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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schulze (Friedr. Aug.) - Schulze-Delitzsch
hauptsachlich mit mikroskopischer Anatomie und Ent-
wicklungsgeschichte der niedern Tiere; neben den Ab-
handlungen über "Die Hautsinnesorgane der Fische
und Amphibien" und über "Coixl^iopiwi-a I^cn-
8tri8" sind besonders seine Publikationen über See-
schwämme, speciell seine Monographie der Herak-
tinelliden (in den "iloportZ ol Uio I^x^eäition of
H. N. 8Iiip ^Ii^1i6NFoi'") zu nennen.
Schulze, Friedr. Aug., als Romanschriftsteller
unter dem Namen Friedrich Laun bekannt, geb.
1. Juni 1770 zu Dresden, trat zuerst als Assistent
in die kurfürstl. Finanzkanzlei, studierte 1797-1800
in Leipzig und kehrte dann nach Dresden zurück,
wurde 1807 Sekretär bei der Landes-Ökonomie-
Manufaktur- und Kommerziendeputation, erhielt
1820 das Prädikat eines königl. Kommissionsrates
und starb 4. Sept. 1849 zu Dresden. Ohne auf
höhere Bedeutung Ansprüche machen zu können,
gehörte S. zu den beliebtesten Belletristen, nament-
lich in der plattkomischen und naiven Gattung; be-
sondern Beifall gewann sein Roman "Der Mann auf
Freiersfüßen" (Freiberg 1801); in andern Werken
hält er sich von Frivolität nicht frei. Außer vielen
Erzählungen und Romanen gab S. mit A. Apcl das
"Gespensterbuch" (4 Bde., Lpz. 1810-11) heraus.
Seme "Gesammelten Schriften" erschienen mit Pro-
log von L. Ticck (6 Bde., Stuttg. 1313). 1837 ver-
öffentlichte er seine "Memoiren" (3 Tle., Vunzlau).
Tchulze, Fricor. Gottlob, Nationalökonom und
Lehrer der Landwirtschaft, geb. 28. Jan. 1795 auf dem
GuteGävernitz bei Meißen (deshalb häufig der Name
Schulze-Gävernitz), studierte zu Leipzig und
Jena und widmete sich dann auf den Gütern seines
Vaters der praktischen Landwirtschaft. Er wurde
1817 Oberverwalter der Weimar. Kammergüter Tie-
furt, Oberweimar und Lützendorf, 1821 außcrord.,
in der Folge oro. Professor zu Jena. Zur Ausbildung
angehender Landwirte und Kameralisten gründete
er daselbst 1820 ein Institut, das auf die Entwick-
lung der Landwirtschaft in Deutschland lange Zeit
sehr einflußreich wirkte. Während Tbaer die Land-
wirtschaft wcfcntlich nur von der naturwissenschaft-
lichen Seite aufgefaßt hatte, strebte S. auch deren
Begründung durch die Nationalökonomie an und
stellte neben die speciellen Lehren des Ackerbaues
und der Tierzucht einen auf nationalökonomifchen
Grundsätzen beruhenden allgemeinen Teil. Die
Grundgedanken feiner Anfchauung entwickelte er in
der Schrift "über Wesen und Studium der Wirt-
schafts- und Kamcralwissenschaften" (Jena 1820).
S. war der erste, der eine landwirtschaftliche Lehr-
anstalt organisch mit einer Universität in Verbin-
dung setzte. Nachdem ^. 1831 die landwirtschaft-
liche Akademie Eldena bei Greifswald eingerichtet
hatte, kehrte er 1839 nach Jena zurück, wo er für
die Zwecke des praktischen Unterrichts 1812 die
großherzogl. Kammergüter Zwätzen und Lehesten
pachtete. Die als Musteranstalt zur Ausbildung von
Vaucrnsöhncn geltende Ackerbauschule in Zwätzeu bei
Jena verdankt S. ihre Entstebung. Er starb 3. Juli
1860 in Jena. 180? wurde ihm zu Jena ein von
Drake modelliertes Denkmal gesetzt. Unter S.s
Schriften sind hervorzuheben: "Nationalökonomie
oder Volkswirtschaftslehre, vornehmlich für Land-,
Forst- und Etaatswirte" (Lpz. 1856) und das von
Emminghaus und Graf zur Lippe-Weißenfels her-
ausgegebene "Lehrbuch der allgemeinen Landwirt-
schaft. Nach S.s System und unter Benutzung des
handfcbrnt'ichen Nachlasses des Verstorbenen be-
arbeitet" (ebd. 1863). Eine Reihe wertvoller Auf-
sätze enthalten auch die von ihm 1841-53 heraus-
gegebenen "Deutschen Blätter für Landwirtschaft".
