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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sammetband – Samoa-Inseln

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Sammet'

unaufgeschnittenen Schleifen nicht frei aufrecht, sondern sind von dicken Einschlagfäden durchzogen. Beim façonnierten S. stellt man ein Muster durch Flor von verschiedener Länge oder Farbe, durch teilweises Aufschneiden der Noppen, durch nur teilweises Besetzen des Grundes mit Flor oder durch Aufpressen der Figur her. Eine besonders als Möbelbezug beliebte Art des façonnierten S. ist das Frisé; es zeigt auf glattem Grunde Figuren, die zum Teil aus geschnittenem, zum Teil aus gezogenem S. bestehen, so daß lediglich durch verschiedene Arten der Lichtzerstreuung schon dreierlei Oberflächenbeschaffenheiten zu stande kommen. Beim baumwollenen oder unechten S. (Manchester, Kord) wird die Haardecke aus Einschlagfäden gebildet, welche reihenweise frei liegen und aufgeschnitten werden, worauf man die Enden aufbürstet und kurz abschert. Die Sammetfabrikation, deren Anfänge bis in die röm. Kaiserzeit zurückreichen, stand im 12. bis 14. Jahrh. in Italien in hoher Blüte; doch kam lange Zeit die schönste Ware aus Konstantinopel. Später hat diese Fabrikation fast in allen Ländern, wo die Textilindustrie gepflegt wird, Eingang gefunden. Obenan in ganz feiner Ware steht Frankreich (Lyon), der indessen die vorzüglichen Halbseidensammete Deutschlands in Krefeld und Elberfeld in ihrer Ausführung sehr nahe kommen. Baumwollsammete liefern die Rheinprovinz und Hannover. Felbel (s. d.) und Plüsch (s. d.) sind vom eigentlichen S. durch die Länge des Haars verschieden.

Sammetband, s. Bandfabrikation (Bd. 2, S. 360a).

Sammet-Brueghel, s. Brueghel, Jan.

Sammethaken oder Sammetmesser, soviel wie Dreget (s. d.).

Sammetmilbe (Trombidium holosericeum L., Trombidium foliginosum Herm., s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer II, Fig.4), Erdmilbe, Glücksspinnchen, eine etwa 3mm lange, blutrote, sammetartig behaarte Laufmilbe (s. d.), die sich von Blattläusen und kleinen Fliegen nährt. Die sechsbeinigen Larven schmarotzen an Insekten und Spinnentieren.

Sammetpalme, s. Latania.

Sammetröschen, s. Bellis.

Sammettapete, s. Tapeten.

Sammetteppich, s. Teppiche.

Sammetvögel, s. Manakins.

Sammicheli, ital. Baumeister, s. Sanmicheli.

Sammler, Apparate zur Aufspeicherung von elektrischer Energie, s. Accumulatoren.

Samnaungruppe, Teil der Ostalpen (s. d., Bd. 12, S. 694a).

