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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rigveda - Rillen
Rigvēda (Rigweda, im Sanskrit Ṛgvēda), Name des ältesten Denkmals der ind. Litteratur. Der R. besteht ans 10 Büchern (maṇḍala) mit 1017 Hymnen (sūkta). Buch 2-7 enthalten der Reibe nach die Lieder der Familien des Gṛtsamaḍa, Viçvāmitra, Vāmadēva, Atri, Bharadvādscha, Basishṭha; Buch 8 vorzugsweise Lieder der Kāṇvās und Āngirasās; Buch 1, 9, 10 enthalten Lieder von verschiedenen Verfassern. In sich sind die einzelnen Bücher wieder nach bestimmten Grundsätzen mehr oder weniger genau geordnet. Der R. ist in zwei Recensionen vorhanden; in der uns bis jetzt allein bekannten der Çākalās und der sich davon nicht sehr beträchtlich unterscheidenden der Bāshkalās, und liegt in zwei Gestalten vor, in dem sog. Saṃhitāpāṭha, der die durch das Sanskrit geforderten euphonischen Gesetze der Sprache beobachtet, und dem Padapāṭha, der die Worte in der Gestalt aufführt, die sie außerhalb des Zusammenhanges der Rede haben würden, und zur Erleichterung des Verständnisses später hergestellt worden ist. Der Inhalt des R. ist vorwiegend ein religiöser. Die Lieder weltlichen Inhalts beziehen sich zum Teil auf histor. Ereignisse, auf Siege im Wettrennen, sie preisen freigebige Männer (die sog. dānastustis, die meist einen Anhang zu den religiösen Liedern bilden), sind Zauber- und Beschwörungslieder, einige auch humoristischen Inhalts u. s. w. Die Lieder stammen aus ganz verschiedenen Zeiten und setzen eine reiche Litteratur und einen weit vorgeschrittenen Kulturzustand voraus. Tilak ("The Orion or researches into the antiquity of the Vedas", Bombay 1893) und Jacobi ("Festgruß an Rudolf von Roth", Stuttg. 1893, S. 68 fg.) haben unabhängig voneinander auf Grund astron. Berechnungen die Kulturperiode des R. auf 4500 (4000)-2500 v. Chr. angesetzt, und Jacobi ist geneigt, die Lieder des R. in die zweite Hälfte dieses Zeitraums zu setzen. Der Wert des R. ist ein doppelter. Er enthält die älteste Kunde, die wir über das ind. Volk haben, und ist daher auch für die gesamte Religions- und Kulturgeschichte von unschätzbarem Werte. Sodann ist seine Sprache in vielen Punkten beträchtlich älter als das sog. klassische Sanskrit, und daher äußerst wichtig für die vergleichende Grammatik der indogerman. Sprachen.
Die erste vollständige Ausgabe des R. gab Aufrecht heraus in Webers "Ind. Studien", Bd. 6 u. 7 (Berl. 1861-03; neue Ausg., selbständig, mit Einleitung, Registern u. dgl., Bonn 1877). Mit dem Kommentar des Sājaṇa gab ihn heraus Max Müller (6 Bde., Lond. 1849-74). Eine 2. Auflage erschien in 4 Bänden (Lond. 1890-92). Ohne Kommentar gab ihn Max Müller heraus (2 Bde., 2. Aufl., Lond. 1877). Eine neue Ausgabe, die versuchen soll, den Text in seiner ursprünglichen Gestalt herzustellen, hat Oldenberg begonnen: "Die Hymnen des V.", Bd. 1: "Metrische und textgeschichtliche Prolegomena" (Berl. 1888). Über die an die Exegese sich knüpfenden Fragen vgl. Pischel und Geldner, Vedische Studien, Bd. 1 (Stuttg. 1889; Einleitung). Ein Wörterbuch zum R. hat Graßmann verfaßt (Lpz. 1873-75); derselbe gab eine metrische Übersetzung in zwei Teilen (ebd. 1876-77). Eine prosaische Übersetzung mit Einleitung, Kommentar und Register in 6 Bänden lieferte Ludwig (Prag 1876-88). Einzelne Hymnen sind übersetzt von Max Müller, Rig-Veda-Sanhita. Translated and explained, Bd. 1 (Lond. 1869; neu ausgelegt und um einige Hymnen und Anmerkungen vermehrt in den "Sacred Books of the East", Bd. 32, Oxford 1891); Geldner und Kaegi, Siebenzig Lieder des R. (Tüb. 1875) u. a. Zur Einführung in den R. ist zu empfehlen Kaegi, Der R., die älteste Litteratur der Inder (2. Aufl., Lpz. 1881). Wichtig ist Bergaigne, La Religion Védique (3 Bde., Par. 1878-83); Oldenberg, Die Religion des Veda (Berl. 1894).