- Vgl. Birnbaum, Friedrich Gottlob S. als Re-
formator der Landwirtfchaftslehre (Frankf. 1800).
Schulze, Johannes, Leiter des höhern Unter-
richtswescns in Preußen, geb. 15. Jan. 1780 in
Bruel, studierte 1805-6 in Halle Theologie und
Philologie, wurde 1808 Gvmnasialprofessor in Wei-
mar. Zier wirkte er für Pflege patriotischen Geistes
und trat auch als Kanzclredner auf. 1812 berief ihn
Dalberg an das Gvmnasium in Hanau und er-
nannte ihn zum Obcrschul- und Studienrat. Bereits
damals vertrat ^. den Gedanken, daß der Schwer-
punkt des Gymnasialuntcrrichts auf alte Sprachen
und Mathematik zu legen sei. 1816 trat er in den
preuß. Staatsdienst als ^chulrat beim Konsistorium
und Schulkolleg in Koblenz. 1818 wurde er als
Geh. Oberregierungsrat und vortragender Rat m
das Kultusministerium nach Berlin berufen und
wirkte eifrig für Pflege des Turnens und Abwehr
der polizeilichen Beeinträchtigungen der Lehrfreiheit.
Das von ihm 1834 gefchaffene neue Reglement für
die Abiturientenprüfungen war vor allem wegen der
Stellung, die es dem griech. Unterricht anwies,
folgenreich; auch die Einführung der philos. Prüfung
und des Probejahres der Echulamtskandidaten und
die Gründung philol.-püdagogischer Seminare geht
auf S. zurück. Unter dem Ministerium Eichhorn seit
1840 trat S.s Einfluß zurück. 1852 wurde er zum
Wirkl. Geh. Oberrcgierungsrar ernannt und trat
1858 in den Ruhestaud. Seine Thätigkeit als Mit-
glied der Militärstudienkommission und der Direk-
tion der Kriegsakademie setzte er bis 1864 fort. Er
starb 20. Febr. 1869 in Berlin. Von seinen Schrif-
ten sind zu nennen: "Aufruf an die deutschen Jüng-
linge" (Jena 1808), die "Predigten" (Lpz. 1810) und
"Reden über die christl. Religion" (Halle 1811). Er
beteiligte sich auch an der Ausgabe der Werke Winckel-
manns und Hegels. - Vgl. Varrentrapp, Johannes
S. und das böhere preuß. Unterrichtswesen in seiner
Zeit (Lpz. 1889).
Schulze-Delitzsch, Hermann, Begründer der
deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften
ls. d.), geb. 29. Aug. 1808 zu Delitzsch, studierte in
Leipzig und Halle Jura, wurde 1830 Auskultator in
Naumburg a.S., 1838 Assessor amKammergericht zu
Berlin und kebrte 1841 als Patrimonialrichter nach
seiner Vaterstadt zurück. 1848 vertrat S. den Wahl-
kreis Delitzsch in der Nationalversammlung zu Ber-
lin, wo er zum Vorsitzenden des Ausschusses zur
Untersuchung des Notstandes der arbeitenden Klassen
ernannt wurde. Dabei gewann er die Überzeugung,
daß die Hebung der durch die Konkurrenz der Groß-
industrie bart bedrängten Kleingewerbe nur durch
die Bcsckasfung von Kapital und andern Mitteln des
Großbetriebes im Wege der Association zu erreichen
sei. 1849 begründete er in seiner Vaterstadt die erste
Rohstosfgenoffenschaft für Schuhmacher und Tifchler.
Inzwischen war er zum Mitglied der nach der oc-
troyierten Verfassung von 1849 berufenen Zweiten
Kammer gewählt worden, nach deren Auflöfung er
wegen Teilnahme an dem Steuerverweigerungs-
bcschlusse von 1848 verklagt, auf feine glänzende
Verteidigungsrede jedoch freigesprochen und an das
Krcisgericht zu Wccschen (Posen) versetzt wurde.
Doch nahm er bald seine Entlassuug und kehrte
nach Telitzsch zurück, wo er die Weiterentwicklung
! des Gedankens einer Hebung der arde^eu^cn Klassen