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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Santorinerde - Sanzio
(die Kleine Verbrannte), 1707-11 zwischen beiden
die Insel Nea - Kaimeni (die Neue Verbrannte), bei
welcher von Ende Jan. 1866 dis Ende Okt. 1870 hef-
tige Eruptionen stattfanden. Am südöstl.Ufcr erhob
sich der Georgvulkan: am südwestlichen entstand aus
aufquellenden Lavamasscn die später mit Nea-Kai-
meni verbundene Insel Aphroessa nebst andern
Inselchen. Die Beobachtung dieser letzten Eruptionen
durch hervorragende Gelehrte war für die Kenntnis
der vulkanischen Erscheinungen in vieler Hinsicht
epochemachend und trug dazu bei, L. von Vuchs
Theorie der Erhebungskrater zu widerlegen.
Die Insel leidet an Wassermangel; Bäume giebt
es nicht. Doch sind die vulkanischen Aschen und
Laven, wo sie verwittern, nicht unfruchtbar und er- ,
zeugen vor allem einen vorzüglichen feurigen roten !
und weiften Wein, das Hauptprodukt der Insel,
welches vielfach auch nach Europa, besonders Ruß-
land, ausgeführt wird. Auch Puzzolanerde wird
exportiert. Die Auhenküsten sind hafculos; der
Krater würde einen trefflichen Hafen abgeben,
wenn genügender Ankergrund vorhanden wäre.
Man hat auf der Infel Spuren einer prähistor.
Kultur gefunden. Im 2. Jahrtausend v. Chr. siedel-
ten sich Phönizier an. Nach Einwanderung von
Doriern aus Lakonien blühte Thera durch Schiffahrt
und Handel empor und gründete die Kolonie Kyrcne
in Afrika (um 631 v. Chr.). Darauf versank die
Infel bald in Bedeutungslosigkeit und teilte wäh-
rend Mittelalter und Neuzeit die Geschichte der
Cykladen. Erst 1566 wurde den Venetianern die
Insel durch Piali Pascha entrissen und von den
Osmanen Degirmenlik genannt. 1889 zählte Thera
11924, Therasia 812 E., die zum Teil katholisch sind.
Hauptort ist Phirä (1023 E.) auf der Höhe des Krater-
randes. - Vgl. Fritsch, Reiß und Stübel, Santorin
iHcidelb. 1867); dies., Geschichte und Beschreibung
der vulkanischen Ausbrüche bei S. (ebd. 1868);
I. Schmidt, Studien über Erdbeben (2. Ausg., Lpz.
1879); Fouque", 8. et 868 6iupti0N3 (Par. 1879).
Santorinerde, Santorin, s. Cement und
Mörtel.
Santorini, Giov. Domenico, ital. Anatom,
geb. 6. Juni 1681, gest. 7. Mai 1737 als Proto-
mcdicus und Arzt am Spcdaletto zu Venedig; nach
ihm sind die I^iiii88lli'i3. Hiintoi-ini, die kleinen Ve-
nen, die die äusiern Kopfvenen durch befondcre Off-
nungen in den Schüdelknochen mit den Vlutleitern
der harten Hirnhaut verbinden, sowie der Lach-
muskel (s. d.) und die Santorinischen Knorpel des
Kehlkopfes (s. d.) benannt.
Santo s (Los S. de Maimona), malerisch ge-
legene Stadt im Bezirk Zafra der span. Provinz Ba-
dajoz in Estremadura, am Ostfuß der Sierra de Iercz,
in der Tierra de Barros, an der Bahnlinie (Bada-
joz-)Merida-Zafra(-Sevilla), hat (1887) 6509 E.,
Tuchweberei und Kupferminen.
Santos, Hafenstadt des brasil. Staates Säo
Paulo auf der Nordseite der Insel Säo Vicente und
am Fuße des isolierten Berges Monserrate (mit
Kirche), in dicht bewaldeter Gegend, mit ungesundem
Klima, modern gebaut, zählt über 20000 E., dar-
unter viele Ausländer, hat ein Stadthaus, ein Ar-
senal, ein Zollhaus (das ehemalige Iesuitenkolleg),
mehrere Kirchen und Klöster, einen kleinen, aber
tiefen Hafen mit Leuchtturm und neuen Quaianlagen,
mehrere Banken, ein bedeutendes Hofpital, ferner
Pferdebahn, Gasbeleuchtung, Wasserleitung und
einen schönen, öffentlichen Garten. Fünf Eisenbahn-
linien führen in das Innere und nach Rio de Ja-
neiro (14 Stunden). S. ist Sitz eines deutschen Kon-
suls, Station der Dampfer der Hamburg-Südame-
rikanischen Dampfschisfahrtsgesellfchaft, des Nord-
deutfchen Lloyd, der No^ai Naii 8t6ain lacket
(^oinMn^ und der <ÜIiHi-^6ui'8 Ii6uni8. S. ist neben
Nio der wichtigste Ausfuhrplatz für Kaffee. Es
wurden ausgeführt 1885/86: 1,65, 1889/90: 2,on,
l892/93: 3,4i Mill. Säcke (zu 601^>. Davon gingen
fast ein Drittel nach den Vereinigten Staaten von
Amerika, 870 860 Sack nach Hamburg und Bremen,
539 411 nach Havre und Bordeaux, 463 918 nach
Antwerpen und den Niederlanden, 366023 nach
dem Mittelmeer.
