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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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5carlettabahn - Scaurus
bis 1709 als erster Kapellmeister an der Kirche
Eta. Maria Maggiore und als Direktor der Privat'
nmsik des Kardinals Ottoboni wirkte. 1709 wandte
er sich abermals nach Neapel, .hier wurde er königl.
Lberkapellmeister und leitete abwechselnd die Kon-
servatorien di Sant'Onofrio, dei^Poveri di Gesü
Cristo und di Loreto. Zu seinen Schülern gehören
Durante und Hasse. Er starb 24. Okt. 1725 zu
Neapel. S. hat etwa 120 Opern (20 sind crbalten)
geschrieben, darunter als die bedeutendsten: "I^o-
8llui-H" (um 1690; neu hg. von der Gesellschaft für
Musikforschung), "^eoäoi^" (1693) und "^i^rane"
(17)5). Daneben verfaßte er auch eine große Menge
von Kirchen- und Kammerkompositionen, Orato-
rien, Madrigalen u. s. w. Besonders berübmt war er
als Komponist von Kantaten für eine Singstimmc mit
Klavierbegleitung, deren er mehrere Hundert schrieb.
In die Oper führte er diejenigen Formen ein, die
dann durch die sog. Neapolitanische Schule weiterge-
bildet und zu den herrschenden gemacht wurden, vor
allem die leidenschaftliche Bravourarie u. s. w.
Sein Sohn, Domenico S., der größte Klavier-
spieler Italiens in der ersten Hälfte des 18. Iadrb.,
auch hervorragender Komponist für sein Instru-
ment, geb. 1683 zu Neapel, war Schüler seines Va-
ters und Gasparinis. 1709 traf er in Venedig mit
Händel zusammen, dem er aus Bewunderung
lnamentlich für seine Klavicrimprovisationen) nach
Rom nachreiste. Hier machte er sich durch Opern,
Kantaten und Kirchensachen einen Namen und wnrde
1715 Tommaso Bajs Nachfolger als Kapellmeister
an der Peterskirche. 1719 ging er nach London,
wo er als Accompagnateur an der Italienischen
Oper fungierte, auch 1720 feine Oper "Xln-cisäu"
zur Aufführung brachte, aber neben Händel nickt
durchdringen konnte; 1721-26 wirkte er als Hof-
tlavierlehrer in Lissabon. Sodann kcbrte er nach
Italien zurück, das er 1729 wieder verließ, um als
Hofklavierlehrer nach Madrid zu geben. Er starb
1757 zu Neapel. S. ist der klassische Komponist für
die ältere Klaviersonate. Viele seiner Sonaten er-
schienen neuerdings wieder im Druck.
Scarlettabahn, s. Scalettabahn.
Scarpa, Antonio, ital. Anatom und Chirurg,
geb. 13. Juni 1747 zu Motta in der Mark Treono,
studierte Medizin in Paona und Bologna, kam 1772
als Professor der Anatomie nach Modena, wo er
auch erster Wundarzt am Hospital wurde. Wähv'nd
der acht Jahre, die er hier verlebte, wurden von ihm
fast alle mcdiz. Anstalten, namentlich ein anatom.
Hörsaal und eine chirurg. Klinik neu geschaffen. Vom
Herzog Ercole III. beleidigt, ging er nach Frank-
reich, Holland und England. Kaiser Joseph II. er-
nannte ihn 1784 zum Professor der Anatomie in
Pavia. Als 1796 Pavia der Cisalpinischen Re-
publik einverleibt wurde, wurde S. an die spitze des
Direktoriums der mcdiz. Angelegenheiten für den
chirurg. Teil gestellt. Napoleon I. ernannte ihn zu
seinem ersten Wundarzt; 1812 trat er in Ruhestand.
Als Pavia wieder an Österreich gekommen war,
wurde S. zum Direktor der mcdiz. Fakultät ernannt,
welche Stelle er indes auch bald wieder niederlegte.
Er starb 31. Okt. 1832. Eine Gesamtausgabe von
^.s Werken veranstaltete Vacconi (3 Bde., Flor.
1836). Eine Reihe chirurg. Abhandlungen erschien
als "Antonio S.s neue chirurg. Schriften" (deutsch
von Thieme, 2 Bde., Lpz. 1828-31). - Vgl. Taglia-
serri, It^FionaiuLiNo intorno la vitg, Zcikutiüca, di
^utonio 3. (Mail. 1834).
Scarpanto, türk. Infcl, s. Karpathos.
Scarpe, 112 Km langer linker Nebenfluß der
Schelde in Nordfrankreich, entspringt im W. von
Aubigny (Depart. Pas-de-Calais), berührt im öftl.
