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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polygonalzahlen - Polygonum
der Mitte der Polygonseite oder an den Polygon-
ecken ihre Stelle finden. Die Kaponnieren dürfen
niemals dem feindlichen Geschützfeuer in der Längs-
richtung der Gräben ausgesetzt werden; dies wird
für Mittelkaponnieren vermieden durch eine fchwache
Brechung der Polygonseiten nach außen, für Eck-
kaponnieren durch eine folche nach innen. Außerdem
müssen die Kaponnieren gegen Sicht und womöglich
auch gegen indirektes Feuer geschützt sein (unter
Umständen durch Erhöhung des Glaciskammes oder
anch durch Panzerung). Die größtmögliche Länge
einer Front dieser Grundrißform ist abhängig von
der wirksamen Tragweite der flankierenden Feuer-
waffen, indem sie doppelt so groß sein kann, da die
Flankierung entweder von der Mitte ans bis Zu
jeder Ecke oder von den Ecken aus zu bis zur Mitte
wirksam sein muß. Hieraus ergiebt sich zur Zeit
die größtmögliche Länge einer polygonalen Front
zu 900 in. Die polygonale Grnndrißform umfaßt
den größten Raum mit der geringsten Wallausdeh-
nnng, hat daher den andern Grundrißformen gegen-
über eine geringere Gesamtlänge der Walllinien,
der Gräben und des Mauerwerks und beansprucht
überhaupt einen schmälern Geländestreifen. Die
Grabenbestreichung endlich ist völlig rasant und kann
infolge der gesicherten Lage der Kaponnieren bis zn
dem letzten Stadium der Verteidigung wirksam blei-
ben. Der P. G. ist eigentlich die älteste aller Grund-
rißformen, da er bereits den alten Städtebefestigun-
gen und noch im 16. Jahrh, dem Dürerschen
Befestigungssystem zu Grunde liegt. Seitdem
wurde der P. G. durch den Vastionierten Grundriß
(s. d.) vollständig verdrängt, bis er seit Ende des
16. Jahrh, dnrch Montalemberts Befesti-
gungsmanier ts. d.) und die Nenprenßische
Befestigung smanier (s. d.) wieder zur Geltung
gebracht und demnächst von fast allen Staaten
angenommen wurde. - Vgl. Brialmont, I^aitö <!"
fortiKc^tioii poi^nnaik (Brüss. 1869).
Polygonälzaylen, Vicleckszahlen, Zahlen,
die eine arithmet. Neihe zweiter Ordnung bilden und
durch Aufsummicren der Reihe: 1,1 ^ ä, 1 -> 2ä,
1-l 3ä n. s. w., wobei ä jede absolute ganze Zahl be-
deuten kann, entstehen. Die allgemeine Form der P.
ist somit 1, 2 l- ä, 3 ^ 3ä, 4 ^ 6ä u. s. w. Ist
ä -1, so entstehen die Triangularzahlen: 1,
3, 6, 10, 15 u. s. w.; ist ä -- 2, die Quadrat-
zahlen: 1, 4, 9, 16, 25 u. s. w.; ist ä ^ 3, die
Pentagonalzahlen: 1, 5, 12, 22, 35 u. s. w.
Die Triangularzahlen lassen sich durch gleichweit
voneinander entfernte Pnnkte, die ein gleichseitiges
Dreieck bilden, darstellen; bei den Quadratzahlen
entstehen unter gleicher Voraussetzung Quadrate,
bei den Pentagonalzahlen reguläre Fünfecke u. s. w.
(S. Figurierte Zahlen.)
Polygonälzüge, flache Züge (s. d.), die sich er-
geben, wenn der Querschnitt der Rohrseele als ein
regelmäßiges Viereck, statt wie sonst als Kreis kon-
struiert wird. P. waren fast nur bei Whitworth-
Kanonen (s. d.) in Anwendung.
?o1^F0nä.tuin ^4ck"nH., Pflanzengattung aus
der Familie der Liliaceen (s. d.) mit gegen 20 in der
nördl. gemäßigten Zone weit verbreiteten Arten,
krautartige Pflanzen mit kriechendem Rhizom, eiför-
migen zugespitzten oder linealischen und in zwei
Reihen oder wirtelig angeordneten Blättern. Die
Blüten stehen in den Vlattwinkeln, haben ein cylin-
drisches mehrzipfeliges weißes Perigon, sechs Staub-
gefäße und einen länglichen dreifächerigen Frucht-
knoten mit einfachem Griffel. Die Frucht ist eine
dreifücherige kugelige Beere mit nur wenigen Samen.
