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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reduktion - Reduplikation
Reduktion (lat., "Zurückführung"), in der Che-
mie und metallurgischen Hüttenkunde ein
Prozeß, der bezweckt, einer Sauerstoff-, Chlor-, Jod-,
Brom- oder Schwefelverbindung ihren Sauerstoff,
Chlor, Jod, Brom oder Schwefel ganz oder teil-
weife zu entziehen. Die 3t. der Sauerstoffverbin-
dungen heißt auch Desoxydation. Zierher ge-
hört z.B. die Überführung einer höhern Oxydations-
stufe in eine niedrigere. So wird das Blei aus der
Bleiglätte und Mennige, Verbindungen von Blei
mit Sauerstoff, dadurch reduziert, daß man diese
mit Kohle glüht, die sich mit dem Sauerstoff der
Bleioxyde zu Kohlenfäure verbindet und das Blei
metallisch zurückläßt. Kupfer kann man aus einer
Kupfervitriollösung reduzieren, indem man Eisen
in letztere stellt, worauf sich das Kupfer mit roter
Farbe niederschlägt, indem es durch das Eisen, das
sich statt dessen auflöst, aus der Flüssigkeit verdrängt
wird. Hauptagentien, die reduzierend wirken, sind
z. V. die Glühhitze (Gold- und Silberoxyd werden
schon durch Glühen reduziert), der galvanische
Strom (unter dessen Einfluß selbst Kaliumoxyd re-
duziert wird), das Licht, besonders das blaue, vio-
lette und ultraviolette (die Photographie beruht
zum Teil aus der reduzierenden Wirkung des Lichts),
ferner die chem. Elemente und Verbindungen, die
reduzierend wirken, die sog. Reduktionsmittel,
wie Wasserstoff, Kohle, Kalium, Zinnchlorür, Eisen-
vitriol, schweflige und phosphorige Säure, Kohlen-
oxyd u. s. w. Von einem Reduktionsprozeh
spricht man auch in der Lötrobranalyse (s. d.), wie
man hier auch einen Teil der Flamme als Neduk-
tions flamme (s. Lötrohr) bezeichnet. Bei den
sämtlichen metallurgisch ausgeführten R. bedient
man sich nur der Kohle oder der bei der Zersetzung
der Kohle gebildeten Kohlenwasserstoffe als Desoxy-
dations- oder Reduktionsmittel, im chem. Labora-
torium kann es dagegen vorteilhaft fein, Wasserstoff
zu verwenden, teils weil hierdurch der beabsichtigte
Vorgang leichter verläuft, teils weil bei der An- !
Wendung von Kohle sekundäre Prozesse eintreten l
können. Wird Eisenoxyd durch Kohle reduziert, so >
verbindet sich das Eisen im Moment seiner Ent- "
stehlmg mit dem vorhandenen Kohlenstoff zu Kohlen- z
stoffeisen, das in dieser Form als Gußeisen bezeich-
net wird. Dieser sekundäre Prozeß ist in der me-
tallurgischen Gewinnung des Eisens erwünscht;
will man aber chemisch reines Eisen herstellen, so hat
man die Möglichkeit der Bildung des Kohlcnstosf-
eisens auszuschließen und reduziert daher das Eisen-
oxyd durch Glühen in einem Strom von Wasser-
stoff, wobei letzterer sich mit dem Sauerstoff zu
Wasser verbindet, während das Metall abgeschieden
wird. Für Chlor-, Brom- und Iodvcrbindungen
bilden Kalium, Natrium und Magnesium sehr kräf-
tige Reduktionsmittel.
Bei Münzen, Maßen, Gewichten und an-
dern meßbaren Größen bezeichnet man mit N. den
Ausdruck einer nach einem Maße gemessenen Größe
in einem andern Maße. So reduziert man Mün-
zen des einen Landes auf Münzen eines andern,
ein Längenmaß, ein Gewicht auf das andere. Zur
Erleichterung dieser im Verkehr so häusig vorkom-
menden Rechnungen hat man Reduktionstab el-
len für Münzen, Maße und Gewichte, für Maße
wohl auch Reduktionsmaßftübe, Reduktionszirkel
(s. d.) u. s. w.
