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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Potstone; Potsu; Pott; Pottasche; Pottendorf; Pottenstein; Potter

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Potstone - Potter

teils an der Havel, Wälder, buschige Hügel und Weinberge. In der Umgebung sind zu erwähnen nördlich der Stadt die russ. Kolonie Alexandrowka mit 14 russ. Wohngebäuden und einer russ. Kapelle, 1826 von Friedrich Wilhelm Ⅲ. erbaut; östlich davon der von Friedrich Wilhelm Ⅱ. angelegte Neue Garten mit dem Marmorpalais am Heiligen See, 1786‒96 erbaut und 1844 vollendet. Kaiser Wilhelm Ⅱ. bewohnte dasselbe vor seiner Thronbesteigung 1881‒88. Der Pfingstberg nordwestlich davon trägt ein großartiges dekoratives Gebäude mit zwei Türmen, die eine schöne Aussicht gewähren. Östlich der Stadt, jenseits der Havel, Schloß Babelsberg (s. d.), nördlich von diesem, durch den Griebnitzsee und Glienicker Lake geschieden, Klein-Glienicke mit dem Park und Schloß des Prinzen Friedrich Leopold auf dem Glienicker Werder, vom Prinzen Karl angelegt, das Palais des Prinzen Friedrich Leopold, ursprünglich ein Jagdschloß des Großen Kurfürsten; das Belvedere auf dem Brauhausberge (85 m) in der Teltower Vorstadt, mit schöner Aussicht, und weiter südlich auf dem Telegraphenberge das 1875‒79 von Spieker erbaute Astrophysische Observatorium, seit kurzer Zeit erweitert durch das Meteorologisch-magnetische Observatorium und das Geodätische Institut (s. d.). 8 km nördlich in der sich hier zu einem Landsee erweiternden Havel liegt die Pfaueninsel mit einem königl. Landhaus in Form einer verfallenen Burg und einem Park, Lieblingsaufenthalt Friedrich Wilhelms Ⅲ.

Geschichte. Die Stadt P. entstand um 1300 aus einem von Wenden bewohnten Fischerdorfe. Der Große Kurfürst ließ 1660‒82 das Schloß bauen, den Lustgarten anlegen, zog durch das Potsdamer Edikt vom 8. Nov. 1685 franz. Flüchtlinge heran und erhob P. zur Residenz. Ihren Glanz verdankt sie Friedrich d. Gr. Unter ihm entstanden Sanssouci und das Neue Palais sowie ein großer Teil der Parkanlagen und eine Anzahl auf königl. Kosten ausgeführter, bedeutender Privatbauten. Nächst ihm trug das meiste zur Verschönerung der Umgegend Friedrich Wilhelm Ⅳ. bei, der dieselbe unter Leitung Lennés und des Hofgärtners G. Meyer zu den herrlichsten Schöpfungen der Parkgärtnerei umgestalten ließ. Am 3. Nov. 1805 wurde in P. zwischen Preußen und Rußland ein Vertrag gegen Frankreich abgeschlossen. – Vgl. außer den Schriften des 1862 begründeten Vereins für P.s Geschichte: H. C. P. Schmidt, Geschichte und Topographie der Residenzstadt P. (Potsd. 1825); Geschichte der königl. Residenzstadt P. (hg. von A. R., ebd. 1883); Sello, P. und Sanssouci (Bresl. 1888); P., ein deutscher Fürstensitz (mit 30 Photogravüren, Berl. 1893); Grieben, Berlin, P. und Umgebungen (39. Aufl., ebd. 1894).

Potstone (engl., spr. -stohn, «Topfstein»), s. Chloritschiefer.

Potsu, chines. Name des Amu (s. d.).

Pott, Flüssigkeitsmaß, s. Pot.

