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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reallexikon - Realschulen
wurden schon früher als volkswirtschaftlich Schaden
stiftend erkannt; da es sich indessen nm eine Be-
kämpfung mächtiger polit. Faktoren handelte, so
bedürfte es großer polit. Stürme, um die Grund-
entlastung durchzusetzen; so in Frankreich der Revo-
lution von 1789, in Preußen der Katastrophe von
1806, in Spanien des Nationalkrieges von 1811, in
den meisten kleinern deutschen Staaten und in Öster-
reich der Bewegungen von 1830 und 1848. Im
franz. Rechte räumten die Verhandlungen der Nacht
vom 4. Aug. 1789 und die folgenden Gesetze der-
art auf, daß nur noch ablösbare Renten ohne
Grundstückshaftung (0oclo civil Art. 530) bekannt
sind. In Deutschland sind die öffentlichen R. mit
Einschluß der auf der Grenze des öffentlichen und
des privaten Rechts stehenden Abgaben zur Unter-
haltung gemeinnütziger Einrichtungen und Anstal-
ten (Deichlasten, Kirchen- und Schulbaulasten) aus-
zuscheiden, welche nicht nur unablösbar fortdauern,
sondern auch selbstverständlich der Neubegründung
durch Normen des öffentlichen Rechts nicht ent-
zogen sind. DieAblöfungsgefetze gehen meistens
von dem Princip aus, daß, soweit die Ablösbar-
keit bestimmt werde, auch, um nicht von vorn
wieder anzufangen, die Neubegründung ausge-
schlossen werde (preuß. Gesetz vom 2. März 1850,
Abschnitt 2, §. 6; bayr. Gesetz vom 4. Juni 1848;
sächs. Gesetz vom 15. Mai 1851; württemb. Gesetz
vom 14. April 1848). Die österr. Gesetzgebung von
1848 bis 1850 ist provinziell sehr verschieden. Als
weiter lebensfähig bleiben übrig: feste Geldrenten,
wohl auch Kornrenten, deren Äblösbarkeit nur auf
bestimmte Zeit (Preußen: 30 Jahre) ausgeschlossen
werden kann' vergängliche Grundlasten, wie Leib-
zucht, Wittum. Fast allgemein wird sowohl dem
Verpflichteten als auch dem Berechtigten das Recht
zugestanden, auf Ablösung anzutragen. Daß der
Berechtigte nicht voll entschädigt wird, wenn er zu
Gegenleistungen verpflichtet ist und diese mit fort-
fallen, versteht sich von selbst. Bei der Feststellung
der Entschädigung soll daran festgehalten werden,
daß weder der Berechtigte eine starke Einbuße erleidet
noch dem Verpflichteten Schulden, welche er nicht
tragen kann, aufgebürdet werden. In Übereinstim-
mung damit steht, daß, wenn die Entschädigung
des Berechtigten in Grund und Boden besteht/dar-
auf gesehen'wird, daß der Restbesitz des Verpflich-
teten noch den Umfang bat, der die ordnungs-
mäßige Kultur gestattet. Wo die Anwendung dieser
Grundsätze auf Schwierigkeiten stößt und das
Staatsinteresse stark hervortritt, pflegt der Staat
einzuschreiten, indem er entweder einen Zuschuß
liefert oder, was gewöhnlicher geschieht, das Ab-
lösungskapital zinslos oder gegen einen mäßigen
Zins vorschießt und in einer Reihe von Jahren
prozentweise oder durch Annuitäten tilgen läßt.
Die Entschädigung besteht in manchen Fällen in
Grund und Boden, in den meisten in Feststellung
einer festen Geldrente oder Zahlung eines Kapitals.