In der Mathematik ist R. die Verkleinerung
in einem bestimmten Verhältnisse, was dann auch
bildlich übertragen wird, so daß man z. B. von der
R. des Zinsfußes bei Staatsanleihen, von reduzier-
ten Vcrmögensverhältnissen u. s. w. spricht.
Reduktion auf den leeren Raum, eine bei
genauen Wägungen vorzunehmende Rechnung,
welche den Auftrieb (s. d.) berücksichtigt, den sowobl
die zu wägenden Körper als auch die Gewichtsstücke
in der umgebenden Atmosphäre erleiden. Bezeichnet
man mit V das Volumen des zu wägenden Kör-
pers, mit v dasjenige der Gewichtsstücke (beide Grö-
ßen in Kubikzentimetern) und mit X das Gewicht
von 1 ccm Luft in Grammen, fo verliert der Körper
durch den Auftrieb der Luft X-V Gramm und die
Gewichtsstücke X - v Gramm. Wenn nun das wahre
Gewicht des Körpers mit I> und dasjenige der Ge-
wichtsstücke, die ihm in der Luft das Gleichgewicht
halten, mit p bezeichnet wird, so gilt die Gleichung
k - X-V^p - X v. Da aber auch V-^-und
v -- ^, wobei 8 das specifische Gewicht des Kör-
pers und 8 dasjenige der Gewichtsstücke bedeu-
tet, so ergiebt sich für ? der Wert I> -- p
3
oder wenn man den Bruch auf wenige Glieder aus-
dividiert: r^P^I -- >^V
Für X kann der Mittelwert 0,0012 gesetzt werden.
Je nachdem das specifische Gewicht des zu wägen-
den Körpers kleiner oder größer ist als dasjenige
der Gewichtsstücke, findet sich das wahre Gewicht des
Körpers größer oder kleiner als das scheinbare.
Reduktionsflamme, s. Lötrohr.
Reduktionsklage, s. Vorbehalt.
Reduktionsventil, s. Reduzierventil.
Reduktionszirkel, ein Zirkel, der beliebige
Längen aus einer Zeichnung oder Karte im be-
stimmten Verhältnis vergrößert oder verkleinert
unmittelbar abzunehmen gestattet. Die Konstruktion
des R. beruht darauf, daß die Schenkel eines Zirkels
über den Drehpunkt hinaus verlängert sind und daß
die Länge der beiderseitigen Schenkel das beabsichtigte
Reduktionsverhältnis darstellt. Die Zirkelschenkel
sind meist rahmenförmig ausgeschnitten, so daß der
Drehpunkt beliebig verschoben und auf verschiedene
Verhältnisse, die aus einer Bezifferung auf dem Nah-
men ersichtlich sind, eingestellt werden kann. Eine
besondere Art der R., bei der der Drehpunkt nicht
verschiebbar ist, ist der Halbierungszirkel.
Reduplikation (lat., "Verdoppelung"), in der
Grammatik die vollständige oder teilweise Wieder-
holung von Wörtorn oder Wortsilben zum Aus-
druck bestimmter Bedeutungsveränderungen. Die
vollständige R. findet sich häufig zur Bezeichnung
der Wiederholung einer Handlung, zum Ausdruck
der Verstärkung bei adjektivischen Worten, zum
Ausdruck der Mehrzahl bei Substantiven u. s. w.
in vielen Sprachen, z. V. in der Kaffernsprache
danida. (gehen), ^nidHliHinda. (herumlaufen). In
den indogerman. Sprachen ist die vollständige R. ver-
hältnismäßig selten, z. B. im griech. niHriulnrö, d. i.
inar-inHi'^0 (glänzen) und inki-mai-oä (Marmor),
dagegen die teilweise R. beim Verbum (redupli-
zierende Verben) sehr häusig. So ist ursprüng-
lich das Perfektum mit solcher gebildet, z.V. grieck. 1s-