In Deutschland sind drei Arten einheimisch; die
bekanntesten find die große Maiblume, auch
Salomonssiegel,?. (Mcinal6 ^4^. (^onvaliaria
p"I^0nawni 2^.), bei der die Blüten einzeln in den
Vlattwinkeln stehen; und die vielblumige Mai-
blume, ?. multiüornin ^4?i. (Oonvaiwria multi-
flni-ü /^.), die im Habitus mit der vorigen überein-
stimmt, deren Blütenstiele aber mehrere Blüten tra-
gen. Beide Arten sind in schattigen Waldungen nicht
selten, ihr Wurzelstock war als Il^äix 8iMi 3^o-
inonig offizinell. Die dritte Art, ?. vei-tieMawin
^M. (OonvaUariH vkrtioiliatH _^.), ist seltener, hat
lineare, in Quirlen gestellte Blätter und zweiblütige
Blütenstiele. Früher rechnete man die Arten der
Gattung ?. zu ^onvallaria. (s. d.).
Polygonmen, Ordnnng aus der Gruppe der
Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charak-
terisiert durch regelmäßige zwittrige Blüten, deren
Blütenhülle meist nur aus einigen schuppenförmigen
Blättchen besteht; die Anzahl der Staubgefäße ist
verschieden, der Fruchtknoten bestebt meist ans drei
miteinander verwachsenen Fruchtblättern, ist ein-
fächerig und enthält nnr eine einzige Samenknospe.
Die Frucht ist eine Beere oder ein Nüftchen. Die
Ordnnng umfaßt nnr die Familien der Polygona-
ceen (s. d.) und Piperaceen (s. d.). Hierzu die Tafel:
Polygoninen; znr Erklärung vgl. die Artikel:
Bnchweizen, Rhabarber, Num6x und I'ipsi'.
?o1^önuin /v., Knöterich, Psianzengattung
aus der Familie der Polygonaceen (s. d.) mit etwa
150 über alle Weltteile verbreiteten Arten. Manche
von ihnen zeichnen sich durch einen mehr oder min-
der scharfen oder brennend-beißenden Geschmack aus,
wie der in Gräben in Europa, Nordasien und Nord-
amerika wachsende scharfe Knöterich (?. u^äixi-
1>ip6i' ^.), auch Wasserpfeffer genannt, der als
^lei'0uriu8 teri'LstriZ bei den Ärzten in großem An-
sehen stand. Der wohlriechende Knöterich (?.
oäoi-Hwin ^0te?'.) wird in Cochinchina allgemein als
Küchengewürz angebaut. Als Zierpflanze wird der
orientalische Knöterich (?. 01 ient^ie ^.) bäufig
kultiviert. Die Blätter des Wiesenknöterichs
st'. diLtorta. 2v.), auch Vlutkraut, Natter- oder
Schlangenwurz, benutzt man im jungen Zustande
in mehrern Gegenden als Gemüse. Einige Arten
enthalten Indigofarbstoff, wie namentlich der in
China schon seit undenklichen Zeiten kultivierte
Färbeknöterich (?. tinctoi-ium ^.), der dem in
Deutschland einheimischen, überall auf Schutt, an
Mauern, Wegen, Düngcrstätten wild wachsenden
Flohkraut (?. psrLicariH ^.) sehr ähnlich ist. Alle
die bisher genannten Arten tragen die Blüten in
endständigen, dichten oder lockern Ähren. Dagegen
stehen dieselben beim V 0 gelknöterich (?. HviculHi-6
^.), einem überall an wüsten sandigen Plätzen wach-
senden, niederliegcnden kleinblätterigen Unkraut,
dessen Samen von vielen Vögeln gern gefressen
werden, einzeln oder zu mehrern beisammen in
den Vlattwinkeln. Der in Japan einheimische und
kultivierte?. 8i6do1äi ^ei^l). (Niesen knöterich)
wird jetzt nur in Gärten als Zierpflanze wegen seines
reichlichen Vlattwuchses gezogen, als Futterpflanze
bewährte er sich nicht. Als solche wird in neuerer
Zeit ?. 83,c1ia1iii6N86 ^. >3c/imM (Sachalin) em-
pfohlen, welches auch auf dem magersten Boden
gedeihen soll. Zu der Gattung ?. gehört auch der
Buchweizen (s. d.).