In allen Fällen muh der Wert der Last für den
Berechtigten festgestellt werden. Ist das geschehen,
so kann ermittelt werden, welchen jährlichen Er-
tragswert der Grund und Boden nach Abzug der
Last für den Besitzer noch hat und hiernach die wirk-
liche Teilung des Grundstückes erfolgen. Indes wird
dies Verfahren im allgemeinen, weil es den Pflich-
tigen benachteiligt, mit vollem Fug als ungerecht
betrachtet und ist deshalb nur dann in Anwendung
gekommen, wenn die Berechtigten großen Einfluß
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
auf die Gesetzgebung auszuüben vermochten. Wird
dem Berechtigten ein Kapital gewährt, so ist der
durchschnittliche Jahreswert der Last mit Rücksicht
auf einen gesetzlich festzustellenden Zinsfuß mit einer
Reihe von Jahren zu multiplizieren und fo das Ent-
fchädigungskapital zu ermitteln. Der dem Berech-
tigten günstigste Zinsfuß, welcher bisher angenom-
men zu werden pflegte, war 4 Proz., so daß der
Pflichtige den 25fachen Betrag des Icchreswertes
zu zahlen hatte. Häusiger tritt mit Recht die Ent-
fchädigung mit dem 20- und 18fachen Betrag auf;
indes kommt auch namentlich da, wo der Charakter
der Last als privatrechtlicher nicht ganz feststeht, der
16-, 15- und 14fache Betrag vor. Kommen die
Leistungen nicht jährlich, sondern nur bei bestimm"
z ten Vorfällen, z. V. Verkäufen, vor, fo ist, wenn
sie nicht ohne Entschädigung aufgehoben werden,
die durchschnittliche Zahl der Fälle im Jahrhundert
zu ermitteln und hiernach der Jahreswert behufs
der Kapitalisierung festzustellen. Die Ausführung
ist nach dem Vorgange Preußens durch eigene, kol-
legialisch eingerichtete Behörden, die Generalkom-
missionen (s. d.), sehr erleichtert worden. Ferner
haben die Landrenten- oder Vooenrentenbanken
(s. d.) allen Beteiligten zur Erleichterung der finan-
ziellen Abwicklung des Ablöfungsgeschäfts große
Dienste geleistet.
Reallexikon, Realwörterbuch, s. Encyklo-
! pädie lVd.6, S.99a).
! Reallyceum, in Württemberg Bezeichnung für
! eine dem preuß. Realprogymnasium (s. Progym-
i nasium) entsprechende Anstalt.
Realmuto, ital. Stadt, s. Racalmuto.
Nealobligationen, soviel wie Pfandbriefe,
z Realpolitiker, ein Staatsmann, der sich in sei-
z nen Handlungen nur von den vorhandenen Um-
! ständen und Bedürfnissen bestimmen läßt, im Ge-
! gensatz zu den Politikern der Doktrin und der Phrase.
! Realprincip, s. Princip. - über das R. im
Strafrecht s. Ausland.
Realprivilegien, s. Privilegium.
Realprogymnasium, s. Progymnasium und
Realrechte, s. Sachenrecht. ^Realschulen.
Realschulen, cine Art von Höhern Schulen
(s. d.), die den Zweck hat, den höhern Verufsarten des
praktischen Lebens, für die ein Universitätsstudium
nickt erforderlich scheint, eine geeignete allgemeine
Bildung zu geben. Nachdem A. H. Francke und
seine Anhänger die Realien in den Schulunterricht
aufgenommen hatten, gründete Christoph Scmler
! 1738 in Halle eine mathem., mechan. und ökono-
^ mische Realschule. Auf diese wenig entwickelte und
nur kurze Zeit bestehende Anstalt folgten andere
Versucke, worunter die 1747 von Joh. Iul. Heckcr
in Berlin gestiftete "Königliche Realschule" am be-
deutendsten war, die 1822 durch A. G. Spilleke zeit-
gemäß ausgebildet wurde. Den ersten Versuch einer
einheitlichen Organisation der nach und nach ent-
standenen R. machte die prcuß. Regierung 1832.
! Einen Fortschritt brachte die 6. Okt. 1859 erlassene
"Unterrichts- und Prüfungsordnung der R. und
der höhern Bürgerschulen", welche R. erster und
zweiter Ordnung unterschied und von den letztern
! Unterricht im Lateinischen nicht forderte; als höhere
Bürgerschulen mit Berechtigungen wurden R. erster
Ordnung obne Prima angesehen. Den Erfahrungen
der letzten Zeit entsprachen die "Revidierten Lehr-
pläne für die höhern Schulen", welche durch die Ver-
ordnung vom 31.März 1882 eingeführt wurden. Diese
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