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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Richter (Ludwig)

künstlerische Form, und in dieser Hinsicht kann keins seiner Werke als vollendet gelten. Ein charakteristischer Beweis dafür ist auch, daß er nie im stande war, seine Poesie in feste metrische Form zu fassen. Hiermit hängt zusammen der übertriebene Gebrauch, den er von seiner umfassenden und mannigfaltigen Gelehrsamkeit macht, das Übermaß in Anwendung von Bildern, wo der Witz sich nicht selten auf Unkosten des Gefühls geltend macht, die unbefangene Harmlosigkeit, mit der er seine Gedankenspäne ausschüttet. Von Komposition hat er keinen Begriff; selbst sein Geschmack ist sehr unsicher; er gefällt sich in Schrullen und Capricen. Am besten gelungen sind ihm kleine idyllisch-humoristische Bilder.

Von R.s humoristischen Dichtungen sind noch zu erwähnen: "Dr. Katzenbergers Badereise" (3 Bde., Heidelb. 1809; hg. von O. Sievers in der "Bibliothek der deutschen Nationallitteratur des 18. und 19. Jahrh.", Lpz. 1879), "Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz" (Tüb. 1809), "Leben Fibels" (Nürnb. 1811), "Der Komet, oder Nikolaus Marggraf" (3 Bde., Berl. 1820-22). Werke philos. Inhalts sind die "Vorschule der Ästhetik" (3 Bde., Hamb. 1804; 2. Aufl., Tüb. 1813) und "Levana oder Erziehungslehre" (2 Bde., Braunschw. 1807; 4. aus dem litterar. Nachlaß vermehrte Aufl., Stuttg. 1861; vgl. O. Kayser, Edelsteine aus Jean Pauls Levana, Lpz. 1879). In Rücksicht auf Zeitereignisse schrieb er die "Friedenspredigt an Deutschland" (Heidelb. 1808), "Dämmerungen für Deutschland" (Tüb. 1809), "Mars und Phöbus' Thronwechsel im J. 1814" (ebd. 1814) und "Polit. Fastenpredigten" (Stuttg. und Tüb. 1817), in denen er in seiner Weise strafte, tröstete und erhob. Die Sammlung seiner "Sämtlichen" Werke", die er kurz vor seinem Tode vorbereitete, umfaßt 65 Bände (Berl. 1826-38 u. ö.). Dazu kommen noch "Polit. Nachklänge" (hg. von E. Förster, Heidelb. 1832), "Der Papierdrache", sein letztes Werk (hg. von E. Förster, 2 Bde.; Frankf. 1845), "R.s Briefwechsel mit seinem Freunde Chr. Otto" (4 Bde., Berl. 1829-33), "Briefwechsel zwischen Heinrich Voß und Jean Paul" (hg. von Abraham Voß, Heidelb. 1833), "Jean Pauls Briefe an eine Jugendfreundin" [Renata Otto] (hg. von J. Fr. Täglichsbeck, Brandenb. 1858), "Briefe von Charlotte von Kalb an Jean Paul" (hg. von P. Nerrlich, Berl. 1882), "Denkwürdigkeiten aus dem Leben R.s" (hg. von E. Förster, 4 Bde., wovon drei nur Briefe enthalten, Münch. 1863). Eine vollständige Ausgabe seiner Werke mit einer Biographie von Gottschall erschien in 60 Teilen (Berl. 1879), eine Auswahl in 31 Bänden (ebd. 1879), in 6 Bänden von Nerrlich (in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur", Stuttg. 1883-88).

Einen Schlüssel zur tiefern Einsicht in das Wesen dieses Schriftstellers gewährt das von ihm selbst begonnene, dann aus seinen Papieren, Briefen und mündlichen Überlieferungen von Chr. Otto und E. Förster fortgesetzte Werk "Wahrheit aus Jean Pauls Leben" (8 Bdchn., Bresl. 1826-33). Außerdem vgl. Spazier, Jean Paul Friedrich R., ein biogr. Kommentar zu dessen Werken (5 Bde., Lpz. 1833); Nerrlich, Jean Paul und seine Zeitgenossen (Berl. 1876); ders., Jean Paul, sein Leben und seine Werke (ebd. 1890); J. Müller, Jean Paul und seine Bedeutung für die Gegenwart (Münch. 1894); ders., Die Seelenlehre Jean Pauls (ebd. 1894).