Santo Stefäno, eine der Ponza-Inseln (s. d.).
Santschl, Ort bei Vhilsa (s. d.) in Ostindien.
San Vicente de Austrla, Stadt im central-
amerik. Staate Salvador, ungefähr in der Mitte des
Landes, hat etwa 14000 E., eine schöne Hauptkirche:
Tabak- und Indigopflanzungen, Tabakfabriken und
eine viel besuchte Messe.
San Vito alTagliamento (spr. talja-), Haupt?
stadt des Kreises S. V. a.T. (29143 E.) der ital. Pro-
vinz Udine in Vcnetien, westlich vom Tagliamento,
an der Linie Casarfa-Portogruaro(-Venedig) des
Adriatischen Netzes, hat (1881) 4707, als Gemeinde
8839 E.; Seiden-und Leinenweberei.
San Vito dei Normanni, Stadt im Kreis
Brindisi der ital. Provinz Lecce in Apulien, an der
Linie Ancona-Vrindisi des Adriatischen Netzes, hat
(1881) 6887, als Gemeinde 8512 E. ^Ioaquin.
San Voaquin, Fluß in Kalifornien, s. San
San Yuste, Kloster, s. Geronimo de San Duste.
Sanz del Rio, Julian, span. Gelehrter, Ver-
treter der deutschen Philosophie in Spanien, geb.
1814 zu Torre-Arevalo in der Provinz Soria, stu-
dierte Philosophie und Jurisprudenz in Cordoba,
Granada und Madrid und erhielt bald einen Lehr-
stuhl der Philosophie an der Universität von Madrid.
1843 sandte ihn die Negierung nach Deutschland,
um daselbst Philosophie zu studieren und deutsches
Wissen in Spanien einznführen. Nach drei Jahren
heimgekehrt, beschäftigte sich S. in tiefster Zurück-
gezogenheit auf einem Dorfe mit der Entwicklung
der philos. Anregungen, die er mitgebracht hatte.
Von 1849 ab bis zu seinem Tode widmete er sich
dem Vortrage der Geschichte der Philosophie in der
Fakultät für Philosophie und Litteratur an der
Madrider Universität. Er starb 12. Okt. 1869 zu
Madrid außerhalb jeder positiven Religion: seine
Bestattung war das erste rein bürgerliche Begräb-
nis in Spanien. S. bildete sich an Friedr. Krause
weiter aus, über den er jedoch bald hinaus zu einer
gewissen Selbständigkeit der philos. Principien fort-
schritt. Er hinterließ eine Menge tiefsinniger, wenn
auch schwer verständlicher Schriften, von denen er-
schienen sind: "lü. 0. K Xiau86. 8i8t6in3. äe la
tilogoliH metHfisica. I'i'imeia, pÄite: ^nä.Ii3i3"
(Übersetzung: Madr. 1860), "Xarlog Xi-au86. I^ec-
cionoä 801)1-6 61 8i3t6niH ä6 1a. Üi08otm" (ebd. 1850),
"^V6l)6r, <I?0MP6Qäi0 ä6 1a. 1ii3t01'ia univ6r83.1,
lnimenwäo poi- 3. ä.N." (3 Bde., 1853-56), "voc-
trinlll äe loFica" (unvollständig; Madr. 1863),
"Ivi-ini36: Iä63.I äe 1a. iiuiuHniäaci pai-a. Ia viäa.
l^on introäuccion ^ coin6nwi-i08" iA Aufl., ebd.
1871). Aus seinem Nachlaß erschien: "^ai-wä in-
6äitH8" (Madr. 1875), "^nä.1i8i8 äei xen^inieiito
i-Hcionai" (ebd. 1878).
Sanzio, Raffael, ital. Maler, s. Raffael Santi.