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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Regalecus - Regatta
vom Salso, hat (1881) 10017 E., Gewinnung von
Schwefel, Steinsalz und Gips und Weinbau.
R.0F2.1eou8, s. Heringstönig.
Regalien (lat.^ui-H i-6^1ia/d. i. königl. Rechte),
früher der technische Ausdruck für die der obersten
Gewalt als solcher zukommenden oder vorbehalte-
nen Rechte. Der Name entstand im Mittelalter
innerhalb der unklaren Auffassung, daß die fort-
bestehende Volksfreiheit seit dem Aufkommen der
königl. Macht mit fest bestimmten Servituten belastet
sei, deren Ertrag den: Regenteneigentum des Herr-
schers zuwachse. So ward die pflichtmäßige Befug-
nis des Reichsoberhaupts und seiner Vertreter, den
allgemeinen Rechtszustand (f. Friede) zu bewahren,
überwiegend alsNechtstitel zur Erhebung vonFried-
bruchstrafeu, Vannbußen, Gerichtsabgaben, Schutz-
und Geleitsgeldern, die Sorge für den Verkehr als
Gegenleistung für Zölle, Brücken-, Markt- und
(^tädtegelder angesehen, und selbst die wachsende
Einsicht in das Wesen des Staates und in die Man-
nigfaltigkeit der öffentlichen Aufgaben stand geraume
Zeit fast nur im Dienste der fiskalischen, nach neuen
Einnahmequellen herumspürenden Begehrlichkeit.
Hierin ist der Ursprung vieler, teilweise erst nach
Entstehung der Landeshoheit (s. d.) und uicht überall
gleichförmig entwickelter R. zu suchen, namentlich
des Berg-, Forst-, Jagd-, Fluh- und Salzrcgals, des
Rechts auf herrenlose Sachen. Sogar das Münz-
recht wurde lange nur wegen des Einkommens aus
dem Schlagschatz gehandhabt, und wenn auch bei
Begründung des neuern Postregals die Rücksicht auf
das Gemeinwohl allein entscheidend war, so brachte
sich doch in den von manchen Regierungen bean-
spruchten Monopolen (s. d.) das rein finanzielle
Interesse immer wieder zur Geltung. Seit der klarern
Auffassung des Staatsbegriffs suchten die Juristen
ein richtigeres Verständnis über das Wesen aller
dieser Gerechtsame durch die Unterscheidung zwischen
höhern und niedern R. (re^Iia m^oin und ini-
noi'ü) zu erzielen. Jene sind die aus dem Wesen der
obersten Gewalt notwendig und unveräußerlich her-
vorgehenden Rechte, nämlich die gesetzgebende, oberst-
richterliche, oberaufsehcnde und vollziehende Ge-
walt, während die übrigen R. als niedere nur eine
wirtschaftliche oder finanzielle Bedeutung haben.
Als R. in diesem letztern, engern Sinne werden
wohl auch heute noch genannt, wenn auch mit Un-
recht, der Post- und Telegraphenbetrieb und die
Münzprägung. Dagegen sind die Stellermonopole,
wie das Salzmonopol, das Tabaksmonopol, das
Branntweinmonopol u. s. w. nur besondere Formen
der Erhebung von indirekten Steuern. Die Bezeich-
nung der Staatshoheitsrechte als röFaiia. in^oru.
schwindet jedoch gleichfalls mehr und mehr aus der
Litteratur und man bezeichnet als R. nur diejenigen
nutzbaren Rechte, welche auf privatrechtlichem Ge-
biete dem Staate vorbehalten blieben, z. V. das
Vernsteinregal (s. Bernstein, Bd. 2, S. 840 d), das
Fischereirecht (s. d.) im Küstenmeer u. dgl. - Vgl.
Strauch, Über Ursprnng und Natur der R. (Er-
langen 1865), sowie die Lehrbücher des deutschen
Privatrechts von Gerber, Veseler, l^tobbe, Roth.
