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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Scaphiten - Scarlatti
Assistent an der geburtshilflichen Klinik und 1848
ordinierender Arzt der Abteilung für Frauenkrank-
beiten. 1859 ging er als Professor der Geburts-
hilfe an die Universität zu Würzburg; 1888 gab er
Lehrthätigkeit und Praxis wegen Kränklichkeit auf
und zog sich auf sein Gut Schloß Zinneberg in
Oberbayern zurück, wo er 12. Juni 1891 starb.
Er schrieb das "Lehrbuch der Geburtshilfe" (Wien
1849 fg.; 4. Aufl., 3 Bde., 1867), dem ein "Kom
pendium der Geburtshilfe" (ebd. 1854; 2. Aufl.
1861) folgte; ferner "Lehrbuch der Krankheiten der
weiblichen Serualorgane" (ebd. 1856; 5. Aufl. 1875),
"Die Krankheiten der weiblichen Brüste und Harn-
werkzeuge" (2. Aufl., Prag 1859), "Beiträge zur Ge
burtskundc und Gynäkologie", Bd. 1-7 (Würzb.
1854-73)^ "Die chronische Metritis" (Wien 1863).
Scaphlten (8<Hp1iit68 ^"i-/c.), kahnförmige
Anrmoniten (s. d.) aus dem Kreidesystem.
3oa.pkoi"öaH, s. Weichtiere.
soapknra. Vi^or"!, eine Art der Laubheu-
schrecken (s. d.).
Scapin (frz., spr. -päng), Maskenrolle der ital.
Volkskomödie, ein verschmitzter Diener.
SoaMia. (lat.), das Schulterblatt, s. Schultern.
Scapulier, s. Skapulier.
3oa.VN8 (lat.), Schaft, Stamm, Säulenschaft;
Pfeiler, um den sich eine Treppe windet.
Scarabäus (lat., "Käfer"), vorzugsweise Be-
zeichnung des Heiligen Käfers, ^t6ii<^Iiu8 L^cer Iv.
Er gehört zur Familie der Mistkäfer (s. d.), ist schwarz
und glatt, etwa 4 cm lang, der Kopf schildförmig,
vorn mit sechs Spitzen wie eine aufgehende strah-
lende Sonne. Die Vorderbeine haben fingerförmig
gezähnte Schienen, aber keine Füße (Tarsen). Er
findet sich besonders an den Küsten des Mittelmeers,
macht, wie alle Arten seiner Gattung, Pillen aus
frischem Mist, in die er ein Ei legt. Er wurde von
den Ägyptern als Symbol der Schöpferkraft, nach
andern als Sonnengott verehrt; fein hieroglyphi-
scher Name ist Cheper oder Cheperi. Bekannt
sind die unzähligen Nachbildungen des Heiligen
Küfers in Stein und gebrannter
Erde (Skarabäen, Käfer-
steine, s. beistehende Figur). Sie
dienten ursprünglich als Amu-
lette, später als Schmuck- oder
Siegelsteine und sind deshalb
meist mit einem Loche in der Länge
des Käfers versehen, um sie an
Schnüren aufziehen zu können.
Diese Skarabäen pflegen auf der
glatten Unterseite mit hieroglyphischen Nainen von
Göttern oder Königen, selten von Privatleuten, oft
mit kurzen religiösen Inschriften oder mit heiligen
Syrnbolcn versehen zu sein. Sie sind meist etwa
1,5 cm lang; es sinden sich aber auch größere, bis zu
7-10 cm Länge. Aber nicht allein in Ägypten,
sondern auch in Asien, Griechenland und Italien,
besonders in Etrurien (s. Chiusi), sinden sich diese
Skarabäen, zum Teil als wertvolle Gemmen, meist
aus Karneol, mit verschiedenen Darstellungen, zu-
weilen auch mit ägyptisierenden Symbolen, welche
auf die Heimat dieser Sitte hinweisen. - Vgl. Flin-
ders Petrie,lli3t0i-ica1 Lcaraw (Lond. 1889); Myer,
809.1^1)8. 11i6 1li8tor^, IN5MUl'ÄCtUI'6 3.Nl1 reii^iouä
L)'iul)0li3?n ot' t1i6 8cai'I,I)SLU8 (ebd. 1894).
