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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reichsdukaten - Reichsgericht
digem Vertreter; 19 Personen führen die Verwal- !
tungs- und Kassengeschäfte- den technischen Betrieb ,
leiten einOberbetriebsinspettor, zweiVetriebsinspek- ^
toren, zwei Abteilungsvorsteher; beschäftigt werden !
46 Wertleute und Künstler und 1266 Arbeiter, für z
die verschiedene Woblfabrtseinrichtungen bestehen. !
Reichsdukaten, s. Dukaten.
Reichseisenbahnamt, f. Eisenbahnbehörden
(Bd. 5, S. 847 a).
Reichseisenbahnen, die dem Reick gehörigen !
Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen. Sie stehen unter
derKaiserl. General-Direttion zu Straßburg und um-
fassen im wesentlichen die auf Grund des Frankfurter
Friedcusvertrags vom 10. Mai 1871 von der Fran-
zösischen Ostbahngesellschaft (s. Französische Eisen-
bahnen) erworbenen Linien (746,4 km), die 1871 an-
gekaufte, früher von der Ostbahn betriebene Strecke
Colmar-Münster i. Els. (18,6 km), die 1881 erworbe-
nen Linien Saarburg-Saargemünd und Courcelles-
Teterchen der Lothringischen Eisenbabugesellschaft
(84,5 km) und die 1872 angepachteten im Großber- !
zogtum Luxemburg belegenen Strecken der König- ^
lich Großherzoglich Wilhelm-Luxemburgischen Eisen- ,
babugesellschaft mit den .Hauptlinien Luxemburg- ^
und Luxemburg- >
Wasserbillig. Der Kaiserl. Geueraldirettion unter- .
stehen die 7 Betriebsdircktionen Mülhausen, (5ol- !
mar, Straßburg I und II, Saargemünd, Metz,
Lurcmburg, ferner 8 Verkehrsinspcttionen, 1 Tele- !
grapheninspektion und 8 Maschineuinspektionen.
Nach Abzug der an die Königlich Preuß. Eisen-
bahndirektion in Köln (linksrheinische) verpachteten
1/il km langen Strecke Saargemünd-Preuß. Grenze
unterstehen der Generaldirektion 1412,86 km Reichs-
bahnen und 190,6i km Pachtstrccken, von welchen
)l,95 km auf die der Schweiz. Centraldahn gehörige
Balmstrecke von der Reichsgrenze bei St. Ludwig bis
Bahnhof Basel und 186,66 km auf die im Großher-
zogtum Luxemburg der Wilhelm-Luxemburgischen
Eisendahngesellschaft konzessionierten Bahnen ent-
fallen, so daß die Gesamtlänge der von der General-
direktion verwalteten Eisenbahnen 1. April 1893
1602,43 km (davon 289,4? km Nebenbahnen) be-
trägt. Über Vetriebsverbältnisse, Betriebsmittel
u. s. w. s. Deutsche Eisenbahnen (Bd. 4, S. 1000 fg.).
Einschließlich des imFrantfurter Frieden festgesetzten
Kaufpreises von 260 Mill. M. für die Eisenbabn-
strecken der Franz. Ostbahn wurden vom Reich bis
zum Schluß des Rechnungsjahres 1892 93:489 Mill.
M. auf die elfaß-lothr. Bahnen verwendet.
Reichserbämter, s. Erbämter.
Reichserzämter, s. Erzürnter.
Reichsfarben, deutsche, s. Deutsche Farben.
Rcichsfechtfchule, s. Teutsche Reichsfcchtsckule.
Reichsfestungen, die in Elsaß-Lotbringen be-
sindlichen Festungen Metz, Straßburg, Diedenhofen
u. s. w. (S. Deutsches Festungssystem.)
Reichsfinanzen des Deutschen Reichs, s.
Deutschland und Deutsches Reich (Bd. 5, S. 150 fg.).
Reichsfolge, im alten Deutschen Reicke die
Stellung der in deu Römermonaten ausgeschrie-
benen Reichskontingente.
Reichsfrei, nach der VerfaMng des alten
Deutschen Reichs uur dem Kaiser und dem Reich
Unterthan; Reichsfreiheit, soviel wie Reichsun-
mittelbarkeit. Kation.
