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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Posamentier - Poseidon
von Mustern mit entsprechenden Vorrichtungen
versehen, oft auch mit dem Iacquardgetrieb ver-
bunden. Äußerlich unterscheidet sich derselbe durch
seine geringe Breite, da er nur zum Weben schmaler
Stoffe bestimmt ist. Die Posamen tierarbeiten
werden Posamenten, auch Passementen ge-
nannt. (S. Vortenweberei, Klöppeln und Klöppel-
maschine.) - Vgl. Dornbrach, Das Posamentier-
Kunstgewerbe (Dresd. 1894).
PosamentteroderPosamentierer(frz.M886-
msutiki-), Handwerker, welche die Posamenterie
(s. d.) betreiben.
Pofamentierschulen, Lehranstalten für iunge
Posamentierarbeiter und -Arbeiterinnen. Solche
Schulen bestehen nur im Königreich Sachsen und
zwar zu Annaberg, Buchholz, Ehrenfriedersdorf,
Geyer und Waldenburg; die älteste ist die zu Buch-
Holz 1859 gegründete; die andern entstammen den
achtziger Iabren. Der Lehrgang ist 2- bis 3jährig
bei etwa 8 Stunden wöchentlicher Unterrichtszeit.
Abnahmepflichtig sind die Posamcntierlehrlinge;
aufnahmefähig in den weiblichen Abteilungen schul-
pflichtige Mädchen vom 10. oder 12. Lebensjahre
an. Der Unterricht erfolgt an 2 Schulen unentgelt-
lich, an 3 Schulen gegen ein Honorar von 2 oder
4 M. jährlich.
Posamentierstuhl, s. Posamenterie.
Posaune (ital. troindonL), ein Vlasinstrument
von Messing, aus Hauptstück und Zug bestehend
(Zugposaune). Das Hauptstück wird von einer
8-sonnigen Röhre gebildet; nur ist bei der ersten
Biegung das Kniestück abgescbnitten. über die da-
durch entstehenden offenen Nöhrenenden wird der
Zug, ein hufeisenförmiges Röhrenstück, auch Aus-
zug und die Stangen genannt, geschoben, durch
das man das Posaunenrohr verlängern, also dessen
Stimmung erniedrigen kann (bis auf eine vermin-
derte Quinte). Die P. ist somit nicht ans die Natur-
töne beschränkt, sondern kann innerhalb ihres Um-
fangs alle chromatischen Töne erzeugen. Es giebt
P. für alle Stimmen (Baß bis Diskant), die zu-
sammen einen Posaunenchor bilden, doch steht nur
noch die Tenor- und seltener die Altposaune im Ge-
brauch. Der Klangcharakter der P. ist prächtig und
von markiger Sonorität, dabei edel, würdevoll und
feierlich. In neuester Zeit hat man auch, an Stelle
der Züge, das System der Ventile auf die P. ange-
wendet. Die Ventilposaune, mit drei Ventilen
und einem Umfang vom großen U bis zweigestriche-
nen 0, klingt jedoch stumpf und hart. Die P. ist
hervorgegangen aus der röm. duccina. Sie findet
sich auf Bildern des 15. Jahrh, in einer 3-förmigen
Gestalt, war aber bereits um 1600 an Gestalt der
heutigen ziemlich ahnlich. Die moderne Zugposaune
war bereits dem 16. Jahrh, bekannt.
Posaunenfest, das jüd. Neujahrsfest (s. d.).
Pofcharewatz, s. Pozarevac.
Poschega, s. Pozega. ftoagen (s. d.).
Poscherun (Po^cherau), Dorf bei Tau-
Poschiavo (spr. poski-), deutsch Puschlav.
1) Landschaft im schweiz. Kanton Graubünden, liegt
im Gebiet der Aoda und erstreckt sich vom Ober-
cngadin, in rechtwinkliger Richtung nach Süden
sich abzweigend, von der Höhe des Verninapasses
(2330 m) bis zur Veltliner Grenze (520 m) in einer
Länge von 22 km. Links und rechts von hohen,
teilweise vergletscherten Gebirgen der Südrhätijchen
Alpen umschlossen, vereinigt das P. die Großartig-
keit der Hochalpen mit der Üppigkeit des Südens.