Scaramüz (ital. sc^HiuiieciH, spr. -muttscka),
neben dem Arlecchino (s. d.) auf der ital. Bühne einer
der stehenden Charaktere für die Farce, der Typus
des neapolit. Abenteurers. Er trat um 1680 an die
Stelle des alten span. Kapitäns, ging ganz schwarz
in span. Tracht, wie sie in Neapel bei Hofleutcn
und Obrigkeiten gebräuchlich war, und stellte den
Aufschneider vor, der am Ende vom Arlecchino
durchgeprügelt wird. Außerordentlichen Beifall
erntete in dieser Rolle, namentlich zu Ludwigs XIV.
Zeit, der Neapolitaner Tiberius Fiorelli. In
Frankreich wurde der S. auch zur Darstellung an-
derer niederer Charaktertypen gebraucht.
Scarborough (spr. -böro oder -dro), Municipal-
und Parlamentsborough sowie Seebad in der engl.
Grafschaft Uork, im North-Niding, an der Nordfee-
küste auf ansteigendem Ufer gelegen, Station der
Linie Aork-Whitby der North-Easternbahn, mit
(1891) 33 776 E., zerfällt in den altertümlichen Nortb-
Cliff und das elegante Fremdenviertel South-Clisf,
die durch Brücken über den Einschnitt Namsdale
Valley verbunden sind. S. besitzt guten Strand
mit Pier, umfangreiche Badegebüude mit Theater,
Kunstgalerie u. s. w., Museum und ein Aquarium
bei Cliff-Bridge. Hinter South-Cliff liegt Oliver-
Mount (183 m). Auf dem Vorgebirge im N. des
Hafens ein Schloß (12. Jahrh.). Fischerei, Schiff-
bau, Segeltuchmanufaktur, Ietfchleiferei fowie
Handel mit Getreide, Butter, Salzfleisch und
Schinken sind die Haupterwerbs zweige.
Scarborough (spr. -börö), Hauptstadt von Ta-
bago (s. d.). ftnseln.
Scarboroughinseln (spr. -böro-), s. Gilbert-
3o9.rHiniU8 sr^kropktkHiiuus, Rot-
feder, Fisch, s. Plötze.
Scana, Emil, Vassist, geb. 18. Sept. 1838 zu
Graz, studierte Rechtswissenschaft, dann Gesang;
1860 betrat er in Pest die Bübne. Von Pest wandte
sich S. nach Frankfurt a. M. und Brunn, vervoll-
ständigte 1862 seine Ausbildung in London und
wurde im selben Ia-Hre Mitglied des Hoftheaters zu
Dessau, 1863 des Leipziger Stadttheaters, 1864 des
Dresdener und 1872 des Wiener Hoftheaters, dem
er bis 1886 angehörte. Er starb 22. Juli 1886 in
Blasewitz bei Dresden. S., in den letzten Jahren
besonders als Wagnersünger gefeiert, war einer der
bedeutendsten Bassisten seiner Zeit.
3<3Hrläa.s, s. Papageifische.
Scarifitation (lat.), das Schröpfen, auch kleine
Einschnitte mit dem Messer (s. Blutentziehung);
Scarifikator, der Schröpfschneppcr.
Scarl,Val da, Hochthal der Münsterthaler Al-
pen im Bezirk Inn (Unterengaoin) des schweiz. Kan-
tons Graubünden, erstreckt sich 20 km lang in nord-
nordwestl. Richtung bis Schuls, wo sein Bach, die
Clemgia, in den Inn mündec. Die obere Thalstufe,
von den Massiven der Nrtolaspitze (2903 m), des
vergletscherten Piz Sesvenna (3221m) und des Piz
Tavrü (3168 m) umschlossen, ist ein einsames Weide-
thal. Verfallene Hüttenwerke weisen auf einstigen
Bergbau (Silber und Blei) hin. Die untere Stnie
ist eine finstere Klamm.
8oa.r1a.tin2. (sc. lsdi-ig), das Scharlachfieber.
Scarlatti, Alessandro, ital. Komponist, geb.
1649 zu Trapani in Sicilien, erhielt seine musi-
kalische Ausbildung wahrscheinlich durch Carissimi
in Nom. Hier wurde er später Kapellmeister der
Königin Christine von Schweden und führte als
solcher 1680 die Oper "I^'Onestg. üßii'^inore" im
Palast der Kömgin auf. 1693 verließ er Rom,
wurde Kapellmeister in Neapel, ging 1703 wieder
nach Rom, wo er bis 1707 als zweiter, von da an