Rijder (spr. reid-), Münze, s. Ducaton.
Rijeka, Fluß in Montenegro, s. Rjeka.
Rijksdaalder (spr. reiks-), niederländ. Silbermünze, a. alte Reichsmünze, s. Daalder; b. frühere Handelsmünze, s. Dukaten; c. gegenwärtig umlaufende Courantmünze von 2 1/2 Gulden (s. d.) = 4,25 M. (60 Thlr. oder 180 M. = 1 kg Feinsilber gerechnet).
Rijoo, japan. Goldmünze, s. Kobang.
Rikoschettieren (ricochetieren, vom frz. ricochet, Sprung, Abprall), aufschlagend abprallen.
Rikoschéttschuß, Prellschuß, eigentlich eine Schußart, bei der das Geschoß, bevor es das Ziel erreicht, mehrere Sprünge macht, also soviel wie Rollschuß (s. d.).
Der R. im engern Sinne, jetzt meist Enfilierschuß genannt, gehört dem Belagerungskrieg an und geht von einer Aufstellung von Batterien (Rikoschettbatterien, Enfilierbatterien, s. d. und Förmlicher Angriff) aus, die in der Verlängerung einer einzelnen Linie eines Festungswerks genommen wird und den Zweck hat, dieselbe der Länge nach zu bestreichen. Der R., auf Vorschlag des franz. Marschalls Vauban zuerst 1697 bei der Belagerung von Ath angewandt, ist eine besonders erfolgreiche Schußart, da er das Ziel in seiner längsten Ausdehnung faßt und die Aussicht gewährt, mehrere Gegenstände hintereinander zu treffen. Das beliebteste Geschoß zum R. ist die Granate. Bei den Granaten der gezogenen Geschütze mit Perkussionszündern ist ein eigentlicher R. nicht mehr möglich, da diese Geschosse beim ersten Aufschlage krepieren; doch wendet man den Ausdruck wohl noch an, wenn überhaupt eine Festungslinie der Länge nach bestrichen wird.
Riksdaler (Reichsthaler) oder Riksdaler
Riksmynt (Reichsthaler Reichsgeld), in Schweden die Geldeinheit der bis zur Einführung des gegenwärtigen, den skandinav. Staaten gemeinsamen Goldmünzfußes (der Kronenwährung, 1875) geltenden Silberwährung. Der R. wurde seit 1856 in 100 Ore, vorher in 48 Schilling (Skilling) zu 4 Stüber (Stysver), eingeteilt und im Gewicht von 8,502 g, bei einer Feinheit von 750 Tausendsteln geprägt. Der Umtausch der Geldstücke dieser frühern schwed. Währung gegen diejenigen der jetzigen erfolgte zum Satze von 1 R. = 1 skandinav. Krone. (Daler und Rigsdaler.)
Rikwa, See in Asrika, s. Leopoldsee.
Rila, Gebirge, s. Rilodagh.
Riley, Fort, in Kansas, s. Fort Riley.
Rille (spr. rij) oder Risle, Fluß in der Normandie, entspringt im franz. Depart. Orne an der Nordseite der Monts d’Amain, tritt unterhalb Laigle in das Depart. Eure, wendet sich nach Norden, erhält links, zwischen Beaumont und Brionne, die Charentonne, wird dann auf die letzten 30 km schiffbar und mündet nach 148 km langem Lauf unterhalb Pont-Audemer in die Seinebai.
Rillen (geogr.), s. Priel. R. heißen auch die Schluchten des Mondes (s. d., Bd. 11, S. 990 a).