Im gallikanischcn Kirchen recht wird R.
oder Regalien recht eine Einrichtung genannt,
wonach der König die Befugnis hatte, bei Vakanz
von gewissen Bistümern und Abteien die Einkünfte
bis zur Wiederbesctzung zu beziehen und die geist-
lichen Stellen in der Diöcese zu besetzen. Der Ur-
sprung jenes Rechts ist nicht völlig aufgehellt; jeden-
falls bestand das Recht nur für einzelne Diöcesen
und Abteien kraft besondern Titels. Als Ludwig XIV.
das Regalienrecht auf alle Diöcesen ausdebnen
wollte, entstand hierüber ein schwerer .stampf mit
der Kurie, welcher dazu führte, daß der Papst keine
franz. Bischöfe mehr konfirmierte, so daß ein Drittel
der franz. Bistümer unbesetzt war. Auf der ^8-
86inl)i6" än ei6i'A6 ä6 i^-anos von 1681 formulierte
der franz. Episkopat im Zusammenhange mit dem
Streit über das Regalienrecht neuerdings die galli-
kanischen Freiheiten (s. Gallikanische Kirche) wider
den Papst; zwar erklärte Alexander VIII. diese Be-
schlüsse für uichtig, gleichwohl blieben sie noch über
ein Jahrhundert die Grundlage des franz. Kirchen-
rechts, über das Negalienrecht kam es 1093 zu einem
Ausgleiche, in dem Ludwig XIV. im wesentlichen die
Forderungen Innocenz'XlI. zugab. - Vgl. Phillips,
Das Regalienrecht in Frankreich (Halle 1873).
Negalienfeld, im Wappen, s. Blutfahne.
Regalieren (frz.), bewirten.
Regardieren (frz.), beobachten, berücksichtigen.
Regatta (ital.), ursprünglich die in Venedig von
der Piazzetta aus stattfindende Wettfahrt auf den
die Stadt durchkreuzenden Kanälen; gegenwärtig
überhaupt Wettfahrt auf dem Wasser. Man unter-
scheidet offene R., d. h. solche, die öffentlich ausge-
schrieben und von allen Vereinen des Ruder- oder
Seglerverbandcs mitgemacht werden können, und
interne R., die nur von einem Verein abgehalten
werden. Zur Teilnahme an N. werden in Deutsch-
land nur "Amateure", d. h. solche Mitglieder von
wassersportlichen Vereinen zugelassen, die den Wasser-
sport (Rudern oder Segeln) nur aus Liebhaberei
und mit eigenen Mitteln betreiben und kein Geschäft
daraus machen. Seit 1. Jan. 1884 wird in Deutsch-
land bei keiner R. mehr um Geldpreise gestartet.
Neben Ehrenzeichen, die unmittelbar in den
Besitz der Gewinner übergehen, kommen auch sog.
Herausforderungspreise, d. h. solche, die erst
nach mehrmaligem Siege endgültig gewonnen wer-
den, und ferner Wanderpreise, d.h. solche, die nie
endgültig gewonnen werden, sondern die nur stets
ein Jahr lang in der Hand des Siegers bleiben, zur
Verwendung; für verfchiedene R. find von den Kai-
sern Wilhelm 1. und Wilhelm II. Ehrenpreise, meist
als Wanderpreise gestiftet worden, die die Vezeich-
uung Kaiserpreis tragen. Ruderregatten zer-
fallen in mehrere Nennen oder Races, auch
Matches genannt, deren jedes nur Boote mit
gleicher Mannschaftszahl und Bauart enthält. Der
Förderung der Ruderregatten in Deutschland widmet
sich der "Deutsche Rudcrverband"; er veranstaltet
die großen N. und setzt auch deutsche Meisterschafts-
rennen an. Am Rhein finden auch Rennen um die
"Rhcinmeisterschaft" statt. Segelregatten be-
stehen in der Regel aus einer Wettfahrt, an der
Boote verschiedener Größe und Besegelung, in Klas-
sen eingeteilt und innerhalb der Klassen je nach ihrer
Leistungsfähigkeit mit einer Ieitvergütung berück-
sichtigt, gleichzeitig teilnehmen. Die Ausschreibung
von offenen Segelregatten erfolgt durch den "Deut-
schen Segler-Verband"; er veranstaltet Seeregatten
für die großen Segeljachten, Binnen- und Fluh-
regatten für die kleinern Boote.
Für jede N. werden Schiedsrichter, Zielrichter,
Starter und Bahnmeister gewählt, die die Aufsicht
beim Rennen und die Entscheidung bei Streitig-
keiten haben. (S. auch Nudersport und Segelsport.)
Die meisten und bedeutendsten N. finden in Eng-