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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polygamisch - Polygonaler Grundriß
Polyandrie (s. d.) oder Vielmännerci. Die P. ist bei
ältern und neuern orient. Völkern gebräuchlich uud
war bis vor kurzem auch bei den Mormonen (s. d.)
gesetzlich gestattet. (S. Ehe, Bd. 5, S. 73" d.)
Polygamisch (grch.) oder vielehig ist eine
Pflanze, die zugleich dikline und Zwitterblüten
(ftor"^ ^0l^^nii) besitzt. Linns vereinigte in der
23. Klasse ^cch^lunia seines Systems alle Pflanzen
mit polygamischen Blüten.
Polyglotte (grch.), ein Werk, das denselben In-
halt in mehrern Sprachen enthält, vorzugsweise schon
früh von den Ansgaben der Heiligen Schrift ge-
braucht, in denen zwei, drei oder mehr Übersetzungen
mit oder ohne den Grundiert zusammengestellt wur-
den. Das erste größere Unternehmen der Art war
die Complutensische Bibel (weil in Alcala de
Henares, lat. ('("ini>1nwm, 1514-17 erschienen), die
auf Veranstaltung des Kardinals .Nmenes mit un-
geheuerm Aufwand für die Anschaffung alter Hand-
schriften und der Übersetzungen von mehrern ange-
sehenen Gelehrten bearbeitet wurde. Sie erschien in
sechs prächtig gedruckten Foliobändcn und enthält
neben dem hebr. Text des Alten Testaments die alt-
lat. (Vul^tk), die griech.-alerandrinische l^Mm-
n'iiitlr) nebst einer buchstäblichen lat. Übersetzung nnd
eine chaldäische Paraphrase, die ebenfalls eine wört-
liche lat. Übersetzung zur Seite hat.
Die Antwerpen er P., auch die Königliche
Bibel genannt, weil König Philipp II. von Spanien
einen Teil der Kosten trug, wurde unter Aufsicht des
span. Theologen Venedikt Arias Montanus und mit
Unterstützung anderer Gelehrten bearbeitet, erschien
zu Antwerpen 1569-72 in acht Foliobänden und
enthält, außer dem hebr. Tert, die Vulgata, die
Septuaginta mit einer lat. wörtlichen Übersetzung,
mehrere chaldäische Paraphrasen, ebenfalls mit lat.
Übersetzung, und was das Neue Testament anlangt,
den griech. Grundtert mit der Vnlgata, eine syr.
Übersetzung in zwei Reihen mit syr. und hebr. vet-
tern und mit einer lat. Übersetzung.
Noch inhaltreicher ist die Pariser P., die Haupt-
sachlich unter Leitung des Parlamentsadvokaten
Guy Michael de Iay von mchrern Orientalisten
und Eregcten besorgt wnrde und 1l>45 in zehn Folio
bänden erschien. Dieselbe enthält nicht nur die ganze
Antwerpener P., sondern anch noch eine syr. und
eine arab. Übersetzung und eine sie begleitende lat.
Übersetzung, sowie den sog. samaritanischen Penta-
teuch und im Neuen Testament ebenfalls eine arab.
und eine dieser folgende lat. Version.
Die vollständigste P. ist die Waltonsche oder
Londoner P. in zehn Sprachen (6 Bde., 1<l57,und
2 Supplementbände, 1l>li9), die hauptsächlich unter
Aussicht des nachmaligen Bischofs von Ehester,
Vrian Walton, bearbeitet wurde. Sie enthält
den Grundtert nach verschiedenen-Exemplaren und
aufter den Übersetzungen der Pariser P. auch noch
eine äthiop. und eine pers. und zu diesen gehörige
lat. Übersetzungen. Eine Polyglottenbibel für den
Handgebranch (hebräisch, griechisch, lateinisch und
deutsch) gaben Stier und Theile heraus (Altes Testa-
ment, 4., z. T. 5. Aufl., und Neues Testament,
5. Aufl., 4 Bde. in 6 Abteil., Vielef. 1875-92).
Polygnot, gricch. Maler aus Thasos, Sobn
und Schüler des Malers Aglaophon, kam nacb
Athen, wo er der Gunst des Kimon sich erfreute und
in dessen Auftrag, meist in Verbindung mit den
Malern Mikon und Panänus, mehrere öffentliche
Gebäude, wie die Stoa Poikile (s. d.), die Tempel
der Dioskuren und des Theseus mit Wandgemälden
ausschmückte. Unter den außerhalb Athens vott
ihm ausgeführten Werken waren die beiden großen
Wandgemälde in der Lesche (Versammlungshalle)
der Knidier in Delphi, die letzten Scenen der Er-
oberung von Troja (Iliupersis) und Odysfeus in der
Unterwelt (oieNekyia) darstellend, die berühmtesten.
Anch die böot. Städte Thespiä und Platää hatten
Wandgemälde von ihm. über seine Bedeutung für
die Griechische Kunst s. d. (Bd. 8, S. 350 d fg.)'.
Polygon (grch.), Vieleck, eine von geraden Li-
nien begrenzte Figur; namentlich werden die regu-
lären, aus lauter gleichen Seiten und gleichen Win-
keln gebildeten Figuren so genannt.
In der Vesestigungsk u n st nennt man P. die
den allgemeinen Umriß eines zusammenhängend
befestigten Platzes bildende Figur. Folgt die Um-
Wallung ohne künstliche Vrechnng der Linien diesem
Umriß, so entsteht das Polygonaltraee' (s. Poly-
gonaler Grundriß); aus der künstlichen Brechung
der Linien dagegen entsteht das Bastionärtrac^
(s. Vastionierter Grnndriß) und das Tenaillentrac"i
(s. Tenaillierter Grundriß).
Polygonaccen, Pflanzenfamilie aus der Ord-
nung der Polygoninen (s. d.) mit gegen W0 über
die ganze Erde zerstreuten Arten, kraut- oder strauch-
artige Gewächse, seltener Bäume. Die Blätter sind
sehr verschieden, in der Regel am Grunde scheiden-
artig erweitert, oder sie bilden eine Tute. Die
Blüten sind klein und bestehen aus einem vier- bis
sechsteiligen kelch- oder blumenkronenartigen Peri-
gon, sechs bis neun Staubgefäßen und einem ober-
ständigen einfächerigen Fruchtknoten mit zwei bis
vier Griffeln. Die Frucht ist ein einsamiges Nüß-
chen. Zu den P. gehört unter anderm der Buch-
weizen (s. d.) und der Rhabarber.
Polygonaler Grundriß, Polygonaltracö,
diejenige Grundrißform der Permanenten Befesti-
gung, bei der die Flankierung des Grabens lediglich
aus Hohlraumen bewirkt wird. Die Fronten können
geradlinig (Fig. 1), flach nach innen (Fig. 2) oder
flach nach außen (Fig. 3) gebrochen sein. Die An-
wendung der einen oder der andern Art hängt von
den Formen des Geländes und von der weiter unten
näher zu erwähnenden Anordnung der Graben-
flankierung ab. In den Acken des Polygons, dessen
Seiten mit 1' bezeichnet sind, und in der Mitte der
Fronten erhöbt man den Wall und versieht diese
Erhöhungen mit kurzen Flanken, um das dem Grund-
riß als solchem mangelnde Kreuzfeuer zur Beherr-
schung des Vorgeländes zu ersetzen; so entstehen die
Eckkavaliere (?) und Mittelkavaliere (m). Die Gra-
benbestreichung erfolgt aus Kaponnieren, die vor