpfen mit den Israeliten, die sie sich tributär
machten. Tiefe Fremdherrschaft gab den Anstoß zur
Entstehung des israel. Königtums. (S. Saul und
David.) Nach der Teilung des israel. Reichs began-
nen die Kämpfe von neuem; doch war damals im
allgemeinen das Übergewicht auf feiten Israels und
Judas. Späterhin leisteten ihre Städte den afsyr.
und ägypt. Feldherren oft jahrelangen Widerstand.
Zur Zeit der Makkabäer waren sie syr. Unterthanen.
Das nacherilische Judentum hat wiederholt in ihren
Territorien festen Fuß gefaßt.
In der studentischen Redeweise werden P. alle
außerhalb des akademischen Verbandes Stehenden
genannt: in engern: Sinn braucht man P. für spieß-
bürgerlich gesinnte Menscben. Philiströs bildet
daher als Ausdruck des Beschränkten, Kleinlichen
und Nüchternen in Ansichten und Handlungen den
Gegensatz zu bnrschikos.
^/ttii., hinter lat. naturwissenschaftlichen Namen
Abkürzung für John Phillips, einen engl. Geo-
logen und Paläontologen, geb. 25. Dez. 1800 zu
Marden in Wiltshire, seit 1856 Professor der Geo-
logie in ^rford, wo er 24. April 1874 starb.
'Phillipsburg (fpr.-borg), Stadt irn County
Warren im nordamerik. Staate Neujcrsey, am hier
schiffbar werdenden Delaware, unweit der Vereini-
gung des Morris- und des Dclawarekanals, Easton
(s. d.) in Pennsylvanicn gegenüber, mit Eisen- und
^ Walzwerken, Fabriken von Maschinen, Kesseln, Öfen,
' Seidenwaren und (1890) 8644 E.
Phillipslt, Kalkbarm 0 t 0 m, nach seinen kreuz-
förmigen Doppelzwillingen anch Kalkkreuz st ein
genannt, ein Glied der Mineralfamilie der Zeolithe,
isomorph mit Desmin und Harmotom (s. d.). Die
fast immer in Hoblräumen basaltischer Gesteine auf-
gewachsenen Krystalle sind farblos oder weiß, glas-