Reichsfriedensdeputationen, s. Neichsvepu
Reichsfürsten, im alten Deutschen Reiche seit
dem 12. Jahrh, diejenigen Personen, welche ein
Neichslehn unmittelbar vom Kaiser empfangen und
keinen andern weltlichen Lehnsherrn als den Kai-
ser oder König hatten. Dahin gehörten die Erz-
bisch öfe, reichsunmittelbaren Bischöfe und Übte und
die Inhaber der Herzogtümer, Pfalzgrafschaften,
Markgrafschaften und gefürstetenGraffchaften. Seit
dem 16. Jahrh, heißen diejenigen Landesherren R.,
welche Sitz und Stimme im Deutschen Reichstag
haben; sie sind geteilt in die altfürstlichen und
die neu fürstlichen Häuser (s.Altsürstliche Häuser).
Die Kaiser nahmen das Recht in Anspruch, den
Reichsfürstenstand zu erteilen; infolge des Miß-
brauchs, welchen die Habsburger im 17. Jahrh,
mit diesem Recht trieben, wurde aber die Zulassung
der Fürsten zum Reichs fürst en rat <s. Reichs-
tag) von einem Beschluß desselben abhängig ge-
macht. Die nicht zugelassenen wurden dann als
Titularreichsfürsten bezeichnet.
Reichsgericht. Im alten Deutschen Reiche gab
es außer den Reichsuntergerichten (zu Nottweil,
auf der Leuttircher Heide und zu Nürnberg) als
bockste R. das Reichskammergericht (s. d.) und den
Reichshofrat (s. d.). Im neuen Deutschen Reiche
trat an Stelle des bei Gründung des Deutschen
Reichs bestehenden Oberhandelsgerichts (s. Reichs-
oberhandelsgericht) und einer Anzahl oberster Law
desgerichte mit Ausführung der in Art. 4, Nr. 13
der Reichsverfassung dem Reiche vorbehaltencn ge-
meinsamen Gesetzgebung über das gerichtliche Ver-
fahren durch die fog. Reichsjustizgefetze (f. Justiz-
gesetze) das R. als höchster Gerichtshof des Deut-
schen Reichs für bürgerliche Rcchtsstreitigkeiten und
^ür Strafsachen. Dasselbe erhielt nach dem Gesetz
vom 11. April 1877 seinen Sitz in Leipzig und trat
dort 1. Okt. 1879 ins Leben. Nach dem Gerichts-
verfassungsgesetz vom 27. Jan. 1877, ßß. 125-141,
wird das R. mit einem Präsidenten und der erfor-
derlichen Anzabl von Senatspräsidentcn und Räten
besetzt, die auf Vorschlag des Bundesrats vom
Kaiser ernannt werden. Mitglied des R. kann nur
werden, wer die Fähigkeit zum Richteranite in
einem Bundcsstaate erlangt und das 35. Lebens-
jahr vollendet bat. Bei dem R. werden Civil- und
Straffenate gebildet. Die Zahl derselben bestimmt
der Reichskanzler. Die Zuziehung von Hilfvrich-
tern ist unzulässig. In bürgerlichen Rechtsstreitig-
keiten ist das R. zuständig für die Verbandlung
und Entscheidung über die Rechtsmittel: 1) der
Revision gegen die Endurteile der Oberlandes-
gerichte; 2) der Beschwerde gegen Entscheidungen
der Oberlandesgerichte. (Über die Ausnahmestel-
lung von Bayern s. Oberappellationsgericht.) In
Strafsachen ist das R. zuständig: 1) für die Unter-
suchung und Entscheidung in erster und letzter
Instanz in den Fällen des Hochverrats und des
Landesverrats, insofern diese Verbrechen gegen
den Kaiser oder das Reich gerichtet sind; 2) für die
Verbaudlung und Entscheidung über die Rechts-
mittel der Revision gegen die Urteile der Straf-
kammern in erster Instanz, insoweit nicht die Zu-
ständigkeit der Oberlandcsgerichte (s. d.) begründet
ist, und gegen die Urteile der Schwurgerichte: 3) so-
fern die Staatsanwaltschaft es beantragt, für die
Verbandlung und Entscheidung über das Rechts-
mittel der Revision gegen Urteile der Strafkammern
in der Berufungsinstanz in Fällen der Zuwider-
bandluug gegen die Vorschriften über die Erhebung
öffentlicher in die Reichvkasfe fließender Abgaben
und Gefalle. Dem R. steht ferner zu die höchste Env
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