Pott, Aug. Friedr., Sprachforscher, geb. 14. Nov. 1802 zu Nettelrede im Hannoverischen, widmete sich seit 1821 in Göttingen philol. Studien, war 1825‒27 Kollaborator am Gymnasium zu Celle und ging dann nach Berlin, wo er sich an der Universität habilitierte. 1833 wurde er Professor der allgemeinen Sprachwissenschaft an der Universität Halle, in welcher Stellung er 5. Juli 1887 starb. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete er durch seine «Etymolog. Forschungen» (2 Bde., Lemgo 1833‒36; 2. vollständig umgestaltete Aufl., 6 Bde., 1859‒76), eins der Hauptwerke der indogerman. Sprachwissenschaft, durch das die wissenschaftliche Lautlehre angebahnt und Bopps Forschungen wesentlich ergänzt wurden. Eine Übersicht über den «Indogerman. Sprachstamm» gab er in Ersch und Grubers «Allgemeiner Encyklopädie» (Sekt. 2, Bd. 18). Hierauf erschienen die Schriften: «De Borussico-Lithuanicae tam in slavicis quam letticis linguis principatu» (2 Abhandlungen, Halle 1837‒41), «Die Zigeuner in Europa und Asien» (2 Bde., ebd. 1844‒45), «Die quinare und vigesimale Zählmethode bei Völkern aller Weltteile» (ebd. 1847) und «Die Personennamen, insbesondere die Familiennamen und ihre Entstehungsarten» (Lpz. 1853; 2. Ausg., mit Register, 1859). Von seinen sehr zahlreichen kleinen Schriften seien genannt: «Die Ungleichheit der menschlichen Rassen hauptsächlich vom sprachwissenschaftlichen Standpunkte» (Lemgo 1856), «Doppelung als eins der wichtigsten Bildungsmittel der Sprache» (ebd. 1862), «Anti-Kaulen, oder mythische Vorstellungen vom Ursprung der Völker und Sprachen» (ebd. 1863). Auch gab er W. von Humboldts Schrift «Über die Verschiedenheiten des menschlichen Sprachbaues» nebst einer Einleitung «Wilhelm von Humboldt und die Sprachwissenschaft» (2 Bde., Berl. 1876; neue Ausg. 1880) heraus. – Vgl. P. Horn, August Friedrich P. (in Bezzenbergers «Beiträgen zur Kunde der indogerman. Sprachen», Bd. 13, Gött. 1888, S. 317 fg.). ^[Spaltenwechsel]

Pott, Percival, engl. Chirurg im 18. Jahrh., s. Pottsches Übel.

Pottasche, s. Kaliumcarbonat.

Pottendorf, Marktflecken im Gerichtsbezirk Ebreichsdorf der österr. Bezirkshauptmannschaft Wiener-Neustadt in Niederösterreich, an den Linien Wien-P.(Landegg)-Wiener-Neustadt und P.-Gramat-Neusiedl der Österr. Südbahn, hat (1890) 3272 E., ein Schloß; Baumwollspinnerei und Zwirnerei (die erste der Monarchie, 1804 gegründet).

Pottenstein, Stadt im Bezirksamt Pegnitz des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, an der Püttlach, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Bayreuth), hat (1890) 921 meist kath. E., Postexpedition, Telegraph, 2 Kirchen, ein Schloß, Rathaus (1892).

Pottenstein, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft Baden in Niederösterreich, an der Triesting und der Linie Leobersdorf-St. Pölten der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (264,73 qkm, 18261 E.), hat (1890) 2074, als Gemeinde 2184 E., Ruinen einer Burg; Baumwollspinnerei, Blech-, Metallwaren- und Drahtstiftfabriken, Dampfsägewerk, Brauerei, Handel mit Holz, Kohlen und Pech.

Potter, Paulus, holländ. Maler, geb. 20. Nov. 1625 zu Enkhuyzen, erhielt durch seinen Vater, Pieter P., der besonders feine Stillleben ausführte, den ersten Unterricht. Schon in seinem 15. Jahre lieferte er allgemein bewunderte Werke, und nachdem er sich 1649 im Haag niedergelassen hatte, sah er sich mit Aufträgen überhäuft. Besonders arbeitete er viel für den Prinzen von Oranien. Sein Fach war die Tier- und Landschaftsmalerei, doch zeichnete er sich hauptsächlich in der erstern aus. Die.Landschaften dienten ihm gewöhnlich nur, um Kühe, Schafe, Ziegen in einer ihrer Lebensweise entsprechenden Umrahmung darzustellen. Sein Kolorit ist ungemein glänzend, und so fein er auch alle einzelnen Teile ausführte, so wenig findet sich eine Spur von Steifheit und Manier. Gewöhnlich ar-^[folgende Seite]