Richter, Ludwig, Maler, geb. 28. Sept. 1803 zu Dresden, erhielt den ersten künstlerischen Unterricht durch seinen Vater Karl August R., einen geschickten Kupferstecher im landschaftlichen Fache. Der Sohn sollte ebenfalls Kupferstecher werden, erhob sich aber bald zur künstlerischen Selbständigkeit, bestärkt durch Vorbilder Chodowieckis und gefördert durch die Landschaftsmaler Dahl und Friedrich. Von einer 1820 mit dem Fürsten Narischkin unternommenen Reise durch Frankreich im Sommer 1821 nach Dresden zurückgekehrt, erhielt er durch den dortigen Buchhändler Arnold die Mittel zu mehrjährigem Aufenthalt in Italien, wo er sich 1823-26 unter dem Einfluß Jos. Ant. Kochs und J. Schnorrs ausbildete und bereits 1824 mit einem Bilde des Watzmann Erfolg hatte. Sein nächstes Ziel wurde die bedeutendere Belebung der Landschaft durch die menschliche Gestalt. Aus dieser Richtung ging eine innige Verschmelzung von Genre und Landschaft hervor. Großenteils sind die Gegenstände dem ital. Naturleben entnommen; manche gehören aber auch dem deutschen Leben an. Aus dieser Zeit stammt Rocca di Mezzo (1825) und Thal bei Amalfi mit Aussicht auf den Golf von Salerno (1826; beide im Museum zu Leipzig. Von R. selbst radiert). R. war 1828 nach Meißen übergesiedelt, um als Lehrer an der mit der Porzellanmanufaktur verbundenen Zeichenschule zu wirken; in dieser Zeit hauptsächlich mit Radierungen nach seinen ital. Studien beschäftigt, malte er als Ergebnis einer Elbthalfahrt das Bild Ruine Schreckenstein (1835; Museum in Leipzig. 1837; Galerie zu Dresden), Ariccia und Civitella (für Herrn von Quandt). Nach Aufhebung der Meißner Zeichenschule 1836 lebte er dauernd in Dresden und widmete sich neben der Thätigkeit als Lehrer der Landschaftsmalerei an der Kunstakademie und neben der Ausführung von Gemälden, wie: Landschaft im Riesengebirge (1839; Nationalgalerie zu Berlin), Landleute im Gebet (1842), Erntezug in der röm. Campagna (1843; letztere beide im Museum zu Leipzig), seit 1841 mit Vorliebe der bildlichen Bearbeitung der deutschen Volksdichtungen. Einigen frühern Radierungen, wie Rübezahl und Genoveva, folgten viele ansprechende Blätter zum "Malerischen und romantischen Deutschland", denen sich Holzschnitte für Märchen, Legenden u. s. w. anschlossen. Mit dieser Thätigkeit erreichte R. erst seine Bedeutung als gemütvoller Schilderer idyllischer Scenen aus dem Volksleben. Dabei hat er das große Verdienst, den Holzschnitt nach dem Vorbilde Dürers auf seine ursprüngliche Einfachheit zurückgeführt zu haben. Es entstanden: 1838 Bilder zu den "Deutschen Volksbüchern", hg. von Marbach, 1840 zu Dullers "Geschichte des deutschen Volks", 1841 zum "Landprediger von Wakefield", 1842 zu Musäus' "Volksmärchen" und zu Nieritz' "Kalender", 1844 und 1846 zu den "Studenten- und Volksliedern"; ferner zahlreiche Kompositionen zu Reinicks Schriften, den Jugendblättern des G. Wigandschen Verlags, Scherers Kinderliedern, den Märchen von Keil, dem Robinson, zur "Schwarzen Tante", zu Horns "Spinnstube" u. a.; 1852 das "Kinderleben" (6. Aufl. 1868), 1853 das illustrierte Bechsteinsche "Märchenbuch", 1851-55 "Beschauliches und Erbauliches" (Probe daraus s. Tafel: Deutsche Kunst VII, Fig. 6) und das "Goethe-Album", 1855 "Christenfreude", 1856 das Vaterunser, 1857 die Bilder zu Schillers "Glocke", 1858-61 die vier Hefte "Fürs Haus", 1860 "Der gute Hirt", 1861 der Sonntag, 1862 Es war einmal, 1864 der Neue Strauß, 1866 Unser täglich Brot,