Während seine obersten Stufen durchaus alpinen
Charakter zeigen, hat der unterste Teil reiche Tabak-
felder, Nebengelände und Kastanienwaldungen auf-
zuweisen. Haupterwerbsquellen sind Alpenwirt-
schaft, Ackerbau und Tabakfabrikation. Die wichtig-
sten Ortschaften sind P. (f. unten), Le Prcse (s. d.)
und Vrusio (deutsch Brüs), Dorf und Hauptort
des Kreises Vrusio, in 755 m Höhe, mit (1888)
1165 E., darunter 200 Evangelische, Post, Tele-
graph, kath. und evang. Kirche (17. Jahrh.). Das
Thalwasser, derPoschiavino, entspringt mit drei
Quellen im Val Agone, Valle di Campo und auf
dem Berninapas; (Lago Vianco), bildet in der Thal-
stufe von P. den 1,8 ykm großen Lago di P.
(962 m), den er bei Meschino wieder verläßt und
mündet nach 32 km langem Lauf 2 km unterhalb
Tirano (Veltlin) in die Adda. Mit dem Engadm
und dem Veltlin ist das P. durch die Poststraße des
Verninapasses verbunden; nach Vormio führt ein
Saumpfad über den Passo di Val Viola (2460 m),
nach dem Lioignothal die Forcola di Livigno. -
Vgl. Leonhardi, Das Thal Poschiavino (Lpz^1859);
D. Marchioli, ätoi-ia cißiia Valw äi?. (^ondrio
1886). - 2) Dorf und Hauptort des Kreises P.
im Bezirk Bernina des schweiz. Kantons Graubün-
den, in der Landschaft P. und oberhalb des gleich-
namigen Sees in 1011 m Höhe, hat (1888) 3007
ital. E., darunter 684 Evangelische, Post, Telegraph,
alte stattliche Herrenhäuser, neuere Villen, kath.
Kirche (1412), cvang. Kirche (1642 - 49), Frauen-
kloster (1629), stattliches Rathaus; Tabak- und
Zündhölzchenfabrikation, Möbelschreinerei, Braue-
rei und Handel mit Veltliner Weinen.
Poschinger, Heinrich, Edler Ritter von, Staats-
beamterund polit. Schriftsteller, geb. 31. Aug. 1845 in
München, studierte dort und in Berlin Philosophie,
dann die Rechte, trat in den bayr. Staatsverwal-
tungsdienst und 1876 in den Neichsoienst. Er
wurde als ständiger Hilfsarbeiter zunächst imNeichs-
kanzlcramt, dann im Reichsamt des Innern ange-
stellt und zum kaiserl. Rcgierungsrat ernannt. Er
schrieb: "Die Lehre von der Befugnis zur Aus-
stellung von Inhaberpapieren" (Münch. 1870),
"Das Eigentum am Kirchenvermögen" (ebd. 1871),
"Beitrag zur Geschichte der Inhaberpapiere" (Er-
langen 1875), "Die Banken im Deutschen Reich,
Österreich und der Schweiz" (Bd. 1, ebd.1874-76;
Bd. 2, Jena 1877), "Bankwesen und Vankpolitik
in Preußen" (3 Bde., Verl. 1878-79), "Preußen
im Bundestag" (2. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1882 - 85),
"Lassalles Leiden" (anonym; 1. bis 3. Aufl., Verl.
1887), "Fürst Bismarck als Volkswirt" (2 Bde.,
ebd. 1889), "Aktenstücke zur Wirtschaftspolitik des
Fürsten Vismarck" (ebd. 1890 - 91), "Die wirt-
schaftlichen Verträge Deutschlands" (1. bis 3. Bd.,
ebd. 1892 -93), "Ein Achtundvierziger (L. Bu-
cher)" (3 Bde., ebd. 1889 - 94), "Fürst Bismarck
und die Parlamentarier" (Vd. 1, 2. Aufl., Vresl.
1894; Vd. 2, ebd. 1894), "Fürst Vismarcks An-
sprachen 1848-1894" (Stuttg. 1894).
Pose (frz.), Stellung, Haltung, besonders von
den körperlichen Attitüden (s. d.), aber auch von der
socialen Stellung gebraucht; posieren, eine be-
rechnete Körperhaltung annehmen.
Poseideön, der sechste Monat des attischen Ka-
lenders, benannt nach dem in diesen Monat fallen-
den Poseidonicnsest.
Poseidon (bei den Römern Neptunus), nach
der theogonischen Dichtung ein Sohn des Kronos
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