Samnīter (Samnites), ein Volk des alten Italiens, umbrisch-sabellischen Stammes. (S. Italische Völker und Sprachen.) Sie waren nach ihrer Stammsage infolge des Gelöbnisses eines heiligen Frühlings (ver sacrum, s. d.) von ihrer sabinischen Heimat südwärts ausgesandt worden, hatten sich, durch einen von Mars gesandten Stier geleitet, in dem Bergland zwischen der apulischen und campanischen Ebene niedergelassen und verzweigten sich von dort aus auch nach den südl. und östl. Ausläufern des Apennin. Die Gegend um Bovianum (jetzt Bojano) ward der Mittelpunkt ihres Gebietes. Ihr Land war wald- und weidenreich und hatte am Volturnus beträchtlichen Ölbau. Das Volk, kriegerisch und freiheitsliebend, wohnte zum größten Teil in offenen Dörfern und zerfiel in einzelne Gemeinden und ↔ Gaue, die zusammen für die Zwecke gemeinsamer Verteidigung eine Eidgenossenschaft bildeten mit einer Vertretung der einzelnen Gemeinden, die den Oberfeldherrn wählte. Ein Mittelpunkt des Stammes war Bovianum vetus (jetzt Pietrabbondante). Vorstöße in fremdes Gebiet machten die einzelnen Kantone auf eigene Faust. Samnitische Krieger stürzten 438 (?) v.Chr. die Herrschaft der Etrusker in Capua, 420 die der Griechen in Cumä. Mit den Römern kamen die S. 354 v.Chr. in Berührung, als beide, von verschiedenen Seiten erobernd vorgehend, am Liris, der Grenze zwischen Latium und Campanien, zusammentrafen. Zunächst wurde damals ein Freundschaftsbündnis geschlossen; allein als die Campaner in Capua, von den S. der Berge bedrängt, sich unter Roms Schutz stellten, soll es 343 zum ersten feindlichen Zusammenstoße gekommen sein (erster Samniterkrieg). Die Überlieferung berichtet von großen Siegen und einem vorteilhaften Frieden 341, erweckt aber starke Zweifel, 340 sind Römer und S. jedenfalls wieder als Verbündete gegen Campaner und Latiner thätig. Zu einem wirklichen Kriege (dem zweiten Samniterkriege) kam es wohl erst 326. Er endete 304 nach wechselvollen Kämpfen mit dem Siege Roms. (S. Rom und Römisches Reich, Bd. 13, S. 951.) Auch in dem bald danach (298) ausbrechenden dritten Samniterkriege blieben die Römer schließlich siegreich. Die S. mußten 290 ein Bündnis mit Rom eingehen. Ihr Unabhängigkeitsgeist wurde freilich dadurch nicht gebrochen; Pyrrhus und Hannibal fanden sofort wieder Bundesgenossen an ihnen. In dem letzten Unabhängigkeitskampfe, den die Italiker gegen Rom kämpften, dem sog. Bundesgenossenkrieg (s. d.) seit 91 v.Chr., bildeten die S. den Kern und die Seele der Aufständischen. Sie setzten, als die übrigen Italiker sich bereits unterworfen hatten, an der Seite der Marianer den Kampf gegen Sulla fort und lieferten diesem 1. Nov. 82 eine blutige Schlacht unter den Mauern Roms. Nachdem sie endlich erlegen waren, ließ Sulla 6000 Gefangene niederhauen und Samnium verwüsten. Danach haben sich nur spärliche Reste erhalten, das eigentliche Volk war vernichtet.

Samnītes, s. Samniter und Gladiatoren.

Samnĭum, das Land der Samniter (s. d.).

Saṃnyāsin, vierte Lebensstufe der Brahmanen (s. d.).

Samo, s. Samos.

Samoa, Saman, kleine Insel der niederländ.-ostind. Residentschaft Timor, im O. durch eine schmale Meerenge von der Südspitze von Timor getrennt, besteht aus Sandstein und tertiärem Kalkstein und hat Schlammvulkane. Erdbeben sind häufig.

Samoa-Inseln, Navigatoren oder Schifferinseln, eine im NO. der Tonga-Inseln zwischen 13 und 15° südl. Br. und 169 und 173° westl. L. von Greenwich gelegene Inselreihe Polynesiens, die aus vier großen und zehn kleinen vulkanischen Inseln besteht, welche zusammen 2787 qkm umfassen. (S. Nebenkarte zur Karte: Oceanien.) Die großen sind Savaii (s. d.) mit 1707 qkm, Upolu (s. d.) mit 881 qkm, Tutuila (s. d.) mit 139 qkm und Manua oder Tau (s. d.) mit 58 qkm. Die Inseln haben hohe, meist steile Küsten, aber bei dem Mangel an Dammriffen keine besonders guten Häfen, und sind alle voll hoher Berge, die auf Savaii eine Höhe von 1650 m erreichen und deren Gestein durchaus vulkanisch ist. Schöne Ebenen, welche die Berge an den Küsten umgeben und die einzigen bewohnten Teile bilden, zeichnen sich durch gut bewässerten, sehr

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 254.