Lauf Arras und Douai, uimmt vor letzterm den Ka-
nal der Senfse auf, wird durch Kanalisation nebst
18 Schleusen (4,60-5,20 in breit, 42 m lang) auf
67 kin fchiffbar und mündet unterhalb St. Armand
kurz vor der belg. Grenze.
^carron (spr. -öng), Paul, burlesker und komi-
scher Dichter der Franzosen, geb. 1610 zu Paris,
führte in seiner Jugend nach vollendeten Studien
ein sorgloses Genuftlebcn, wurde aber in seinem
28. Iabre körperlich gelähmt und durch Verlust
seines Vermögens gezwungen, als Schriftsteller
seinen Unterhalt zu suchen! Die Königin Anna,
Mutter Ludwigs XIV., unterstützte ibn durch ein
Iadrgehalt. S. führte feitdem ein gastfreies Haus,
in dem die angefehensten Männer und Frauen der
Zeit verkebrten, besonders seit 1652, wo er Made-
moiselle d'Aubigne', die nachmalige Frau von Main-
tcnon, heiratete'. Er starb 14. Okt. 1660 zu Paris.
S. hat die Burleske nach Frankreich verpflanzt und
besonders das Lustspiel, den komischen Roman und
die Novelle kultiviert. Seine originellsten Schöpfun-
gen sind: "Virile trav68ti" (Par. 1648-53; hg.
von Fournel, ebd. 1858) und "Noiuan eomi^ue"
(2 Bde., ebd. 1651-57; hg. von Fournel, 2 Bde.,
ebd. 1857; deutsch von Saar, Verl. und Stuttg.
1887), eine durch Novellen unterbrochene Darstellung
aus dem Leben einer in der Provinz wandernden
Schauspielertruppe mit vorzüglichen kleinstädtischen
Charakterbildern; seine meist dem Spanischen nach-
gebildeten Lustspiele (1645-60) sind jetzt verschollen;
tt<l0li6i6t" (1645), "1^68 troi3 I)c>i-0t!i068" (1646),
"I^ei-itiei- i-iäicul?" (1649) erhielten sich noch bis
ins 18. Jahrh, und zeichnen sich durch witzigen
Dialog aus. Eins seiner niedrigsten Produkte ist
die Satire auf Mazarin: "^la^i-inaäs" (1649).
Seine acht Novellen sind meist nach ausländischen
Mustern, z. B. Cervantes, gearbeitet. Die "<Nivr68
c0inp1et68" gab Vruzen de la Martiniere (10 Bde.,
Par. 1737; neue Aufl., 7 Bde., 1786) heraus. - Vgl.
Morillot, 8. er 1s ^eniL dur1"8ciu6 (Par. 1888).
Scartazzuli, Joh. Andr., schweiz. Schriftsteller,
geb. 30. Dez. 1837 zu Bondo (Graubünden), stu-
dierte in Basel und Bern Philologie und Theologie,
war Pfarrer im Kanton Bern, seit 1871 Professor
der ital. Sprache und Litteratur an der Kantons-
schule in Chur, seit 1875 Psarrer in Soglio, seit 1882
Kirchenrat, und ist seit 1884 Pfarrer in Fahrwangen-
Meisterfchwanden am Hallwyler See im Aargau.
Seine wichtigsten Arbeiten sind: "Dante Aligbieri,
seine Zeit, sein Leben und seine Werke" (Biel 1869;
2. Ausg., Frankf. a. M. 1879), Dantes "vivina
(^0iniri6l1iH" (mit umfassendem Kommentar, 4 Bde.,
Lpz. 1874-90; Schulausgabe, Mail. 1893 u. 1895),
"Ocnits in 661'inaniH" (2 Bde., Mail. 1880 - 83),
"Abhandlungen über Dante" (Frankf. a. M. 1880),
"O^nw. Vita e Op^i-e" (2 Bde., Mail. 1883; 2. Aufl.
1894; englisch von Davidson, Bost. 1887), Ausgaben
von Tassos "(^ru8Hi6inin6 lidsi-H^" (Lpz. 1871;
2. Aufl. 1882) und Petrarcas "lÜHnxoniei-L" (ebd.
1883), "Dante-Handbuch" (ebd. 1892; englisch von
Vutler, Lond. 1893), "Nnciclopeäia. O3.nt68ca"
(Mail. 1895 fg.).
5o2.t0pk2.32., s. Dungfliege.
Scaurus, Marcus Amilius, ein Römer, der
verarmten Familie eines patricischen Geschlechts an-